Kathrin Jager hat ihren Bachelorabschluss in "Wirtschaft und Recht" in der Tasche und will nun erstmal Praxiserfahrung sammeln.
Vermittler in Unternehmen: Betriebswirte mit juristischem Know-how
„Die Kombination aus Betriebswirtschaftslehre und Rechtswissenschaft gibt es als Fach nicht so oft an einer Universität“, sagt Kathrin Jager. „Am Anfang war mir zudem die Nähe zu meiner Heimatstadt Saarburg wichtig.“ Deshalb hat sie sich vor vier Jahren für den interdisziplinären Studiengang „Wirtschaft und Recht“ in Saarbrücken entschieden. Das Studium vermittelt sowohl wirtschaftswissenschaftliche Grundkenntnisse, insbesondere aus der Betriebswirtschaftslehre, als auch die wesentlichen juristischen Kenntnisse. „Inhaltlich entfallen mehr als die Hälfte der zu erbringenden Leistungspunkte auf den Bereich der Wirtschaft; daher ist der Studiengang der Wirtschaftswissenschaft zugeordnet“, sagt die 24-Jährige. In der Betriebswirtschaftslehre könne man je nach Interesse aus einem breiten Kursangebot auswählen: von Investition und Unternehmensfinanzierung über Controlling, Personalmanagement und Marketingmanagement bis hin zur Wirtschaftsinformatik. Auch in der Volkswirtschaftslehre stehen einige Module zur Auswahl. Dagegen müssen die Kurse zu den Methoden der Wirtschaftswissenschaft, also Mathematik, Statistik sowie Buchführung und Unternehmensrechnung, von allen Studentinnen und Studenten absolviert werden.
In der Rechtswissenschaft geht es insbesondere um Inhalte des Wirtschaftsrechts. Denn: „Im Gegensatz zum regulären Jura-Studium sind wir nicht am Staatsexamen ausgerichtet; deshalb brauchen wir uns beispielsweise nicht mit dem Strafrecht oder der Rechtsgeschichte auseinanderzusetzen“, erläutert Kathrin Jager. Zum Pflichtbereich gehören Lehrveranstaltungen wie Bürgerliches Vermögensrecht, Schuldrecht, Öffentliches Recht für Wirtschaftswissenschaftler, Handelsrecht, Gesellschaftsrecht für Wirtschaftswissenschaftler oder Arbeitsrecht.
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Durch die 'Zwischenstellung des Fachs' kennt man viele Leute und ist auch vom Netzwerk her breit aufgestellt.
Kathrin Jager
In den Vorlesungen saß Kathrin Jager meistens gemeinsam mit „echten“ Juristen oder Wirtschaftswissenschaftlern. „Dadurch kennt man viele Leute und ist auch vom Netzwerk her breit aufgestellt, nicht nur fachlich – das weiß ich sehr zu schätzen“, sagt die Absolventin. Allerdings ist ihr die „Zwischenstellung des Fachs“ anfangs schwergefallen. „Da hätte ich mir eine bessere Betreuung gewünscht.“ Erst nach und nach sei sie auf Angebote aufmerksam geworden, mit denen sie in ihrem Studiengang unterstützt wurde. „Manchmal war es auch schwierig, ein eigenes Standing zwischen den beiden ‚großen‘ Disziplinen zu bekommen“, berichtet sie. Der Vorteil: „Das kann man auch als ideale Vorbereitung auf die berufliche Praxis sehen, denn auch im Unternehmen ist man Vermittler zwischen Volljuristen und Betriebswirten.“
Etwas schade findet es Kathrin Jager, dass im Studiengang keine Fremdsprache verpflichtend ist. Sie hat freiwillig Englisch- und Italienischkurse im Sprachenzentrum der Universität belegt. Ab einem bestimmten Sprachniveau können die so erworbenen Punkte im Wahlbereich eingebracht werden. Um einen Einblick in die Berufspraxis zu bekommen, hat Kathrin Jager zudem ein Praktikum in einer Steuerberatungskanzlei absolviert.
Inzwischen hat sie auch ihr besonderes fachliches Interesse entdeckt, nicht zuletzt durch ihre Bachelorarbeit über den Einsatz digitaler Tools im Gesundheitsmanagement: „Mein Interesse gilt dem Arbeitsrecht in Verbindung mit Personalmanagement – so kann ich beide Studiengangs-Disziplinen verknüpfen. Das ist für mich auch eine Bestätigung, dass ich die richtige Studienwahl getroffen habe“, freut sich die Bachelor-Absolventin. Ihr Wissen will sie auf jeden Fall in einem Masterstudiengang vertiefen – doch wo und in welchem Fach genau, will sie erst nach ihrem nächsten Praktikum entscheiden, das am 1. August beginnt. Dann wird sie für drei Monate im Personalmanagement einer Unternehmungsberatung in Münster arbeiten.
Auf ihre Saarbrücker Zeit schaut die Absolventin gerne zurück: „Ich habe das Leben auf dem Campus genossen“, erzählt sie. Für alle Interessen gebe es hier eigene Gruppierungen, und man könne sich auch sozial engagieren: Als Mentorin hat sie im fünften Semester „Neulingen“ mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Sich selber hat sie mit Schlüsselkompetenz-Kursen im Zentrum für Lebenslanges Lernen weiterqualifiziert, und auch beim Hochschulsport hat sie mitgemacht. „Ich fand die Uni cool“, meint Kathrin Jager.
Weitere Infos zum Bachelorstudiengang „Wirtschaft und Recht“ unter:
www.uni-saarland.de/studium/angebot/bachelor/wirtschaftrecht.html
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