Der international renommierte Strukturbiologe Nicholas Taylor kommt mit einem Preisgeld von 9,9 Millionen Euro als Humboldt-Professor an die Universität des Saarlandes. Die Universität war erfolgreich mit ihrem Vorschlag für diesen höchstdotierten Forschungspreis Deutschlands. Die Alexander von Humboldt-Stiftung gab die Preisträger am 10. Juni bekannt. Komplexe molekulare Maschinen stehen im Mittelpunkt von Taylors Forschung, der ab 2027 an der Universität des Saarlandes den Aufbau modernster molekularer Bildgebungsverfahren unterstützen wird: Er soll mit dazu beitragen, die Universität zu einer europaweit führenden Institution der Anti-Infektions- und Wirkstoffforschung zu machen.

Nicholas Taylor ist ein international renommierter Strukturbiologe, dessen Forschungsschwerpunkt komplexe molekulare Maschinen sind. An der Universität des Saarlandes soll er den Aufbau modernster molekularer Bildgebungsverfahren unterstützen. (Foto: Weigang Fotografi)
In unseren Körperzellen sind tausende sogenannter molekularer Maschinen tätig, die am Transport von Molekülen durch Zellmembranen beteiligt sind. Nicholas Taylor erforscht die Struktur und Funktion dieser komplexen molekularen Maschinen. Sein Ziel ist es, ihre biologische Rolle besser zu verstehen, um sie für biomedizinische Zwecke nutzbar zu machen – also mit dem so erworbenen neuen Wissen zu ermöglichen, dass etwa neuartige Wirkstoffe und Medikamente entwickelt werden können. Der Strukturbiologe, der bislang in Dänemark an der Universität Kopenhagen forscht und lehrt, macht hierfür die Vorgänge vor Ort auf Zellebene sichtbar: Er ist weltweit führender Experte der hochauflösenden Kryo-Elektronenmikroskopie (Kryo-EM).
"Die hochdotierte Humboldt-Professur bedeutet für die Universität des Saarlandes eine weitere Stärkung unseres Schwerpunktes BioMed und einen weiteren Schritt auf unserem Weg hin zu einer führenden europäischen Institution der Anti-Infektions- und Wirkstoffforschung."
„An der Universität des Saarlandes bündeln wir derzeit modernste molekulare Bildgebungsverfahren, um unseren Schwerpunkt zur Wirkstoffentwicklung international sichtbar auszubauen. Ziel ist es, neue Wirkstoffe für die Patienten schneller als bisher vom Labor zur Marktreife zu entwickeln. Hierbei führen wir Spezialgeräte, Technologien, Methoden und Expertise zentral in sogenannten Core Facilities zusammen, um die Infrastruktur zu teilen und sie unseren Forschungsteams verschiedener Fachrichtungen zugänglich zu machen. Nicholas Taylor wird als Humboldt-Professor eine hochmoderne Kryo-EM Core Facility leiten, die bereits im Aufbau ist“, erklärt Universitätspräsident Ludger Santen, der Taylor für die Universität des Saarlandes nominiert hat.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Bereichen Medizin, Pharmazie, Lebenswissenschaften, Bioinformatik und den Naturwissenschaften arbeiten im Schwerpunkt „BioMed – Leben und Materie“ auf dem Saarbrücker und Homburger Campus zusammen an neuen Wirkstoffen, Diagnose- und Behandlungsmethoden. „Die hochdotierte Humboldt-Professur bedeutet für die Universität des Saarlandes eine weitere Stärkung unseres Schwerpunktes BioMed und einen weiteren Schritt auf unserem Weg hin zu einer führenden europäischen Institution der Anti-Infektions- und Wirkstoffforschung“, betont Ludger Santen.
Mit der hochauflösenden Kryo-Elektronenmikroskopie lassen sich die Strukturen biologischer Moleküle in nahezu atomarer Auflösung sichtbar machen. Die biologischen Proben werden schockgefroren, wodurch sich keine Kristalle bilden, sondern glasartiges Eis. Auf diese Weise können die Proben in ihrem natürlichen, funktionsfähigen Zustand untersucht werden. Durch die Kombination von Kryo- Elektronenmikroskopie mit anderen biophysikalischen und funktionellen Untersuchungen kann Taylor ein vollständiges Bild dieser Systeme gewinnen.
