Krebs
Krebszellen im Test: Forscher entwickeln neuen Ansatz für wirksamere Behandlungen

Krebspatienten mit einer personalisierten Therapie schneller und wirksamer behandeln – daran forschen die beiden Homburger Onkologen Marc Remke und Philipp Staber mit einem neuen Ansatz. Dabei testen sie verfügbare Krebsmedikamente im Labor an den Krebszellen des Patienten.

Die Professoren Marc Remke (im weißen Kittel links) und Philipp Staber (rechts) mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterin ihrer Arbeitsgruppen. Foto: Laura Glücklich/UKS

Zwei Onkologen – ein gemeinsames Ziel: Beide Wissenschaftler arbeiten daran, mithilfe neuer diagnostischer Methoden wirksamere Therapien für Krebspatientinnen und -patienten zu entwickeln. „Wir wollen für jeden einzelnen Patienten das passende Behandlungskonzept finden“, sagt Philipp Staber, der seit 2025 als Professor für Innere Medizin – Hämatologie und Onkologie an der Universität des Saarlandes tätig ist. In seinem wissenschaftlichen und klinischen Alltag befasst er sich schwerpunktmäßig mit Lymphdrüsenkrebs und Leukämien. Seit etlichen Jahren verfolgt er dabei einen neuen Ansatz: die funktionelle Präzisionsonkologie. „Präzisionsmedizin bedeutet, für jeden einzelnen Patienten das richtige Medikament zum richtigen Zeitpunkt zu ermitteln“, erklärt Staber. 

Auf dem Homburger Campus arbeitet er dabei eng mit seinem Kollegen Marc Remke, Professor für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie, zusammen. Remke, der 2023 ins Saarland kam, ist Direktor der Klinik für Kinderonkologie und Hämatologie am Universitätsklinikum. Sein Forschungsschwerpunkt sind Hirntumore bei Kindern und Erwachsenen. „Wir haben unsere Labore fusioniert, um mithilfe der passenden Diagnostik die Therapiemöglichkeiten für Krebspatienten zu erweitern“, sagt Remke. „Wir forschen also ergänzend, wenn auch mit etwas unterschiedlichen Ausrichtungen.“

Dabei tragen die Forschungseinrichtungen beider Onkologen das Gütesiegel der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG): Bereits 2020 wurde das Zentrum für Hämatologische Neoplasien von Professor Staber nach DKG-Richtlinien zertifiziert, das von Professor Remke geleitete Kinderonkologische Zentrum erhielt das Gütesiegel der Patientenversorgung im Jahr 2025.

Neue Therapieoptionen außerhalb des Standards
 
Gemeinsam verfolgen die beiden Forscher einen neuen Ansatz:  Anstatt sich bei der Behandlung auf die genetischen und biologischen Daten des Tumors zu konzentrieren, nutzen sie funktionelle Medikamententests. Das bedeutet: Sie testen verfügbare Krebsmedikamente im Labor an den Krebszellen des Patienten. „Bei unseren Labortests setzen wir alles ein, was wir gegen Krebszellen in der Hand haben, und schauen, welches Medikament gegen den Tumor des Patienten wirkt und welches nicht“, erläutert Marc Remke. Die Spielregeln sind klar: Die Tests laufen unter kontrollierten Bedingungen ab und sind reproduzierbar.

Doch wie funktioniert diese hochgradig personalisierte Wirkstoff-Screening-Methode? Entscheidend ist die richtige Testung, erklären die beiden Forscher: Das Biopsie-Material wird durch einen operativen Eingriff, durch Blutentnahme oder durch Knochenmarkspunktion gewonnen und das frische Gewebe möglichst rasch getestet: „Wir führen an dem Tumorgewebe parallele Analysen mit mehr als hundert verschiedenen Medikamenten in unterschiedlichen Konzentrationen durch“, erläutert Philipp Staber. „Dabei fokussieren wir auf einzelne Tumorzellen, die zuvor durch Erkennung von Oberflächenmarkern identifiziert wurden. Wir schauen also, welche Medikamente spezifisch die Krebszellen angreifen und idealerweise die Immunzellen verschonen.“ 

