Materialwissenschaft
Henrik Ollmann

Wie Marienkäfer Pflaster verbessern

Die Materialforscherin Sarah Fischer tüftelt an Pflastern, die sich an die Haut anschmiegen und beim Abziehen nicht wehtun. Bei der Struktur dieser Pflaster hat sie sich von Marienkäfern inspirieren lassen.

Sprachwissenschaften
Jörg Pütz

Das GECCo-Team: José Manuel Martínez, Ekaterina Lapshinova-Koltunski, Katrin Menzel, Kerstin Kunz, Erich Steiner, Peggy Daut

Projekt zu Zusammenhängen in deutschen und englischen Texten abgeschlossen

Ein gemeinsames Projekt der Universitäten des Saarlandes und Heidelberg ist jüngst erfolgreich beendet worden. Im „GECCo“ (German English Contrasts in Cohesion – Towards an Empirically-based Comparison) genannten Projekt untersuchten Forscherinnen und Forscher aus Sprach- und Übersetzungswissenschaft die statistische Verteilung so genannter Kohäsionsmittel in deutschen und englischen Texten. Die Häufigkeit solcher Mittel, die inhaltliche Zusammenhänge über die Satzgrenzen hinweg anzeigen, ist maßgeblich zum Beispiel für die Arbeit im Sprachenunterricht oder für Übersetzer und Dolmetscher. Das DFG-Projekt lief von 2011 bis 2017 und wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit rund 650.000 Euro gefördert.

Biologie

Robert Ernst in seinem noch leeren Labor. Der 39-Jährige hat seine Professur im April angetreten.

Neuer Professor untersucht grundlegende Prinzipien von Zellmembranen

Zellmembranen sind aus einer Vielzahl von Bausteinen zusammengesetzt und erfüllen wichtige Funktionen bei der Kommunikation des Zellinneren mit der Umgebung. Wie ein Chamäleon seine Farbe an die Umgebung anpasst, können Zellen ihre Membranen durch den Einbau unterschiedlicher Bausteine an Veränderungen anpassen. Eine Störung dieser Anpassungsfähigkeit führt schnell zu Fehlern. Forscher vermuten daher, dass solche Störungen Krankheiten wie Alzheimer und Diabetes auslösen können. Robert Ernst, Professor für Molekularbiologie, möchte gemeinsam mit Kollegen aus den USA, Israel und Deutschland herausfinden, wie Zellen auf Umwelteinflüsse reagieren. Die Forscher werden von der VW-Stiftung mit 1,5 Millionen Euro gefördert.

Life Science
Foto: Claudia Ehrlich

v.l.: Dr. Michelle Seif, Prof. Dr. Alexandra K. Kiemer und Dr. Frank Breinig.

Hefe-Köder löst Alarm gegen Krebszellen aus

Pharmazeuten und Molekularbiologen der Saar-Uni bringen Immunzellen, so genannte Makrophagen, dazu, dass sie Alarm schlagen und die körpereigene Abwehr auf Krebszellen-Jagd schicken. Dabei benutzen die Forscher für den Menschen unbedenkliche Hefe als Köder.

Hannover Messe
Titelfoto: Oliver Dietze

Auf den ersten Blick unscheinbar: Was wie ein verbranntes Stück Papier aussieht, ist ein Supraleiter.

Physiker entwickeln hauchdünne Supraleiter-Folie

Es ist eine neue Klasse von Supraleitern: Experimentalphysiker aus dem Team um Uwe Hartmann haben einen dünnen Nano-Stoff entwickelt, der supraleitende Eigenschaften hat. Ab minus 200 Grad transportiert er elektrischen Strom verlustfrei, lässt Magnete schweben und schirmt Magnetfelder ab. Die Forscher verweben Fasern mit supraleitenden Nanodrähten zu einem Stoff, der hauchfein und biegsam ist wie Frischhaltefolie. Neue Beschichtungen für Raumfahrt und Medizin werden möglich.

Mathematik und Informatik
Oliver Dietze

Joachim Weickerts Trick: Wenige Informationen speichern, um das Bild später dennoch in hoher Qualität wiederherzustellen.

