Nachhaltige Kreislaufwirtschaft
Wie Urin und Asche zu nachhaltigen Rohstoffen werden

Wie lassen sich Abfälle sinnvoll nutzen, anstatt sie zu entsorgen? Ein Forschungsteam der Universität des Saarlandes hat nun einen innovativen Ansatz entwickelt, der regional leicht verfügbare Abfallstoffe in wertvolle Rohstoffe umwandeln kann: Urin und Asche. Ziel des neuen Verfahrens ist es, die beiden Abfallstoffe geschickt zu nutzen, um Stickstoff, Phosphor, Calcium und Magnesium bereitzustellen – die Grundlage vieler derzeit stark nachgefragter Düngemittel. 
 

Urin aus intensiver Tierhaltung wird beispielsweise in Form von Gülle auf landwirtschaftliche Flächen ausgebracht; dadurch werden Böden und Grundwasser mit einem Übermaß an Stickstoff- und Phosphorverbindungen belastet. Foto: frei lizenziert, Etienne Girardet / Unsplash

Asche und Urin gelten als unerwünschte Abfallstoffe. Sie fallen in enormen Mengen an und verursachen zudem massive Umweltprobleme. So trägt Urin aus intensiver Tierhaltung erheblich zur Belastung von Böden und Grundwasser mit Stickstoff- und Phosphorverbindungen bei, und Holzasche muss auf Deponien entsorgt werden. Gleichzeitig enthalten sowohl Urin als auch Asche wertvolle chemische Bestandteile, darunter Stickstoff, Phosphor, Calcium und Magnesium. Diese Elemente zählen zu den wichtigsten Rohstoffen für Landwirtschaft und Industrie.

Forscherinnen und Forscher um Claus Jacob, Professor für Bioorganische Chemie an der Universität des Saarlandes, haben nun das sogenannte „Urinash-Verfahren“ entwickelt. Es kombiniert einfache biologische und chemische Prozesse, mit denen sich die beiden Reststoffe zu Wertstoffen aufbereiten lassen. „Ziel ist die Herstellung von ‚grünem‘ Ammoniak und von Calciumphosphat – beides gefragte Produkte mit zahlreichen Anwendungspotenzialen“, erläutert Claus Jacob. Grüner Ammoniak kann beispielsweise als klimafreundlicher Energieträger oder als Ausgangsstoff für Düngemittel dienen, während Calciumphosphat unter anderem in der Landwirtschaft, Medizin und Materialwissenschaften große Verwendung findet.

Das Verfahren ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigeren und ressourcenschonenden regionalen Kreislauf-Wirtschaft.

Claus Jacob

Neben der Rückgewinnung wertvoller Rohstoffe untersucht das Forschungsteam auch die praktische Umsetzung des Verfahrens. Dazu gehören Fragen der Sammlung, des Transports und der Verarbeitung der Ausgangsstoffe sowie die mögliche industrielle Skalierung des Prozesses. 

„Langfristig könnte das Verfahren einen wichtigen Beitrag zur Bioökonomie und nachhaltigen Kreislaufwirtschaft auch in unserer Region leisten: Es würde regionale Abfallströme sinnvoll nutzen, bisherige Umweltbelastungen durch diese Stoffe reduzieren und gleichzeitig den Bedarf an energieintensiv hergestelltem ‚grauem‘ Ammoniak verringern und damit den umweltschädlichen Abbau von Phosphat-Lagerstätten eindämmen“, sagt Professor Claus Jacob. Damit zeige das Projekt, wie sich bislang ungenutzte und unerwünschte Reststoffe in wertvolle Ressourcen verwandeln lassen – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigeren und ressourcenschonenden regionalen Kreislauf-Wirtschaft.
 

Text:Gerhild Sieber
Gerhild Sieber
09.07.2026
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Originalpublikation

Die Forschungsergebnisse wurden kürzlich im renommierten Journal „Bioengineering“ publiziert: https://doi.org/10.3390/bioengineering13070720