Die innovative Behandlungsstrategie auf Einzelzell-Basis hat Philipp Staber an der Medizinischen Universität Wien entwickelt; dort hat er auch klinische Studien mit Blutkrebspatienten im Spätstadium durchgeführt. Dabei zeigte sich beispielsweise, dass Lymphom-Patienten mit Darmkrebs-Medikamenten behandelt werden konnten. Das ermutigende Ergebnis: Mehr als die Hälfte der Patienten profitierten vom individuellen Wirkstoff-Screening und der daraus abgeleiteten Behandlung. 

Referenzdatenbank für Medikamententests

Insbesondere auch junge Krebspatienten könnten von dem funktionellen Ansatz profitieren, betont Marc Remke: „Da Krebserkrankungen im Kindesalter – zum Glück – selten sind, gibt es für die Pharmaindustrie nur wenig Anreiz, teure Medikamentenforschung zu betreiben“, sagt er. Dementsprechend seien geeignete Medikamente Mangelware. Remke hat an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf aus 250.000 Medikamententests eine riesige Referenzdatenbank für Tests mit Krebsmedikamenten aufgebaut, die er nach Homburg mitgebracht hat. „Wir können also alle Testungen, auch die in der Historie liegenden, mit anderen Patienten vergleichen.“ 

Die Risiken der neuen, individuellen Behandlungsmethode stuft der Direktor der Homburger Kinderonkologie als kalkulierbar ein, denn die eingesetzten Medikamente seien bereits in der klinischen Anwendung. Und während die herkömmliche onkologische Therapie nach dem Gießkannenprinzip verlaufe, lasse sich mithilfe der auf Drugscreening basierenden Testmethode schnell herausfinden, welche Patienten von welchen Medikamenten profitieren können. Etablierte Therapieformen könnten beispielsweise bei Patienten mit bösartigen Hirntumoren oft wenig ausrichten, zumal die Behandlung ein Wettlauf gegen die Zeit sei. Daher entwickelt Remke gemeinsam mit Philipp Staber derzeit eine Testung für Glioblastom-Patienten. Dabei kommen ihm seine neuroonkologische Expertise und die jahrelangen Erfahrungen bei der Aufbereitung von den Geweben zugute. 

Von den gut vernetzten Wissenschaftsstandorten Homburg und Saarbrücken sind beide Forscher begeistert. „Wir profitieren von der Bioinformatik und dem Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung – das ist toll“, freut sich Marc Remke. Insbesondere das kollegiale Miteinander sei ein dicker Bonus für Homburg: „Es gibt einen direkten Austausch und man weiß, dass man es mit verlässlichen Partnern zu tun hat, die Medizin auf allerhöchstem Niveau anbieten und offen sind für Neues.“ 

 

In folgendem Artikel des Universitätsklinikums gibt es weitere Einzelheiten zum Ablauf der hochdurchsatz-basierten Medikamententestung im eigens gegründeten „Translational Pediatric Oncology Lab“ der Klinik für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie:

https://www.uks.eu/ueber-das-uks/newsroom/medienmitteilungen/pm-detail/uks-startet-umfangreiche-medikamententestung-fuer-die-individuelle-therapie-von-kindern-mit-krebserkrankungen

Text:Gerhild Sieber
Gerhild Sieber
18.05.2026
Zum Seitenanfang

Universitätsmedizinisches Zentrum für Tumorerkrankungen

Unterstützt werden die klinischen sowie wissenschaftlichen Arbeiten der Onkologen vom Universitätsmedizinischen Zentrum für Tumorerkrankungen (UTS) auf dem Homburger Campus. Die Daten der Tumordokumentation, die am UTS aufbereitet werden, stellen eine weitere Grundlage für die Forschung der Professoren Philipp Staber und Marc Remke dar. Als zertifiziertes onkologisches Zentrum widmet sich das UTS der ganzheitlichen Betreuung von Krebspatienten auf modernstem medizinischem Niveau.
www.uks.eu/UTS