DAAD-Preis
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Algerischer Student engagiert sich für interkulturelle Begegnung

Hacane Hechehouche studiert „Computer Science“ und forscht als Hiwi im IT-Bereich. Vor allem aber baut der algerische Student Brücken zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft. Nun hat er den mit 1000 Euro dotierten Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für hervorragende Leistungen ausländischer Studierender gewonnen. 

© Gerhild Sieber

Hacane Hechehouche ist für sein besonderes gesellschaftliches Engagement an der Universität sowie in Saarbrücken ausgezeichnet worden.

Mit Erfolg studieren, Menschen unterschiedlicher Kulturen vernetzen, sich für internationale Studierende einsetzen: In jeder dieser Disziplinen hat Hacane Hechehouche Erfahrung vorzuweisen – und exzellente Ergebnisse. „Man kann von jedem Platz im Leben aus etwas geben“, meint der Informatik-Student, der aus Algier stammt. Als Schüler war er dort bei den Pfadfindern aktiv; anschließend, während seines vierjährigen Bachelorstudiums in der Türkei, engagierte er sich in der International Student Association (ISA) sowie bei der freiwilligen Feuerwehr. 

Während dieser Zeit verbrachte der Informatik-Student außerdem ein Auslandssemester über das Erasmus-Programm an der Universität Warschau sowie ein Erasmus-Praktikum an der Universität Kassel. „In den verschiedenen Ländern lernt man viele unterschiedliche Arbeitsweisen kennen und kann überall etwas lernen“, kommentiert er. Im Gespräch wird schnell klar, dass Hacane Hechehouche für den internationalen Austausch brennt. So absolvierte er zum Ende seines Studiums gleich noch ein weiteres Erasmus-Praktikum in Deutschland, und zwar am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kaiserslautern. Hier erfuhr er auch, dass es einen weiteren DFKI-Standort in Saarbrücken gibt – sowie eine renommierte Informatik an der Universität.

Seit 2018 studiert der junge Algerier auf dem Saarbrücker Campus im Masterstudiengang „Computer Science“ und arbeitet seither auch als Hiwi am DFKI in der Forschungsgruppe „Agenten und Simulierte Realität“ von Professor Philipp Slusallek. „Wir forschen daran, KI-Systemen, wie zum Beispiel Robotern, das Verstehen gesprochener Sprache in bestimmten Anwendungskontexten beizubringen“, erzählt Hacane Hechehouche stolz. Im Studium sitzt er derzeit an seiner Masterarbeit, die ebenfalls von Professor Slusallek betreut wird.

So sehr ihn sein Studium und die IT-Forschung begeistern – soziales Engagement gehörte für Hacane Hechehouche von Anfang an dazu. So setzt er sich seit vier Jahren in Saarbrücken dafür ein, Flüchtlinge mit Einheimischen in Kontakt zu bringen – und zwar durch gemeinsames Kochen und Essen. „Über den Tellerrand“ heißt das Netzwerk (mit Hauptsitz in Berlin), bei dem sich Menschen unterschiedlicher Kulturen begegnen und austauschen: Sie stammen unter anderem aus der Ukraine, Polen, Italien, Japan, Ägypten und den USA, zählt Hacane Hechehouche auf. Für die Treffen darf die Gruppe einmal im Monat am Wochenende kostenlos einen Coworking-Space in Saarbrücken nutzen. „Das ist sehr relaxed. Jedes Mal suchen wir ein anderes Land aus; letztes Mal haben wir ein ukrainisches Dinner gekocht.“ 

© Gerhild Sieber

Man kann von jedem Platz im Leben aus etwas geben.

Hacane Hechehouche

Sich auch für internationale Studierende einzusetzen, ist für Hacane Hechehouche Uni-Alltag. Seit drei Jahren ist er gewähltes Mitglied bei den „aktiven Idealisten“ im Studierendenparlament (StuPa). Wichtig ist ihm, dass diese hochschulpolitische Gruppe keiner Partei verpflichtet ist, sondern „sich für die Sache engagiert“. „Ich sehe es als meine Aufgabe an, die Anliegen und Bedürfnisse der internationalen Studierenden in die StuPa-Diskussion miteinzubringen“, erläutert er. Beispielsweise habe kürzlich der Gebetsraum im Campus Center renoviert werden müssen. „Ich konnte in dieser Situation erklären, welche Punkte beim Renovieren berücksichtigt werden sollten“, erzählt der junge Mann, der sich als Vermittler zwischen den Kulturen sieht.  

Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander zu vernetzen, ist auch die Grundidee des Erasmus Student Network (ESN). Diese internationale Studentenorganisation betreut Erasmus-Studentinnen und -Studenten und fördert ihre Integration. „An allen Unis, die ich bis dahin kannte, gab es eine lokale ESN-Gruppe – nicht jedoch in Saarbrücken“, erinnert sich Hacane Hechehouche an seine Anfangszeit auf dem Campus. Also machte er sich daran, die Gründung an der Saar-Universität vorzubereiten: „Ein Jahr lang haben wir innerhalb der International Student Association (ISA) gearbeitet und Veranstaltungen organisiert – gewissermaßen als Vorstufe zum ESN.“ Nachdem die daraus entstandenen Berichte und Bilder eingeschickt worden waren, erhielten Hacane Hechehouche und seine Mitstreiter schließlich die Bewilligung zur Gründung einer eigenen ESN-Gruppe, die sich nun einmal wöchentlich trifft. „Wir organisieren alle möglichen Events: Spieleabende, Karaoke, Ausflüge – kürzlich beispielsweise nach Straßburg –, Wanderungen, Radtouren und so weiter“, zählt der Student auf. Macht die Gruppe damit dem Zentrum für internationale Studierende (ZiS) der Universität Konkurrenz? „Keinesfalls“, sagt Hacane Hechehouche. „Die Nachfrage nach Veranstaltungen ist sehr hoch, und wir arbeiten oft zusammen.“ 

Und als sei all sein interkulturelles Engagement nicht genug, ist Hacane Hechehouche auch leidenschaftlicher Reisender. Er habe bereits 65 Länder der Erde bereist, erzählt er. Wie er sich das leisten kann? Seine Antwort ist konsequent: Als Mitglied der (untereinander eng vernetzten) lokalen „Couchsurfer Community“, bietet er in seiner Saarbrücker WG nicht nur Übernachtungsmöglichkeiten für internationale Reisende an, sondern hat so auch selber die Möglichkeit, auf der ganzen Welt kostenlose Quartiere zu finden und Menschen aus anderen Kulturen zu begegnen. 
 

VonGerhild Sieber
Gerhild Sieber

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