Konferenz
Drei Informatiker international ausgezeichnet

Gleich drei Informatik-Professoren der Universität des Saarlandes wurden auf der „Embedded Systems Week“ in Barcelona mit verschiedenen Preisen geehrt. Die renommierte wissenschaftliche Konferenz findet jährlich abwechselnd in Europa, Asien und den USA statt.

Der emeritierte Informatik-Professor Reinhard Wilhelm (rechts) wurde für seine bahnbrechenden Arbeiten zu sicherheitskritischen Echtzeitsystemen geehrt.

Der emeritierte Informatik-Professor Reinhard Wilhelm von der Universität des Saarlandes wurde mit dem ACM SIGBED Technical Achievement Award ausgezeichnet. Die hohe Ehrung würdigt Wilhelms grundlegende und bahnbrechende Arbeiten zur Worst-Case-Execution-Time-Analyse (WCET), zur Timing-Vorhersagbarkeit sowie zur statischen Programmanalyse in eingebetteten und cyber-physikalischen Systemen. 

Mit seiner Forschung legte Reinhard Wilhelm die theoretischen und praktischen Grundlagen, um sichere Obergrenzen für die Ausführungszeiten von Aufgaben in sicherheitskritischen Echtzeitsystemen abschätzen zu können. Ohne diese Fähigkeit, so die Laudatoren zur Preisverleihung, wäre die Planung und Zertifizierung dieser Systeme nicht möglich.

Der Preis wird von der ACM-Fachgruppe SIGBED vergeben und zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen im Bereich der eingebetteten Systeme. ACM SIGBED steht für die Fachgruppe "Embedded Systems" innerhalb der weltweit größten Fachgesellschaft für Informatik, der US-amerikanischen Association für Computing Machinery (ACM).

Reinhard Wilhelm prägte die Informatik über Jahrzehnte. Mit der Auszeichnung würdigt die ACM-SIGBED seine wegweisenden Beiträge zu Innovationen. Von 1978 bis 2014 hatte der Informatiker den Lehrstuhl für Programmiersprachen und Übersetzerbau an der Universität des Saarlandes inne und trug maßgeblich zur Weiterentwicklung von Programmiersprachen, Compilertechnologie, statischer Programmanalyse und Echtzeitsystemen bei. Von 1990 bis 2014 leitete er als Gründungsdirektor das Leibniz-Zentrum für Informatik (Schloss Dagstuhl).

Weitere Auszeichnung für Informatik-Professor Jan Reineke

Informatik-Professor Jan Reineke wurde gemeinsam mit weiteren Autoren für die Publikation "PRET DRAM controller: Bank privatization for predictability and temporal isolation”, die bereits 2011 erschienen ist, mit dem CODES 2026 Test-of-Time Award“ausgezeichnet. Ein solcher Preis wird an wissenschaftliche Publikationen verliehen, deren Erkenntnisse sich über einen langen Zeitraum – meist 10 bis 15 Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung – als besonders wichtig und einflussreich erwiesen haben. Jan Reineke und sein Team hatten damals einen Speichercontroller konzipiert, der besonders für Echtzeitsysteme geeignet ist. Denn sicherheitskritische Systeme wie Airbag-Steuergeräte und Motormanagementsysteme müssen innerhalb strenger Zeitvorgaben reagieren, oft innerhalb von Millisekunden oder sogar Mikrosekunden.

Sicherheitskritische Systeme wie Airbag-Steuergeräte müssen innerhalb strenger Zeitvorgaben reagieren.

Informatik-Professor Jan Reineke

Traditionell wurden solche Systeme mit einem separaten, dedizierten Computer für jede Hauptfunktion aufgebaut. Als die Branche dazu überging, viele Funktionen auf gemeinsamen Hardwareplattformen zu integrieren, verhinderten Interferenzen bei gemeinsam genutzten Ressourcen wie dem Hauptspeicher, dass Zeitvorgaben eingehalten werden konnten. Herkömmliche Speichercontroller optimieren die Leistung im Durchschnittsfall, was jedoch dazu führt, dass die Speicherzugriffe einer Anwendung die einer anderen unvorhersehbar verzögern können.

Die Forschungsarbeit von 2011 zeigte, wie Speicherplatz vorhersehbar zwischen mehreren Anwendungen aufgeteilt werden kann, um eine hohe Leistung im Worst-Case-Szenario sowie eine zeitliche Isolation zwischen den Anwendungen zu gewährleisten. Ihr zentraler Beitrag bestand darin, die interne Struktur des Speichers und seiner einzelnen Abschnitte (Memory Bank) offenzulegen und diese den Anwendungen als private Ressourcen zuzuweisen. Diese Idee der „Bankprivatisierung“ wurde zum Bezugspunkt für ein Jahrzehnt der Forschung an vorhersehbaren Speichersystemen für Echtzeit- und sicherheitskritische Rechenanwendungen.

Best-Paper-Award für Informatik-Professorin Martina Maggio

Bei der „Embedded Systems Week“ wurden außerdem die Informatik-Professorin Martina Maggio und ein internationales Forscherteam mit dem EMSOFT 2026 Best-Paper-Award ausgezeichnet. Sie erhielten diesen für ihre wissenschaftliche Publikation zum Thema "The zeroLET Task Model and its Application to Offset Design Space Exploration”. Daran beteiligt waren neben Martina Maggio auch Shumo Wang, Enrico Bini und Qingxu Deng.

Informatik-Professorin Martina Maggio wurde mit dem EMSOFT 2026 Best-Paper-Award ausgezeichnet.

Text:Friederike Meyer zu Tittingdorf
Friederike Meyer zu Tittingdorf
privat
20.10.2026
Fotos:
privat
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