Raus aus der Komfortzone: Im Auslandsstudium sammelte Philipp Lehnertz nicht nur internationale Studienerfahrung, sondern knüpfte Freundschaften in alle Welt und entdeckte Norwegens Natur. Warum er den Schritt jederzeit wieder wagen würde, erzählt er hier.

Jura-Student Philipp Lehnertz, hier vor der Skulptur „She Lies“ in Oslo, sammelte in Norwegen internationale Erfahrungen.
Oslo! – Aus einer Fülle von über 100 Universitäten in 40 Ländern weltweit, mit der die Saarbrücker Jura-Fakultät Partnerschaften pflegt, suchte sich Philipp Lehnertz den hohen Norden aus. „Ich fand Norwegen spannend. Mich hat gereizt, herauszufinden, wie ich klarkomme, ohne die Landessprache zu sprechen. Mal raus aus der Komfortzone. Bei einem Auslandsjahr geht das ohne Leistungsdruck“, sagt der Student. „Wann, wenn nicht jetzt, hat man diese Chance?“, fügt er hinzu. Durch die Zeit im Ausland verschiebt sich bei Jura der Freischuss, der risikolose Examensversuch. Und mit dem Erasmus+-Programm der EU fallen keine Studiengebühren an.
Perfekter Zeitpunkt für neue Erfahrungen
Gutes Timing war Philipp wichtig. „Der ideale Zeitpunkt war für mich nach dem vierten Semester, vor dem Schwerpunktstudium“, erklärt er. Saarbrücker Jurastudierende können sich früh auf ein Themenfeld spezialisieren, das sie interessiert – der Schwerpunkt ist zu 30 Prozent Teil des Examens. Neun Bereiche stehen dabei zur Wahl. Sie spiegeln die hiesigen Forschungsstärken, reichen von Wirtschaftsrecht bis hin zu IT-Recht und Rechtsinformatik. Immer steht neben der deutschen auch die internationale Perspektive im Fokus – generell eine Spezialität der Jura-Fakultät. „Um die Studiendauer zu verkürzen, wird das Examen im Schwerpunkt schon im sechsten Semester angeboten“, sagt Philipp, der „Internationales Recht, Europarecht und Menschenrechtsschutz“ wählte.
Über den Tellerrand hinaus
„In Oslo belegte ich Kurse für internationale Studierende. Das war eine super Vorbereitung auf diesen Schwerpunkt“, erzählt der Student. Schon seit dem zweiten Semester arbeitet er als Hilfskraft bei Professor Dominik Brodowski, der zugleich Uni-Vizepräsident für Internationalisierung und Europa ist. „Er hat meinen Plan, in Oslo zu studieren, sofort unterstützt“, sagt Philipp. Die Arbeit bringe spannende Einblicke: an Brodowskis Strafrechts-Lehrstuhl etwa in digitale Forensik, Digitalisierung und IT-Sicherheit oder internationale Strafrechtsfragen. „Man fängt mit kleinen Aufgaben an, übernimmt Recherchen. Später wächst man immer mehr in die Forschung hinein“, sagt der Student, der schon Vorträge auf Konferenzen gehalten hat, via Livestream sogar auf einer in Rio de Janeiro. „Viele sind sehr fokussiert aufs Examen, was verständlich ist. Aber ich finde es wichtig, nicht im Tunnel zu lernen, sondern die Chancen zu ergreifen, die sich mir bieten.“
Das hat Philipp auch in Oslo getan, wo er in einer Studenten-WG wohnte – ein Mitbewohner, ein Tscheche, hat ihn jüngst besucht, und gerade war er selbst wieder in Oslo, diesmal, um Freunde wiederzusehen. Philipp lernte Leute aus aller Welt kennen, ist an Erfahrung gewachsen und hat sich bewiesen, dass er es überall schaffen kann – er beherrscht jetzt sogar Smalltalk auf Norwegisch. „An der Uni lief alles auf Englisch. Norwegen ist traumhaft schön. Ich war in Bergen und Tromsø, war im Sommer wandern und in den Seen schwimmen, im Winter Ski und Schlitten fahren – und ich habe Polarlichter gesehen“, erzählt er. War also der hohe Norden die richtige Entscheidung? „Ein klares Ja für Oslo!“
Gut betreut in alle Welt
Die Universität des Saarlandes ist weltweit vernetzt. Studierende, die es in die Ferne zieht, finden Rat und Tat beim International Office. Speziell Jurastudierende sind beim Auslandsbeauftragten der Fakultät Recht, Professor Christian Gomille, und bei Maria Sparapani-Pelster im Jura-Auslandsbüro gut aufgehoben. Sie beraten rund um Erasmus+ und Austauschprogramme und betreuen Vorbereitung wie Aufenthalt intensiv. Geht es nach Sparapani-Pelster, sollten alle eine solch prägende Erfahrung machen: „Die Studierenden erweitern ihren Horizont, gewinnen an Selbstbewusstsein, Lebenserfahrung und sozialen Kompetenzen.“
Mit Erasmus+ ins Ausland: Auslandsbüro der Rechtswissenschaftlichen Fakultät