Am 23. März kann der Professor für Musikwissenschaft an der Universität des Saarlandes, Professor Herbert Schneider, in Mainz seinen 85. Geburtstag begehen.

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In Wiesbaden geboren, studierte der Jubilar Musikwissenschaft, Musikerziehung, Romanistik und Pädagogik an den Universitäten Mainz und Nancy. 1971 wurde er in Mainz mit einer Studie zur „Französischen Kompositionslehre in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts“ promoviert, der 1978 die Habilitationsschrift „Die Rezeption der Opern Lullys im Frankreich des Ancien Régime“ folgte. Von 1981 bis 1984 widmete er sich dem Aufbau der Fachrichtung Musikwissenschaft an der Universität Bayreuth und lehrte bis 1993 an der Universität Heidelberg, ehe er dann an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt in besonderer Weise praktische Ausbildung und wissenschaftliche Forschung verbinden konnte. Außerdem agierte er 1981 als Gastprofessor in Paris an der Sorbonne und während mehrerer Semester an der „École Normale Supérieure“.
Nach der Emeritierung Werner Brauns übernahm er 1996 für ein Jahrzehnt den Saarbrücker Lehrstuhl für Musikswissenschaft und organisierte unter anderem Ausstellungen: im Sommer 1999 die erste gemeinsame Tagung der „Gesellschaft für Musikforschung“ und der „Société française de musicologie, mehrere interdisziplinäre Kolloquien mit Pierre Béhar sowie 2006 ein internationales Symposium über Théodore Gouvy in Saarbrücken und in Hombourg-Haut (Moselle). Außerdem dokumentierte er beispielsweise 2006 „50 Jahre Musikwissenschaftliches Institut der Universität des Saarlandes“ und veranstaltete zusammen mit der Hochschule für Musik, an der er für die musikhistorische Ausbildung der Studierenden verantwortlich war, zwei Lehrerfortbildungsveranstaltungen. Während seiner Saarbrücker Zeit war er außerdem Jury-Mitglied bei mehr als 50 Promotions- und Habilitationsverfahren an französischen Universitäten.
Der Commandant dans l´Ordre des Arts et Lettres setzte auch nach seinem Eintritt in den Ruhestand engagiert seine Aktivitäten fort. Sein wissenschaftliches Werk seit der Emeritierung umfasst mehr als 50 umfangreiche Aufsätze insbesondere zur deutsch-französischen Musikgeschichte vom 17. bis zum frühen 20. Jahrhundert, zu den deutsch-französischen Musikbeziehungen und zur Übersetzung gesungener Gattungen. Zu erwähnen ist auch die kritische Ausgabe von Jean-Baptiste Lullys „Alceste ou Le triomphe d´Alcide“, die 2019 während der Musikmesse in Frankfurt als „Best Edition“ ausgezeichnet wurde. Sein bester Schüler Christoph Flamm ist auf den Lehrstuhl nach Heidelberg berufen worden.
Herbert Schneider ist Herausgeber der Œuvres complètes von Lully, von der 16 Bände vorliegen, ohne dass ein wissenschaftlicher Mitarbeiter oder gar ein Institut zur Verfügung stand. In der von ihm begründeten und herausgegebenen Reihe „Musikwissenschaftliche Publikationen“ ist 2025 der 54. Band erschienen, und gegenwärtig arbeitet der Jubilar an einer Monographie zu Daniel-François-Esprit Auber (1782-1871). Außerdem wurde er kürzlich zum Mitherausgeber der kritischen Ausgabe von Romain Rollands Beethoven-Biographien berufen.
Text: Dr. Wolfgang Müller, Universitätsarchiv