Hannover Messe

Physiker entwickeln hauchdünne Supraleiter-Folie

Es ist eine neue Klasse von Supraleitern: Experimentalphysiker aus dem Team um Uwe Hartmann haben einen dünnen Nano-Stoff entwickelt, der supraleitende Eigenschaften hat. Ab minus 200 Grad transportiert er elektrischen Strom verlustfrei, lässt Magnete schweben und schirmt Magnetfelder ab. Die Forscher verweben Fasern mit supraleitenden Nanodrähten zu einem Stoff, der hauchfein und biegsam ist wie Frischhaltefolie. Neue Beschichtungen für Raumfahrt und Medizin werden möglich.

Mathematik und Informatik

Wahrscheinlich gelingt das Unwahrscheinliche

Bilder und Videos nehmen gigantischen Speicherplatz in Beschlag, das weltweit erzeugte Datenvolumen wächst rasant von Jahr zu Jahr. Um diese Datenmengen platzsparend ablegen zu können, forschen Wissenschaftler an immer besseren Kompressionsverfahren. Einer davon ist der Saarbrücker Mathematiker und Informatiker Joachim Weickert, der für eine außergewöhnliche Idee nun mit dem angesehensten Forschungspreis der Europäischen Union, dem ERC Advanced Grant, mit bis zu 2,5 Millionen Euro gefördert wird. Sein Verfahren ist an die Natur angelehnt: Es folgt denselben Regeln wie die Ausbreitung von Wärme. Weickerts Hauptaufgabe: Er muss die mathematische Nadel finden - und zwar nicht in einem Heuhaufen, sondern in unfassbar vielen.

IT-Sicherheit

Informatiker warnen vor Massen-Angriffen im Internet

Massen-Angriffe aus dem Internet fürchten viele: Millionen Anfragen innerhalb kürzester Zeit überlasten Onlinedienste, legen sie für Stunden lahm und zwingen so Unternehmen in die Knie. Die Betreiber des angegriffenen Dienstes können oft nur reagieren, indem sie den Anfrageansturm geschickt umleiten oder diesem einen vor Rechenkraft strotzenden Server entgegenstellen. Das muss jedoch sehr schnell geschehen. Forscher des Kompetenzzentrums für IT-Sicherheit CISPA an der Universität des Saarlandes haben daher eine Art Frühwarnsystem entwickelt.

Sprachtechnologie

Computerlinguisten verbessern Assistenzsystem für Fluglotsen

Von ihren Entscheidungen hängen Menschenleben ab, ihre psychische Belastung ist enorm. Zwischen 3,5 bis 11,3 Sekunden dauert im Durchschnitt ein Funkkontakt, währenddessen Fluglotsen dem Piloten zuhören, den Radarschirm überprüfen und neue Anweisungen geben. Assistenzsysteme sollen sie dabei unterstützen. Jedoch fehlt diesen die Fähigkeit, die ausgetauschten Kurzsätze zu verstehen und zu verarbeiten. Computerlinguisten an der Universität des Saarlandes haben nun mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ein System entwickelt, das zuhört und mitdenkt.

Genforschung

Bioinformatiker sagen Resistenzen gegen Antibiotika vorher

Jedes Jahr sterben in der Europäischen Union etwa 25.000 Menschen an antibiotikaresistenten und damit schwer behandelbaren Bakterien. Zwar existieren Diagnoseverfahren, um solche Resistenzen vorab zu erkennen, jedoch sind diese zeitaufwendig. Forscher des Zentrums für Bioinformatik an der Universität des Saarlandes arbeiten daher mit dem Diagnostikentwickler Curetis zusammen, um die gefährlichen Resistenzen schneller aufzudecken. Ihre Geheimwaffe: Eine umfassende Gendatenbank und leistungsfähige Algorithmen.

