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Als Paulo Coelho in Homburg forschte

Ja, er heißt wirklich so. Und er ist aus Brasilien. Aber beim Blick auf den vollständigen Namen wird klar: Es handelt sich doch nicht um den Bestseller-Autor. Paulo Ricardo Silva Coelho ist erstens ein paar Jahre jünger als sein weltbekannter Namensvetter, und zweitens findet sein Wirken weniger öffentlich statt. Was ein brasilianischer Biologe im exotischen, schneebedeckten Homburg erlebt hat, liest sich aber kaum weniger poetisch. Ein Erfahrungsbericht aus seiner Feder.

Schnee-Exotik in Homburg: Paulo Ricardo Silva Coelho (r.) mit seiner Frau Ludmila Alves Costa und der gemeinsamen Tochter Lis Alves Coelho. Foto: privat

Im Dezember 2025 kam ich nach Homburg, um einen Forschungsaufenthalt am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene (IMMH) der Universität des Saarlandes zu absolvieren. Als Postdoktorand am Lehrstuhl für Parasitologie des Instituts für Biowissenschaften der Bundesuniversität von Minas Gerais (UFMG) in Brasilien konnte ich als Gastwissenschaftler an der Universität des Saarlandes bei Professor Sören Becker forschen, gefördert durch ein Stipendium des PROBRAL-Programms der brasilianischen Bundesagentur zur Förderung und Bewertung der Graduiertenausbildung (CAPES) und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD).

Es war eine tolle Erfahrung und sehr wichtig für mich zu sehen, wie die Forscher hier arbeiten, und mit Menschen unterschiedlicher Herkunft über Wissenschaft zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen. Zu den Projekten, an denen ich in Homburg mit geforscht habe, gehörte eine Studie zur Leishmaniose, einer durch Mücken übertragenen Infektionskrankheit, aus einer „One Health“-Perspektive, einem Ansatz, der die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt miteinander verbindet. Das Projekt werde ich nach meiner Rückkehr in Brasilien fortsetzen.

Ich interessiere mich darüber hinaus schon länger für die Malakologie, die Lehre von den Weichtieren. Daher hatte ich in Homburg auf den Grünflächen in der Nähe meines Wohnortes reichlich Gelegenheit, aus brasilianischer Perspektive exotische Schnecken zu beobachten und zu fotografieren, die ich bei Spaziergängen durch die Stadt und ihre Umgebung entdeckte. Zu den dokumentierten Arten gehörten Helix pomatia, Ambigolimax valentianus, Limax maximus, Arion spp. und Cornu aspersum.

In einem Englischkurs an der Volkshochschule (VHS) kam ich mit vielen Menschen verschiedener Nationalitäten in Kontakt, und es war eine großartige Gelegenheit, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen, die weit über das akademische Umfeld hinausgingen. Auch mein Wohnort hat meinen Horizont in dieser Hinsicht erheblich erweitert: Das Haus in Schwarzenbach in der Nähe des Campus war eine Wohngemeinschaft mit Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft, darunter Bewohner aus Afrika und Asien. So lernte ich viele andere Geschichten, Bräuche und Lebensweisen kennen. Zu den lokalen Bräuchen, die ich besonders bemerkenswert und interessant fand, gehörten die Flohmärkte, die regelmäßig in der Region stattfinden.

Dieses Eintauchen in den Alltag in Deutschland ermöglichte es mir auch, einige Unterschiede wahrzunehmen, die über kulturelle Aspekte hinausgingen. Die Bürokratie zum Beispiel fiel mir im Vergleich zu Brasilien besonders auf. In manchen Situationen erforderten Verfahren, die digital abgewickelt werden könnten, immer noch gedruckte Dokumente und physischen Schriftverkehr. Obwohl reichlich Ressourcen und Technologie zur Verfügung stehen, könnten einige bürokratische Abläufe einfacher und effizienter gestaltet werden, insbesondere bei Angelegenheiten von untergeordneter Bedeutung. Es waren diese alltäglichen Unterschiede, die, gerade weil sie klein erscheinen mögen, während eines längeren Aufenthalts besonders auffallen.

Eines der unvergesslichsten Erlebnisse für mich war der Schnee! Für jemanden, der noch nie zuvor einen europäischen Winter erlebt hatte, war das etwas ganz Besonderes. Im Dezember und Januar kamen meine Frau und meine Tochter zu Besuch nach Homburg. Gemeinsam erkundeten wir die Stadt in der Weihnachtszeit, genossen die verschneiten Tage und besuchten den Weihnachtsmarkt. Während meines neunmonatigen Aufenthalts konnte ich fast jede Jahreszeit erleben. Nach dem Winter veränderten Frühling und Sommer das Stadtbild und den Alltag. Bäume und Parks nahmen neue Farben an und erwachten mit den wärmeren Jahreszeiten zum Leben.

Der Schlossberg war einer der Orte, die mir ebenfalls in bester Erinnerung bleiben werden. Die Sandsteinformationen und historischen Bauwerke an diesem Ort vereinten zwei Aspekte, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten seiner Erfahrung präsent waren: die Naturlandschaft und das kulturelle Erbe der Region. Auch das Essen wurde Teil meines Alltags. Zu den Gerichten, die ich probieren und kennenlernen konnte, gehörten regionale Spezialitäten wie Dibbelabbes, Schwenkbraten, Lyoner und verschiedene Zubereitungen mit Knödeln sowie Biere von Karlsberg.

Natürlich konnte ich aber auch hierzulande Kontakte in die Heimat knüpfen. Ich habe in dem Dreivierteljahr Brasilianer kennenlernen können, die in Homburg und anderen Städten der Region leben. Diese Gespräche boten mir die Möglichkeit, die Geschichten von Menschen zu hören, die zu unterschiedlichen Zeiten nach Deutschland gekommen waren und sich hier ein Leben aufgebaut hatten. Für mich boten diese Begegnungen eine andere Perspektive als die eines Menschen, der nur für eine begrenzte Zeit im Land lebt.

Am 1. September 2026, nach neun Monaten in Deutschland, bin ich schließlich nach Brasilien zurückgekehrt. Über die wissenschaftlichen Aktivitäten hinaus ermöglichte mir diese Erfahrung, neue wissenschaftliche Kontakte zu knüpfen und neue Perspektiven in die Arbeit einzubringen, die ich nach meiner Rückkehr fortsetzen werde. Denn bei einer internationalen Forschungserfahrung geht es nicht einfach nur darum, ein Projekt an einen anderen Ort zu verlegen. Es geht auch darum, unsere Fragen, Methoden und Arbeitsweisen mit anderen Perspektiven in Kontakt zu bringen. Diesen Austausch möchte ich mit nach Brasilien zurücknehmen.

 

Text:Paulo Ricardo Silva Coelho
Paulo Ricardo Silva Coelho
19.10.2026
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