Wahrscheinlich gelingt das Unwahrscheinliche

Bilder und Videos nehmen gigantischen Speicherplatz in Beschlag, das weltweit erzeugte Datenvolumen wächst rasant von Jahr zu Jahr. Um diese Datenmengen platzsparend ablegen zu können, forschen Wissenschaftler an immer besseren Kompressionsverfahren. Einer davon ist der Saarbrücker Mathematiker und Informatiker Joachim Weickert, der für eine außergewöhnliche Idee nun mit dem angesehensten Forschungspreis der Europäischen Union, dem ERC Advanced Grant, mit bis zu 2,5 Millionen Euro gefördert wird. Sein Verfahren ist an die Natur angelehnt: Es folgt denselben Regeln wie die Ausbreitung von Wärme. Weickerts Hauptaufgabe: Er muss die mathematische Nadel finden - und zwar nicht in einem Heuhaufen, sondern in unfassbar vielen.

IT-Sicherheit
Photocase

Informatiker warnen vor Massen-Angriffen im Internet

Massen-Angriffe aus dem Internet fürchten viele: Millionen Anfragen innerhalb kürzester Zeit überlasten Onlinedienste, legen sie für Stunden lahm und zwingen so Unternehmen in die Knie. Die Betreiber des angegriffenen Dienstes können oft nur reagieren, indem sie den Anfrageansturm geschickt umleiten oder diesem einen vor Rechenkraft strotzenden Server entgegenstellen. Das muss jedoch sehr schnell geschehen. Forscher des Kompetenzzentrums für IT-Sicherheit CISPA an der Universität des Saarlandes haben daher eine Art Frühwarnsystem entwickelt.

Sprachtechnologie
Oliver Dietze

Computerlinguisten verbessern Assistenzsystem für Fluglotsen

Von ihren Entscheidungen hängen Menschenleben ab, ihre psychische Belastung ist enorm. Zwischen 3,5 bis 11,3 Sekunden dauert im Durchschnitt ein Funkkontakt, währenddessen Fluglotsen dem Piloten zuhören, den Radarschirm überprüfen und neue Anweisungen geben. Assistenzsysteme sollen sie dabei unterstützen. Jedoch fehlt diesen die Fähigkeit, die ausgetauschten Kurzsätze zu verstehen und zu verarbeiten. Computerlinguisten an der Universität des Saarlandes haben nun mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ein System entwickelt, das zuhört und mitdenkt.

Genforschung
Curestis

Bioinformatiker sagen Resistenzen gegen Antibiotika vorher

Jedes Jahr sterben in der Europäischen Union etwa 25.000 Menschen an antibiotikaresistenten und damit schwer behandelbaren Bakterien. Zwar existieren Diagnoseverfahren, um solche Resistenzen vorab zu erkennen, jedoch sind diese zeitaufwendig. Forscher des Zentrums für Bioinformatik an der Universität des Saarlandes arbeiten daher mit dem Diagnostikentwickler Curetis zusammen, um die gefährlichen Resistenzen schneller aufzudecken. Ihre Geheimwaffe: Eine umfassende Gendatenbank und leistungsfähige Algorithmen.

Energiespeicher
Foto: INM/Bellhäuser

Kohlenstoffwürfel mit unregelmäßigen Poren und Ionen (blau und rot). Die Berechnung der Struktur hat mehrere Monate gedauert.

Ionen wollen kuscheln: Bessere Grundlagen für Simulation von Energiespeichern

Kamerablitze, Flugzeugtüren, Systeme zur Bremsenergie-Rückgewinnung – Sie funktionieren heute auf Grundlage ultraschneller Speichertechnologie, die auf der Ionenspeicherung in einer porösen Kohlenstoff-Elektrode basiert – so genannte Superkondensatoren. Erheblich verbessern könnte man die Effizienz solcher Energiespeicher, wenn man das Speichermedium, den Kohlenstoff, so gestalten könnte, dass möglichst viele Ionen auf engem Raum Platz finden. Saarbrücker Wissenschaftler um den Professor für Energie-Materialien, Volker Presser, haben nun gemeinsam mit Kollegen aus Österreich ein Verfahren entwickelt, das die Beschaffenheit einer solchen Kohlenstoff-Elektrode und die Abläufe in ihrem Inneren viel präziser am Computer nachbilden kann als bisherige – idealisierte – Computersimulationen.