Medizinstudium
Zwischen Vorklinik und Praktischem Jahr: der Weg zur Ärztin

Menschlichkeit und familiärer Zusammenhalt prägen das Medizinstudium in Homburg, und auch die Betreuung ist prima. Das sagt die Medizin-Studentin Sophie Herrmann, die sich selbst jahrelang als Mentorin engagiert, Praktika betreut und Kurse geleitet hat. Beim Umgang mit Patienten steht bei ihr „die Kommunikation mit Menschen auf Augenhöhe“ im Vordergrund. 

Seit fast sieben Jahren studiert Sophie Herrmann Medizin in Homburg. Derzeit absolviert sie ihr Praktisches Jahr. Foto: Sieber

Dass es Sophie Herrmann ins Saarland verschlug, war dem Zufall geschuldet: „Ich hatte bereits eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflege-Assistentin gemacht; dadurch bekam ich einen erleichterten Zugang zum Medizinstudium in Homburg“, erzählt die 28-jährige gebürtige Kölnerin. Im Wintersemester 2019/20 begann sie mit dem Studium. 

Heute – fast sieben Jahre später – ist sie immer noch hochzufrieden mit ihrem Studienstandort: „Hier gibt es viel Menschlichkeit und familiären Zusammenhalt“, sagt sie. Warum das so ist? „In Homburg sind nicht so viele Medizin-Studierende wie an vielen anderen Universitäten, und hier zählt, dass man sich unterstützt.“ Und das gleich von Anfang an: „Im Mentoringprogramm werden die Erstsemester von Studierenden aus höheren Semestern begleitet“, erläutert die junge Studentin, die sich selbst eine Weile als Mentorin engagiert hat.

„Generell wird man in Homburg total viel eingebunden.“ Wie sehr ihr das schon geholfen hat, erklärt Sophie Herrmann an einem Beispiel: Im medizinischen Grundstudium (auch „Vorklinik“ genannt) hatte sie Probleme im Fach Biochemie, und sie fiel bei der Klausur durch. Daraufhin erhielt sie das Angebot, bei der Praktikumsbetreuung in der Biochemie mitzuhelfen. Das motivierte sie so sehr, dass sie die nächste Klausur spielend bestand – und anschließend das Praktikum jahrelang mitbetreute.
  
Neben der Biochemie und anderen naturwissenschaftlichen Grundlagen werden im vorklinischen Studium auch Fächer wie Physik, Psychologie, Physiologie oder Anatomie gelehrt. „Das Anatomie-Semester war psychisch ziemlich belastend“, erinnert sich die angehende Medizinerin. „Es gab jede Menge Stoff in extrem kurzer Zeit sowie viele mündliche Prüfungen.“ Beispielsweise beim Präparationskurs: Betreut von zwei Kommilitonen aus höheren Semestern und einem Dozenten, arbeiten die Studierenden am Körperspender und lernen so die Strukturen des menschlichen Körpers (wie Muskulatur, Nervenbahnen und Knochen) sowie die inneren Organe kennen. Zu jeder Lerneinheit gibt es eine mündliche Prüfung, die sogenannten Testate am Körperspender. „Ein Testat findet immer kurz vor Weihnachten statt, und der anschließende, von der Fachschaft organisierte Glühwein-Umtrunk wird als ‚Belohnung‘ von allen sehr geschätzt.“

Die Anamneskurse tragen einen durchs ganze Studium.

Sophie Herrmann

Eine spezielle Lehrveranstaltung im vorklinischen Abschnitt hat Sophie Herrmann „durchs ganze Studium getragen“: die Anamnese-Gruppen. Diese finden zwei Semester lang an einem Abend in der Woche statt. Bei diesen Patienten-Gesprächen im Universitätsklinikum besucht eine Gruppe von bis zu zehn Studierenden gemeinsam mit zwei Tutoren einen Patienten, der sich zum Anamnese-Gespräch bereit erklärt hat, am Krankenbett. „Die Studierenden lernen, in Kontakt mit dem Patienten zu treten und systematisch seinen gesundheitlichen Zustand zu erfragen“, erläutert die Studentin. Im Anschluss an das Gespräch gebe es ein Feedback innerhalb der Gruppe, zudem werde der Patient von den Tutoren befragt, wie er das Gespräch erlebt habe. Der freiwillige Kurs sei ein studentisches Wahlfach und werde vollkommen von Studierenden geleitet. „Als Supervisor greift Dr. Johannes Jäger (Leiter des Zentrums Allgemeinmedizin) ein, wenn man ihn darum bittet“, erklärt die Medizin-Studentin, die das Angebot in den vergangenen drei Jahren geleitet hat. Eine weitere Besonderheit: „Für die Abschlussprüfung werden Schauspieler als Patienten eingesetzt, damit die Prüfung standardisiert und fair abläuft.“   

Patienten zu untersuchen sowie Krankheiten zu verstehen und zu behandeln, steht im Zentrum des zweiten Studienabschnitts. Acht Semester dauert das „klinische Studium“. Der Lehrplan ist lang, zahlreiche Kurse sind zu belegen: von der Allgemeinmedizin über Chirurgie, Frauenheilkunde, Innere Medizin und Rechtsmedizin bis zur Urologie – um nur einige Fächer zu nennen. Hinzu kommen übergreifende Themen wie Epidemiologie, Medizin des Alterns, Notfallmedizin oder Prävention. Im Rückblick fallen Sophie Herrmann spontan die Blockkurse vor Semesterbeginn ein: „Beispielsweise der zweiwöchige Kurs in der Augenheilkunde, bei dem wir morgens Vorlesung hatten und nachmittags praktische Kurse – ein gutes Konzept, bei dem man sich prima auf ein Thema konzentrieren konnte.“ In sehr guter Erinnerung hat sie auch den Untersuchungskurs in der Neurologie mit Dr. Mathias Fousse – einem „unglaublich engagierten Oberarzt“. 