Energiespeicher

Ionen wollen kuscheln: Bessere Grundlagen für Simulation von Energiespeichern

Kamerablitze, Flugzeugtüren, Systeme zur Bremsenergie-Rückgewinnung – Sie funktionieren heute auf Grundlage ultraschneller Speichertechnologie, die auf der Ionenspeicherung in einer porösen Kohlenstoff-Elektrode basiert – so genannte Superkondensatoren. Erheblich verbessern könnte man die Effizienz solcher Energiespeicher, wenn man das Speichermedium, den Kohlenstoff, so gestalten könnte, dass möglichst viele Ionen auf engem Raum Platz finden. Saarbrücker Wissenschaftler um den Professor für Energie-Materialien, Volker Presser, haben nun gemeinsam mit Kollegen aus Österreich ein Verfahren entwickelt, das die Beschaffenheit einer solchen Kohlenstoff-Elektrode und die Abläufe in ihrem Inneren viel präziser am Computer nachbilden kann als bisherige – idealisierte – Computersimulationen.

Pharma-Forschung

Mit dem Vesikel-Taxi zum Infektionsherd

Antibiotika im menschlichen Körper genau dorthin zu schleusen, wo sich krankmachende Bakterien aufhalten – das ist das Ziel des Pharmazeuten Gregor Fuhrmann. Als Transportmittel will er winzige Bläschen einsetzen, so genannte Vesikel. Sie werden von Körperzellen und von Bakterien produziert, um miteinander zu kommunizieren. Für sein Forschungsvorhaben am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung (HIPS) erhält der 34-jährige Wissenschaftler 2,1 Millionen Euro im Rahmen von „NanoMatFutur“. Das Programm für den Aufbau einer unabhängigen Forschergruppe wird vom Ministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert.

Forschernetzwerk

Fit bis ins hohe Alter durch die richtige Ernährung?

Wie man mit der richtigen Ernährung vielen Krankheiten vorbeugen kann, und inwiefern sich mit einer spezifischen Diät Alterungsprozesse beeinflussen lassen, ist Gegenstand des Verbundprojekts „NutRedOx“. Es wurde im Dezember von der Europäischen Union bewilligt und wird ab Mitte 2017 für vier Jahre gefördert. Am Forschernetzwerk beteiligt sind rund hundert Wissenschaftler ganz unterschiedlicher Fachrichtungen und aus verschiedenen Ländern – von den Maghreb-Staaten bis zum Kaukasus –, darunter auch das Team von Claus Jacob, Professor für Bioorganische Chemie an der Universität des Saarlandes.

Designetz

Rechtsinformatiker sorgen für sichere Daten im Stromnetz der Zukunft

Intelligente Stromzähler sollen künftig in deutschen Haushalten Daten über den Energieverbrauch der Bewohner sammeln und transparent machen, wann und wo wieviel Strom verbraucht wird. Der Rechtsinformatiker Christoph Sorge von der Saar-Uni forscht daran, dass die Daten dabei gut geschützt und sicher vor Missbrauch und unbefugtem Zugriff sind. Das Bundeswirtschaftsministerium fördert seine Forschung im Rahmen des SINTEG-Verbundprojektes „Designetz“ mit rund 450.000 Euro.

EU-Forschungsprojekt

Epigenetiker wollen chronische Entzündungen besser verstehen

Wie verändern sich Gewebe, Blut und Zellen auf molekularer Ebene, wenn man an komplizierten chronischen Entzündungen erkrankt? Dies wollen Forscher unter Leitung des Kieler Professor Philip Rosenstiehl in dem Europäischen Exzellenzcluster SYSCID herausfinden. Sie werden dafür von der Europäischen Kommission über fünf Jahre mit rund 14,4 Millionen Euro unterstützt, davon fließen 1,2 Millionen Euro an die Saar-Uni. Dort will Epigenetik-Professor Jörn Walter dazu beitragen, die Krankheitsverläufe etwa der Darmentzündung Morbus Crohn oder der rheumatoiden Arthritis besser zu verstehen.