DAAD-PREIS 2021
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Junger Bulgare erhält Preis für gesellschaftliches Engagement

Der 25-jährige Bioinformatik-Student Velik Velikov aus Bulgarien hat den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für hervorragende Leistungen ausländischer Studierender 2021 gewonnen. Die mit 1.000 Euro dotierte Auszeichnung würdigt seine guten Studienleistungen und insbesondere seinen gesellschaftlichen und interkulturellen Einsatz.

© Gerhild Sieber

Velik Velikov vor der Serra-Plastik "Torque" auf dem Campus.

„Ich möchte, dass neue internationale Studierende in Saarbrücken gute Erfahrungen machen, die sie dann in ihre Heimatländer mitnehmen können“, sagt Velik Velikov. Von diesem Wunsch angetrieben, engagiert sich der 25-jährige Student der Bioinformatik seit nahezu sechs Jahren unermüdlich an der Saar-Uni: unter anderem als Tutor im Zentrum für Internationale Studierende (ZiS) und als Heimsprecher im Wohnheim Guckelsberg; darüber hinaus ist er beim Seniorenbeirat der Stadt Saarbrücken aktiv. 

Unzählige Aufgaben und Aktivitäten sind mit diesen Positionen verbunden und zusätzlich zum Studium zu stemmen, doch der junge Bulgare bezieht seine Motivation aus den eigenen guten Erfahrungen, die er als Neuling in Saarbrücken gemacht hat: „Am Anfang war ich fast täglich mit meinen Anliegen beim Welcome Center der Saar-Uni; ich war auf der Suche nach Infos für mein Studium und zum Studieren überhaupt“, erinnert er sich. Man habe ihm dort immer weitergeholfen – und beispielsweise auch ins Mentorenprogramm vermittelt. „Ich hatte dann ein Semester lang einen Mentor, das hat mir sehr geholfen.“

Besonders geprägt hat ihn die Zeit im „Internationalen Studienzentrum Saar“ – dem damaligen „Studienkolleg“ –, wo er ab 2015 Deutsch lernte und die erforderliche Sprachprüfung ablegte. „Wir hatten nicht nur die besten Lehrer, die man sich vorstellen kann, sondern dort habe ich auch zum ersten Mal Menschen aus ganz verschiedenen Kulturen kennengelernt; viele sind bis heute gute Freunde von mir.“ So sei beim Lernen auch der Faktor „Spaß“ nicht zu kurz gekommen. 

„Alles, was ich erfahren habe, wollte ich gerne auch selber weitergeben, weil ich mich darüber auch sehr gefreut habe“, erklärt der junge Student. Das gilt insbesondere für sein Engagement im „ZiS“, dem „Zentrum für internationale Studierende“. Als Neuankömmling in Saarbrücken hatte er Infos über das ZiS erhalten und sich gleich für die nächste Exkursion angemeldet. „Das war der Anfang, ich habe dann bei möglichst allen ZiS-Exkursionen und -Treffen mitgemacht. Im Jahr darauf wurde ich selber Tutor – das hätte ich mir anfangs nie träumen lassen.“

Als Tutor unterstützt Velik Velikov neue internationale Studierenden nicht nur dabei, Fragen rund ums Studium zu klären, sondern steht ihnen auch bei organisatorischen Fragen zur Seite – sei es bei der Eröffnung eines Bankkontos oder Fragen zum Rundfunkbeitrag – und begleitet sie bei Behördengängen. Zudem macht er Campus- und Stadtführungen und organisiert die ZiS-Länderabende. „Meist nehmen um die 200 Studenten teil, bei großen Ländern hatten wir schon mehr als 400 Gäste“, berichtet Velik Velikov. Dabei gelte es, eine Power-Point-Präsentation über das jeweilige Land vorzubereiten sowie ein Kulturprogramm auf die Beine zu stellen, beispielsweise mit Musik und Tänzen, dazu einem traditionellen Buffet. 

© Gerhild Sieber

Alles, was ich erfahren habe, wollte ich gerne auch selber weitergeben, weil ich mich darüber auch sehr gefreut habe.

Velik Velikov

Nachdem viele dieser Aktivitäten 2021 abgesagt werden mussten, engagierte sich der Student im Sommer in einem Projekt des Studentenwerks im Saarland und dessen französischer Partnerorganisation, dem CROUS Lorraine, mit dem Titel „Tokio21!? Spiele ohne Grenzen Digital“. An den sportlichen „Challenges“, die sich Velik Velikov und seine Mitstreiter ausdachten, nahmen insbesondere Studierenden-Teams aus Saarbrücken teil. „Teams aus vier bis fünf Leuten absolvierten dabei ‚Challenges‘, wie Sprints, Sackhüpfen oder Stelzenlauf auf Dosen. Diese sollten gefilmt werden, wir haben dann alles zu einem Video zusammengeschnitten, das hat supercool geklappt“, erzählt er. Zudem beinhaltete das Projekt einen zweitägigen Besuch bei Studierenden der Universität Lothringen in Nancy im Herbst vergangenen Jahres. 

Seit vier Jahren ist der junge Bulgare außerdem Heimsprecher im Dudweiler Wohnheim Guckelsberg. Wo es in „normalen“ Zeiten schon jede Menge zu tun gibt, stellte diese Aufgabe zu Beginn der Pandemie eine zusätzliche Herausforderung dar: „Im März 2020, als viele neue Studenten ankamen und 14 Tage in Quarantäne mussten, habe ich für sie eingekauft und die Einkäufe vor die Tür gestellt“, berichtet der Student. 

Als sei dies alles nicht genug, ist der Preisträger seit Ende 2020 auch beim Seniorenbeirat der Stadt Saarbrücken aktiv: In einem Pilotprojekt in Kooperation mit dem Studentenwerk hilft er älteren Menschen beim Umgang mit Tablet, Laptop oder Smartphone, damit sie während der Pandemie mit anderen in Kontakt bleiben können und nicht vereinsamen. „Dieses Kooperationsprojekt haben wir mit Velik als ‚Versuchsstudent‘ gestartet; durch seine nette, offene Art und seine Hilfsbereitschaft wurde es direkt zum Erfolg und soll nun auch ausgebaut werden“, berichtet Heike Savelkouls vom Studentenwerk im Saarland, das Velik Velikov für den Preis vorgeschlagen hatte. Das Engagement des jungen Mannes sei ein wunderbares Beispiel dafür, dass die Universität sich mitten in der Gesellschaft engagieren und praktische Hilfe leisten könne.
 

VonGerhild Sieber
Gerhild Sieber

Velik Velikov

Velik Velikov

Jahrgang 1996, kam nach seinem Abitur in Sofia im Jahr 2015 nach Saarbrücken. Nach den Sprachkursen und -prüfungen im „Internationalen Studienzentrum Saar“ (ISZ Saar) studierte er zunächst ein Semester Wirtschaftsinformatik. 2017 wechselte er in die Bioinformatik; hier schätzt er vor allem das praktische Arbeiten. Zu Beginn des Sommersemesters möchte er seine Bachelorarbeit abgeben, zudem bereitet er sich derzeit auf seine letzten Prüfungen vor. Ob er mit einem Masterstudium weitermachen will oder sich um einen Job in seinem Fach bewerben wird, um berufliche Erfahrungen zu sammeln, hat Velik Velikov noch nicht endgültig entschieden.

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