Sascha Hägele erhält Best Paper Award der WI 2026

Sascha Hägele vom Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Controlling (Professor Alexander Baumeister), ist mit dem Best Paper Award der 21. Internationalen Tagung Wirtschaftsinformatik (WI 2026) ausgezeichnet worden. Prämiert wurde seine Forschungsarbeit über ökonomische Sicherheit dezentraler Verfahren zur Feststellung von Marktergebnissen am Beispiel des Prognosemarktes Polymarket. Sascha Hägele untersuchte, unter welchen Bedingungen sich die Manipulation eines solchen Verfahrens wirtschaftlich lohnen könnte.

Foto: Lehrstuhl Baumeister

Prognosemärkte ermöglichen es Nutzerinnen und Nutzern, auf den Ausgang zukünftiger Ereignisse zu handeln. Damit ein solcher Markt funktioniert, muss am Ende zuverlässig festgestellt werden, welches Ergebnis tatsächlich eingetreten ist. Bei Polymarket erfolgt diese Feststellung über ein dezentrales Verfahren, bei dem Marktteilnehmer über die korrekte Auflösung eines Marktes entscheiden. Im Mittelpunkt von Sascha Hägeles Untersuchung steht die Frage, ob die finanziellen Anreize für eine Manipulation größer sein können als die Kosten eines solchen Eingriffs. Auf Grundlage eines spieltheoretischen Modells analysierte er dazu 8.012 Märkte und stellte die potenziellen finanziellen Gewinne einer Manipulation den erwarteten Kosten einer erfolgreichen Manipulation des Systems gegenüber.

Die Ergebnisse zeigen, dass die im System vorgesehenen finanziellen Sanktionen allein die ökonomische Sicherheit nicht vollständig erklären. Eine wichtige Rolle spielen auch Faktoren außerhalb des eigentlichen Systems, insbesondere Reputationsrisiken und mögliche Auswirkungen auf das Gesamtsystem. Diese zusätzlichen Abschreckungseffekte tragen wesentlich dazu bei, dass sich eine Manipulation trotz entsprechender finanzieller Anreize nicht zwangsläufig wirtschaftlich lohnt. Darüber hinaus untersuchte Sascha Hägele, ob Märkte mit einer höheren theoretischen Manipulationsgefahr tatsächlich häufiger Gegenstand von Streitfällen sind. Die Analyse zeigt keinen entsprechenden Zusammenhang. Die beobachteten Streitfälle stehen vielmehr eher mit unterschiedlichen Auffassungen darüber in Zusammenhang, wie die Kriterien für die Auflösung eines Marktes auszulegen sind, als mit wirtschaftlich motivierten Manipulationsversuchen.

Die Internationale Tagung Wirtschaftsinformatik (WI) bringt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Wirtschaftsinformatik und angrenzenden Disziplinen zusammen und bietet ein Forum für aktuelle Forschung an der Schnittstelle von digitalen Technologien, Wirtschaft und Gesellschaft. Die 21. Ausgabe der Konferenz fand im September 2026 in Linz statt. Dass Sascha Hägeles Beitrag dabei vom Programmkomitee aus allen angenommenen Einreichungen der Konferenz für den Best Paper Award ausgewählt wurde, unterstreicht die wissenschaftliche Bedeutung der Arbeit. Zugleich zeigt die Studie, wie sich spieltheoretische Ansätze und empirische Analysen nutzen lassen, um die ökonomischen Rahmenbedingungen und Sicherheitsmechanismen digitaler Systeme besser zu verstehen.

Sascha Hägeles Arbeit trägt den Titel „The Price of ‘Truth’: An Empirical Analysis of Economic Security in Polymarket’s Decentralized Oracle Mechanism“.

Zum Seitenanfang