Neuer Juniorprofessor für Mikrobiologie

In der Natur leben Bakterien nur selten isoliert. Sie tauschen Signale aus, kooperieren mit benachbarten Zellen und konkurrieren um Nährstoffe und Lebensraum. Um diese Wechselwirkungen zu koordinieren, produzieren sie eine große Vielfalt kleiner Moleküle und Proteine, von denen viele bislang kaum erforscht sind. Juniorprofessor Luis Linares-Otoya möchte entschlüsseln, wie diese mikrobiellen „Sprachen“ funktionieren und wie sie die Zusammensetzung und das Verhalten bakterieller Gemeinschaften beeinflussen.

Foto: privat

Luis Linares-Otoya ist neuer Juniorprofessor für Mikrobiologie der Universität des Saarlandes. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeitsgruppe liegt auf dem bakteriellen Phylum Bacteroidota. Mitglieder dieser großen und vielfältigen Gruppe kommen in zahlreichen natürlichen Lebensräumen vor und zählen zugleich zu den häufigsten Bakterien im menschlichen Darm. Trotz ihrer ökologischen und medizinischen Bedeutung sind grundlegende Aspekte ihrer Biologie bislang nur unzureichend verstanden. Zu Linares-Otoyas bisherigen Arbeiten gehört die Entdeckung der ersten Klasse chemischer Kommunikationsmoleküle, die in dieser Bakteriengruppe identifiziert wurde: die sogenannten N-Acyl-Cyclolysine. Diese Moleküle ermöglichen es Bakterien, Mitglieder ihrer eigenen Population zu erkennen und auf sie zu reagieren. Die Ergebnisse wurden 2025 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.

An der Universität des Saarlandes werden Luis Linares-Otoya und sein Team molekulare Systeme untersuchen, mit denen Bakterien ihre Umwelt wahrnehmen, kommunizieren, kooperieren, mit anderen Bakterien konkurrieren und mit ihren Wirten interagieren. Durch die Analyse dieser Prozesse in bislang wenig charakterisierten Bakteriengruppen wie den Bacteroidota möchte seine Arbeitsgruppe bisher unbekannte Mechanismen aufdecken, die in natürlichen mikrobiellen Gemeinschaften und im menschlichen Mikrobiom eine Rolle spielen. Neben einem besseren grundlegenden Verständnis könnten diese Arbeiten neue Moleküle, Enzyme und biologische Systeme hervorbringen, die potenzielle Anwendungen in der Biotechnologie und Wirkstoffforschung bieten.

Luis Linares-Otoya stammt ursprünglich aus Peru und absolvierte sein Masterstudium sowie seine Promotion an der Universität Bonn. Während seiner Doktorarbeit untersuchte er die Biosynthese biologisch aktiver kleiner Moleküle, die von Bakterien produziert werden. Nach Forschungsstationen an der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Nationalen Universität Trujillo in Peru wechselte er an das Department of Molecular Biology der Princeton University in den USA. Dort untersuchte er die molekularen Mechanismen, über die Bakterien im menschlichen Mikrobiom und in marinen Lebensräumen miteinander interagieren.

An der Universität des Saarlandes will Linares-Otoya ein interdisziplinäres Forschungsprogramm aufbauen, das Multi-Omics, synthetische Biologie, Mikrobiologie, Biochemie, Strukturbiologie und Bioinformatik miteinander verbindet, um bakterielle Interaktionen mechanistisch zu verstehen.

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