Promotionspreis
Mehr Bewegung beginnt im Kopf

Kleine, individuelle Ziele setzen, die Erfolge feiern und viel Selbstzuspruch: "Ich schaff das"! – Viktoria Egele hat konkrete Tipps, wie auch Couch-Potatoes in Bewegung kommen. Mit ihrer Doktorarbeit will die Psychologin wissenschaftlich fundiert etwas gegen den weltweiten Bewegungsmangel tun. Für ihre herausragende Forschungsarbeit zeichnete sie die Universitätsgesellschaft des Saarlandes jetzt mit dem Promotionspreis aus.

Viktoria Egele ist promovierte Psychologin. Am Lehrstuhl von Professor Robin Stark forscht sie nun daran, ihre Forschungsergebnisse auch auf internationaler Ebene zu belegen.

Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO aus dem Jahr 2024 herrscht weltweit Bewegungsmangel. Fast ein Drittel der Erwachsenen, rund 1,8 Milliarden Menschen, bewegen sich zu wenig. Die Folgen sind massiv. „Die fehlende Bewegung hat gesundheitliche und psychische Auswirkungen, das reicht von Herz-Kreislauf-Erkrankungen über Typ-2-Diabetes bis hin zu Depressionen. Die Kosten für die Gesundheitssysteme gehen in die Milliarden“, sagt Viktoria Egele. Die Gesellschaft, die Politik, aber auch jeder Einzelne sei gefragt, Verantwortung zu übernehmen. Mit ihrer Doktorarbeit bei Bildungswissenschaftler Professor Robin Stark will die promovierte Psychologin gegensteuern. „Mein Ziel ist, zu untersuchen, wie man dieses Bewegungsverhalten erklären und verändern kann“, sagt Viktoria Egele, die erforschte, warum es manchen gelingt, sich zu motivieren, während andere Vorsätze immer wieder aufschieben. Mit ihrer Doktorarbeit, für die sie jetzt ausgezeichnet wird, liefert sie wichtige Grundlagen, um wirksame Maßnahmen gegen Bewegungsmangel zu entwickeln.

 

Um das Bewegungsverhalten zu erklären, wird häufig die Sozial-Kognitive Theorie des Psychologen Albert Bandura ins Feld geführt. Diese geht davon aus, dass mehrere Faktoren zusammenwirken: soziale Faktoren, wie der Wohnort oder die Sicherheit von Straßen, sowie persönliche Überzeugungen, wie die sogenannte Selbstwirksamkeit, die Erwartung an die Folgen eines Verhaltens und die Zielsetzung. Bislang fehlte ein Modelltest, der dieses Zusammenspiel anhand echter Daten überprüft. 

 

Diesen Modelltest hat Viktoria Egele jetzt in ihrer Forschung geliefert: Sie konnte Banduras Theorie erstmals mit Praxisdaten im deutschsprachigen Raum belegen. Hierzu entwickelte sie einen Fragebogen, um Selbstwirksamkeit, Erwartungen, persönliche Ziele und soziale Rahmenbedingungen gemeinsam zu erfassen. In fünf Studien konnte sie die theoretischen Zusammenhänge der Sozial-Kognitiven Theorie bestätigen.

 

„Eine entscheidende Rolle spielt die Selbstwirksamkeit, also der Glaube an die eigene Fähigkeit, etwas erfolgreich umsetzen zu können: die subjektive Überzeugung, ich kann, wenn ich will“, sagt Egele. Hierzu legte sie in einem zweiten Teil der Dissertation nach: Bisher wurde häufig angenommen, dass bestimmte Einflussfaktoren wichtiger sind als andere. Ihre Analysen zeigen jedoch ein differenzierteres Bild: Vor allem eigene Erfolgserlebnisse, aber auch positive und negative Gefühle sowie die Fähigkeit, sich selbst zu motivieren zeigen großen Einfluss darauf, ob Menschen sich zutrauen, körperlich aktiv zu sein. Auch deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Menschen unterschiedliche Muster solcher Einflussfaktoren aufweisen.

 

Viktoria Egeles Erkenntnisse können künftig dabei helfen, Bewegungsprogramme stärker auf einzelne Personen zuzuschneiden, statt allen dieselben Empfehlungen zu geben. Und sie kann wissenschaftlich fundiert dazu beitragen, dass mehr Leute in Bewegung kommen – mit einem Tipp für alle: „Wer sich mehr bewegen will, sollte die Selbstwirksamkeit und eigenen Erfolgserfahrungen steigern: Kleine, individuell passende Ziele angehen, zum Beispiel statt der 10.000 Schritte mit 3.000 beginnen, die Erfolge jeweils feiern und: morgens vor dem Spiegel sagen: ‚Ich schaff das! Ich schaffe auch 5.000‘ – und sich dann steigern.“ Viktoria Egele arbeitet an Robin Starks Lehrstuhl jetzt an einer neuen Studie, um ihre Forschungsergebnisse auch auf internationaler Ebene zu belegen.

 

Alle Preisträgerinnen und Preisträger des Promotionspreises 2026

Text:Claudia Ehrlich
Claudia Ehrlich
Foto: Claudia Ehrlich/UdS
15.10.2026
Fotos:
Foto: Claudia Ehrlich/UdS
Zum Seitenanfang