Im Zentrum von Taylors Forschung steht dabei die Frage, wie die molekularen Maschinen funktionieren, welche Prozesse dabei ablaufen, wenn zum Beispiel Bakterien sich aktiv und unwillkürlich bewegen oder wie die Virenabwehr genau funktioniert. Insbesondere interessiert er sich dafür, wie es Bakteriophagen – das sind Viren, die Bakterien angreifen – schaffen, DNA und Proteine in die Wirtszellen einzuschleusen.
"Ab 2027 wird Nicholas Taylor mit seiner Expertise nicht nur die aktuelle biomolekulare Forschung unserer Universität stärken, sondern auch eng mit Forschungsteams unterschiedlichster Fachrichtungen zusammenarbeiten und neue Synergien aufbauen."
„Nicholas Taylors Forschungsergebnisse liefern grundlegende Erkenntnisse über den Transport durch die Zellmembran und können dabei helfen, strukturbasierte Wirkstoffe und Medikamente zu entwickeln. Entsprechend vernetzt wird er auf dem Homburger und dem Saarbrücker Campus forschen“, sagt der Dekan der Medizinischen Fakultät Professor Matthias Hannig. „Ab 2027 wird Nicholas Taylor mit seiner Expertise nicht nur die aktuelle biomolekulare Forschung unserer Universität stärken, sondern auch eng mit Forschungsteams unterschiedlichster Fachrichtungen zusammenarbeiten und neue Synergien aufbauen“, erklärt Matthias Hannig.
Nicholas Taylor wird an der Medizinischen Fakultät eine Professur für Strukturbiologie mit Schwerpunkt Kryo-Elektronenmikroskopie innehaben, die als Brücke das Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) und die Medizinische Fakultät verbindet. Angesiedelt sein wird Taylor auf dem Homburger Medizin-Campus, wo er mit zahlreichen Forschungsgruppen zusammenarbeiten wird. Am HIPS auf dem Saarbrücker Campus wird er als assoziierter Professor tätig sein. Auch am PharmaScienceHub, der Kooperationsplattform der Universität des Saarlandes und des HIPS, bei dem mehr als 70 Forschungsgruppen und über 300 Forscherinnen und Forscher aus verschiedenen Disziplinen kooperieren, wird er beteiligt sein.
Das neue Elektronenmikroskopie-Gerätezentrum, in dem Kryo- und weitere innovative Elektronenmikroskopie-Technologien als Core Facility gebündelt werden, wird Nicholas Taylor gemeinsam mit Professor Matthias Hannig leiten. Hierfür wird auf dem Homburger Campus in den kommenden Jahren ein eigenes Gebäude entstehen.
Die Alexander von Humboldt-Professur wird von der Alexander von Humboldt-Stiftung vergeben und vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt finanziert. Nicholas Taylor ist einer von acht Forschern, die in diesem Jahr für eine Humboldt-Professur ausgewählt wurden. Die Preisverleihung wird 2027 stattfinden. Die Universität des Saarlandes hatte den Wissenschaftler für den höchstdotierten internationalen Forschungspreis Deutschlands vorgeschlagen. Dank des 1.000-Köpfe-Plus-Programms des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt wurde das Preisgeld in diesem Jahr auf bis zu 10 Millionen Euro pro Preisträger erhöht. Es dient der Finanzierung einer Professur für die ersten sieben Jahre, wodurch sich optimale Bedingungen für flexible und herausragende Spitzenforschung bieten. Ziel ist, die Preisträgerinnen und Preisträger mit dem höchstdotierten internationalen Forschungspreis des Landes langfristig für die Arbeit an deutschen Forschungseinrichtungen zu gewinnen.
Zur Person
Nicholas Taylor ist Professor an der Universität Kopenhagen, Dänemark. Als Postdoc forschte er in Basel und Lausanne in der Schweiz sowie in Madrid, Spanien, und Heidelberg, wo er 2011 am EMBL (European Molecular Biology Laboratory) in Molekularer Biologie promoviert wurde. Im Jahr 2021 wurde er zum EMBO Young Investigator ernannt und 2025 als Future Leader in Biophysics der IUPAB (International Union for Pure and Applied Biophysics) ausgezeichnet.