„Das hätte ich so nicht erwartet“, sagt Kamila Antczak, als sie auf ihr Biologie-Studium zurückblickt. Die 23-Jährige hat ihren Bachelorabschluss im Fach Human- und Molekularbiologie gemacht und beginnt nun im Wintersemester im gleichnamigen Masterstudiengang. Was sie überrascht hat, hat allerdings nichts mit einer veralteten Kommunikationsmethode zu tun, sondern viel mehr mit ihrer eigenen Entscheidung.

Kamila Antczaks Leidenschaft sind die Pflanzen, wie sie in ihrem Biologie-Studium festgestellt hat. Foto: Thorsten Mohr
„Zu Beginn des Studiums dachte ich nicht, dass ich einen so starken Fokus auf Pflanzenbiologie legen würde“, stellt Kamila Antczak rückblickend fest. „Aber die Pflanzenphysiologie hat mich dann doch gecatcht!“ Das hat auch mit dem FAX zu tun, was aber, Überraschung, nichts mit der altertümlichen Kommunikationstechnologie zu tun hat, sondern die Bezeichnung für eine Gruppe von Proteinen ist, die in den Pflanzen am Fettsäuretransport in der Zelle beteiligt ist (Fatty Acid Export). Im Falle von Kamila Antczak ist dies genauer gesagt bei der Acker-Schmalwand (Arabidopsis thaliana) der Fall, deren Genetik Kamila Antczak in ihrer Bachelorarbeit genauer unter die Lupe nimmt. „Wir können so besser verstehen, wie sich diese Proteine im Detail zum Beispiel auf den Fetthaushalt auswirken und ein besseres Grundverständnis dafür entwickeln, was in der Pflanze abläuft.“
Da sie die Laborarbeit sehr liebt, ist es nur folgerichtig, dass Kamila Antczak seit dem dritten Semester bei Katrin Philippar am Lehrstuhl für Pflanzenbiologie als studentische Mitarbeiterin arbeitet. Dort kann sie ihre Leidenschaft für die Pflanzenbiologie mit dem angenehmen Nebeneffekt, Geld fürs Studium zu verdienen, aufs Trefflichste verbinden. Doch ihre Liebe zum Labor kommt natürlich auch im Studium nicht zu kurz. Nach zahlreichen Grundpraktika standen vier ausgedehnte Aufbaupraktika, von Genetik bis Biochemie, auf dem Stundenplan des Bachelorstudiums. „Das sind tolle Veranstaltungen, bei denen man viele Experimente machen kann, die an anderen Unis so nicht möglich sind“, weiß sie aus Gesprächen mit Biologie-Studierenden anderer Universitäten. „Wir sind hier kleine Grüppchen, anders als an den großen Universitäten, wo es viel unpersönlicher zugeht als bei uns im Saarland“, sagt die Neunkircherin.
Die Liebe zum Labor hat sie nach dem Abi 2021 auch erst einmal ins Chemiestudium geführt. „Dann habe ich aber gemerkt, dass mich manches doch nicht so interessiert.“ Nach drei Semestern konnte sie dann ohne Probleme ins Fach Biologie wechseln, wo sie einige Veranstaltungen aus der Chemie bereits anrechnen lassen konnte. „Ich wollte ja gerne in den Naturwissenschaften bleiben, und heute weiß ich: die Human- und Molekularbiologie war die perfekte Wahl für mich“, konstatiert Kamila Antczak. Eine gewisse Leidensfähigkeit ist aber durchaus vonnöten, das möchte sie jungen Leuten, die nun überlegen, was sie studieren möchten, gerne als Ratschlag mitgeben. „Man muss immer dranbleiben und auch viel auswendig lernen können.“ Auch das gehört dazu, bei aller Kreativität im Labor. „Wenn man das nicht gerne macht oder zumindest nicht diszipliniert genug ist, um das zu tun, wird das Studium echt schwierig“, weiß sie aus eigener Erfahrung.
Diese Erfahrung zeigt nun, dass Kamila Antczak leidensfähig ist. Und wenn man die Pflicht gemeistert hat, ist die Kür umso schöner, findet die junge Frau. Das spiegelt wohl auch ihre Wohnung wider, in der, so berichtet Kamila Antczak, viel mehr Pflanzen stehen als vor dem Beginn ihrer pflanzlichen Leidenschaft im Biologie-Studium: Die Pflanzen haben sie ganz und gar gecatcht.