Projekt KI-Duett
KI als Dozent? – Ein Selbstversuch

Wie verändert Künstliche Intelligenz das Studium in den Geschichtswissenschaften? Wie können Studierende und Lehrende die Vorteile der neuen Technologien nutzen – und wie die Nachteile vermeiden? Professorin Cristina Andenna und Dozentin Miriam Weiss gehen diesen Fragen gemeinsam mit Studierenden in einem Projekt der besonderen Art auf den Grund.

Die Studierenden Lucas Schuster, Paulina Kremer, Giulia Cordier und Sophia Presti erforschen mit, wie Künstliche Intelligenz sinnvoll im Studium zum Einsatz kommt.

CatGPT & Co. sind inzwischen für alle, die mit Smartphones aufgewachsen sind, Teil des Alltags in Schule und Uni. Auf Mausklick hat die Künstliche Intelligenz scheinbar auf alles Antworten parat. Zurückdrehen lassen die Uhren sich nicht. „Die KI zu ignorieren, ist keine Lösung“, sagt Cristina Andenna, Professorin für Geschichte des Mittelalters. Aber wo ist ihr Einsatz sinnvoll? Und wo nicht? „Wir gehen die Sache wissenschaftlich an und stellen bewusst provokant die Frage: Ist im Zeitalter der digitalen Werkzeuge ein Dozent noch notwendig?“, erklärt sie.

 

Experiment im Seminar-Labor

In einem Lehrexperiment an Andennas Lehrstuhl erforscht die promovierte Historikerin Miriam Weiss mit Studierenden, was geschieht, wenn KI den Unterricht übernimmt. „Das Seminar ist ein Selbstversuch, eine Art Lehr-Labor. Die Stiftung Innovation in der Hochschullehre fördert das Projekt namens KI-Duett“, sagt Miriam Weiss. „Wir gaben den Studierenden ein Thema vor – das Ende der Kreuzzüge –, legten Spielregeln fest und beobachteten, was passiert“, erklärt sie.

 

„Zuerst waren wir überfordert“, sagt Studentin Paulina Kremer, „wir haben ChatGPT den Seminarplan erstellen lassen. Es wurde schnell klar, dass wir an Grenzen stoßen bei Inhalten, logischem Aufbau und Arbeitsaufträgen.“ Erst schlug die KI Referate vor. „Das war nicht, was wir wollten“, sagt sie, „wir wollten kreativere Aufgaben, etwas, das mehr Spaß macht und über die klassischen Seminarvorträge oder Präsentationen hinausgeht.“

 

Kreative Ideen mit Unsicherheitsfaktor

Man müsse viel investieren, um zu etwas Brauchbarem zu kommen, schildert Lucas Schuster. Immer gelte es auf der Hut zu sein, dass die KI nicht vom Weg abkommt. „Sie kennt die wichtige Literatur nicht, ihr fehlt der Hintergrund. Sie ordnet Autoren und Titel falsch zu, nutzt Quellen im falschen Kontext oder erfindet sie. Wir konnten uns nicht auf sie verlassen“, sagt der Student und stellt fest: „Ihr fehlt vor allem die menschliche Komponente: Dozenten erkennen, wo die Studierenden stehen, was sie brauchen, um weiterzukommen.“

 

Eine Idee der KI war es, eine Zeitung zum Seminarthema zu entwerfen. Professorin Cristina Andenna (rechts) und Dozentin Miriam Weiss (Mitte) diskutieren das Ergebnis mit Sophia Presti (l.), Giulia Cordier (2.v.l.) und Student Jonas Schel, der diesen Vorschlag umsetzte.

 

Fiel es als Dozentin schwer, nur zuzuschauen? „Enorm. Zweimal bin ich eingeschritten, als der Frust bei den Studierenden zu groß wurde“, sagt Miriam Weiss. „Der fachliche Lernerfolgstest nach dem KI-Seminar fiel fatal aus“, verrät sie. Ganz anders sah es aus bei den kreativen Projekten, die hier entstanden. „KI hat auch ihr Gutes: Sie findet ideenreiche und motivierende Aufgabenformate. Die Studierenden haben Escape-Rooms, eine Zeitung, Comics, Podcasts und Filme zum Thema erstellt, die sie auch bei einer Konferenz über das Projekt vorstellten“, sagt die Dozentin.

 

„Wie wir die Erkenntnisse gewinnbringend in der Lehre einsetzen, erforschen wir zusammen mit der Bildungswissenschaft. Ziel ist, den Studierenden eine fundierte Orientierung zu geben, damit sie lernen, selbstverantwortlich mit den neuen Instrumenten umzugehen und den kritischen Blick zu bewahren“, sagt Cristina Andenna. Ein weiteres Labor-Seminar wird folgen. Fazit bis jetzt: KI kann die Lehre ideenreich unterstützen. Dozenten ersetzen kann sie nicht. 

 

 

Think Tank Studium der Zukunft

„Künstliche Intelligenz versteht Inhalte nicht wirklich. Sie sagt das wahrscheinlichste nächste Wort eines Textes voraus“, sagt Giulia Cordier. Sie studiert Geschichte und Informatik, arbeitet als Hilfskraft am Lehrstuhl von Cristina Andenna – und ist eine von bundesweit 15 „DigitalChangeMakern“ des Hochschulforums Digitalisierung: Die Studierenden erarbeiten eine KI-Strategie, die es ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen erleichtern soll, sich zukunftsfähig aufzustellen. „Wir entwickeln Workshops, die aufzeigen, wie man KI sinnvoll einsetzt und welche Tools es gibt. Diese sollen an Hochschulen angeboten werden“, sagt Giulia Cordier.

Call for DigitalChangeMaker 2027: Gestalte die Hochschulwelt von morgen mit!

 

Text:Claudia Ehrlich
Claudia Ehrlich
Titel: Oliver Dietze; Foto Seminar: Claudia Ehrlich/UdS
19.10.2026
Fotos:
Titel: Oliver Dietze; Foto Seminar: Claudia Ehrlich/UdS
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