Diese Frage haben Ingmar Weber, Humboldt-Professor für Künstliche Intelligenz, und Daniela Braun, Professorin für Politikwissenschaft, für eine Beilage der Wochenzeitung "Die Zeit" beantwortet. Diese Frage wirft gleich weitere Fragen auf, etwa wo gesellschaftliche Debatten in Hass kippen. Über das SOUNDS-Projekt, das aus dem saarländischen Transformationsfonds mit 29 Millionen Euro gefördert wird, berichten sie hier in ihrer Antwort auf die Frage nach der gesellschaftlichen "Wettervorhersage".

Humboldt-Professor Ingmar Weber und Professorin Daniela Braun von der Universität des Saarlandes leiten gemeinsam das "Societal Observatory Using Novel Data Sources (SOUNDS)".
Unbedingt! Zwar können wir sich anbahnende gesellschaftliche Stürme – wie Desinformationskampagnen oder Polarisierung – nicht „vorhersagen“ wie eine Wetterlage. Durch die Zusammenführung wesentlicher Erkenntnisse aus den Sozial- und Computerwissenschaften lässt sich jedoch eine Art Frühwarnsystem aufstellen, das dafür sorgt, dass Politik und Zivilgesellschaft schneller auf bedrohliche Tendenzen reagieren können und nicht erst, wenn es bereits donnert.
Demokratische Gesellschaften verändern sich nicht plötzlich, sondern es gibt frühzeitige Anzeichen, die zentrale Anhaltspunkte liefern: Wo kippen gesellschaftliche Debatten in Hass? Wann wächst Misstrauen in Institutionen und demokratische Prozesse? Warum ist das Interesse für demokratische Politik in der Bevölkerung nicht (mehr) vorhanden? Wo radikalisiert sich Sprache? Diese und weitere gesellschaftsrelevanten Fragen lassen sich durch die Berücksichtigung innovativer Datenquellen und Methoden beantworten und in einem „Demokratie-Barometer“ darstellen, das klassische Daten (z.B. Meinungsumfragen) mit digitalen Indikatoren (z.B. öffentliche Online-Debatten, Suchtrends) kombiniert.
So wie Meteorologinnen und Meteorologen Luftdruck und Temperatur messen, misst das Societal Observatory Using Novel Data Sources (SOUNDS) an der Universität des Saarlandes gemeinsam mit interessierten zivilgesellschaftlichen Akteur:innen den „gesellschaftlichen Druck“ mittels digitaler Daten und erstellt auf dieser Basis einen „Demokratie-Wetterbericht“ für unsere Gesellschaft. Die interdisziplinär zusammengesetzte Forschungsgruppe hat sich zum Ziel gesetzt, demokratische „Wetterlagen“ systematisch zu identifizieren und Politik und Zivilgesellschaft dadurch eine Art Blitzableiter an die Hand zu geben, der sie dabei unterstützt, rechtzeitig vor Gewitterausbrüchen entgegensteuernde, wissenschaftlich gestützte Maßnahmen zu ergreifen.
Kontakt:
SOUNDS | Universität des Saarlandes
Saarland Informatics Campus
Tel.: +49 (0) 681 – 302 70795
Mail: projekt-sounds@uni-saarland.de
www.sounds-observatory.org