Erstes „Lernen am Patienten“ findet unter anderem im Blockpraktikums-Semester statt: „Man ist jeweils für ein bis zwei Wochen in jeder Abteilung im Krankenhaus, geht mit zu Untersuchungen und auch mal in den OP.“ Auch im „Skills Lab“ wird während dieser Zeit geübt: „An den modernen Puppen dort haben wir beispielsweise das Reanimieren eines Patienten trainiert – eine extrem wichtige Übung, um Routine zu bekommen“, erzählt Sophie Herrmann. Noch näher in Berührung mit Diagnostik und Therapie kommen die Studierenden bei der so genannten Famulatur, die sich aus jeweils vierwöchigen Praktika in vier verschiedenen medizinischen Einrichtungen zusammensetzt. 

Nach dem zehnten Studiensemester legen die Studierenden das zweite Staatsexamen ab; dann folgt das „Praktische Jahr“, bei dem die angehenden Mediziner in den Basisfächern Innere Medizin, Chirurgie und in einem Wahlfach ausgebildet werden. In dieser Zeit sollen die Studierenden an der Routinekrankenversorgung teilnehmen, entweder in den entsprechenden Krankenhaus-Stationen oder – wie im Fach Allgemeinmedizin – in saarländischen Hausarztpraxen. 

Die Atmosphäre in der Allgemeinmedizin ist toll, und es gibt eine Mega-Betreuung durch Professor Fabian Dupont.

Sophie Herrmann

Sophie Herrmann ist seit Mai im Praktischen Jahr. In den Monaten davor hat sie an ihrer Doktorarbeit im Zentrum Allgemeinmedizin gearbeitet, in dem sie seit 2025 auch als wissenschaftliche Hilfskraft angestellt ist. In ihrer Promotion befasst sie sich mit „Lehrforschung“: „Im Medizin-Studium sind Multiple-Choice-Fragen Standard, doch mit der Realität hat das nicht so viel zu tun“, erläutert die angehende Medizinerin. Um die kommunikativen und praktischen Fähigkeiten von Studierenden besser bewerten zu können, testet sie ein neues Prüfungsverfahren namens „OSCE“ (Objective Structured Clinical Examination), bei dem Studierende, unter anderem im Fach Allgemeinmedizin, kleine praktische Übungen an verschiedenen Stationen absolvieren müssen. Für die Allgemeinmedizin engagiert sie sich nicht ohne Grund: „Die Atmosphäre ist toll, und es gibt eine Mega-Betreuung durch Professor Fabian Dupont“, lobt sie. „Und wir Studierende werden immer gefragt, was wir im Kurs ändern würden –das wird dann auch irgendwie möglich gemacht.“

Wird Sophie Herrmann also Fachärztin für Allgemeinmedizin? Ihre Antwort ist differenzierter: „Mich interessiert besonders die psychiatrische Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Deshalb möchte ich zunächst in der Kinder- und Jugendpsychiatrie starten“, sagt sie. Gleichzeitig ist sie somit weiterhin Teil der Primärmedizin. „In der Allgemeinmedizin verstehen wir medizinische Versorgung sehr breit. Besonders wichtig ist mir die Kommunikation mit Menschen auf Augenhöhe.“ Die Weichen dafür sind gestellt: Wenn alles nach Plan läuft, wird Sophie Herrmann 2027 ihr drittes Staatsexamen ablegen und anschließend ihre Facharztausbildung beginnen. Wohin ihr Weg langfristig führen wird, lässt sie bewusst offen: „Wer weiß, vielleicht kommt später ja noch ein weiterer Facharzt dazu.“

 

Landespreis Hochschullehre für die Allgemeinmedizin
Das „interuniversitäre PJ-Teaching“ des Homburger Lehrteams Allgemeinmedizin ist am 13. März 2026 mit dem Landespreis Hochschullehre der Saarländischen Landesregierung ausgezeichnet worden, der mit 24.000 Euro dotiert ist. Das digitale Lehrformat für das Praktische Jahr (PJ) im Fach Allgemeinmedizin wird gemeinsam mit 14 deutschen Universitäten durchgeführt. Unter Leitung von Dr. Sinan Durant hat das Team ein Konzept entwickelt, das Studierende während des gesamten Praktischen Jahres kontinuierlich begleitet und praxisrelevante, konkrete Behandlungsansätze vermittelt. Der ursprünglich nur in Präsenz stattfindende Unterricht wird durch interaktive Online-Seminare ergänzt, was den Studierenden die Organisation ihrer Ausbildung erleichtert. 
Weitere Infos in diesem Campus-Extra-Text.

 

Text:Gerhild Sieber
Gerhild Sieber
17.06.2026
Zum Seitenanfang