Wolfgang Niesen nutzt viele Veranstaltungen, die die Universität für Gasthörer im Angebot hat. Foto: Thorsten Mohr

Gasthörerstudium

Wie der Sohn, so der Vater

Nach seinem Studium sagte sein Sohn zu ihm: „Und jetzt, Papa, bist du an der Reihe.“ Warum nicht, dachte sich Wolfgang Niesen, und so schrieb sich der heute 60-Jährige ins Gasthörerstudium an der Saar-Uni ein. Seit 2015 besucht er nun Seminare und Vorlesungen, die ihn interessieren, von Mathematik über Philosophie bis zur Kunstgeschichte. Besonders die „Originale“-Reihe des Kunsthistorikers Bernhard Wehlen hat es ihm angetan. Niesen, freiberuflicher Fotograf, begleitet die Veranstaltungen, die sich der Kunst und Architektur im Saarland widmen, mit seiner Kamera.
Von Thorsten Mohr • 07.09.2017

Viele Zeitgenossen fürchten sich vor dem Älterwerden: Man kann sich nicht mehr so gut bewegen wie mit 25. Die Erkältung schickt einen länger auf die Bretter als früher. Und dass man im Restaurant einen „Seniorenteller“ bestellen kann, ohne dass der Kellner einen Ausweis sehen möchte, fassen die meisten auch nicht gerade als Kompliment auf.

Das Privileg des Alters ist ein anderes: Man kann machen, was man will. Nicht, was man muss. Dessen ist sich auch Wolfang Niesen bewusst. Der 60-Jährige besucht seit 2015 Gasthörer-Veranstaltungen an der Saar-Uni, auf die ihn sein Sohn aufmerksam gemacht hat. Denn als der vor einigen Jahren sein Studium an der Saar-Uni beendet hat, meinte er zu seinem Vater: „Und jetzt, Papa, bist du an der Reihe“, und machte ihn auf das Gasthörerstudium an der Saar-Uni aufmerksam. In dessen Rahmen können Interessierte an Hunderten Lehrveranstaltungen der Saar-Uni teilnehmen.

 

 

Naturgemäß wird das Gasthörerstudium seit jeher von älteren Menschen besucht. Denn die haben Zeit, wie Wolfgang Niesen. Er ist mit 60 Jahren zwar noch jung für einen Gasthörer, in seinem Lieblingskurs ist er sogar der jüngste. Aber als freiberuflicher Fotograf und Werbedesigner kann er sich seine Zeit sehr gut einteilen, und wenn er für ein paar Stunden in der Woche seinem Hobby an der Uni frönt, leidet sein Beruf nicht darunter.

Besonders angetan hat es ihm die Reihe „Originale“ des Kunsthistorikers Bernhard Wehlen, die sich um Kunstwerke im Saarland dreht. Während im Winter die Kurse eher theoretisch gehalten sind, machen sich die Kursteilnehmer im Sommer auf die Socken und besuchen Kunstwerke und architektonisch herausragende Bauten im ganzen Saarland vor Ort. „Die Winter-Kurse sind zwar nicht verpflichtend für die Ausflüge im Sommer“, sagt Wolfgang Niesen. „Aber ich mache immer beide Kurse. Denn wenn ich weiß, was auf mich zukommt, kann ich mich viel besser darauf einlassen und ich habe viel mehr davon“, erklärt er.

 

Ich betrachte es als großen Spaß, diese Veranstaltungen machen zu können. Ich lerne etwas, aber es soll auch nicht in zu viel Arbeit ausarten.

Wolfgang Niesen

 

Bei diesen Ausflügen zu saarländischen Kunst- und Kulturstätten sind viele Fotos und eine Broschürenreihe namens „Originale“ entstanden, etwa Band eins über die Kirche St. Mauritius in Alt-Saarbrücken, die von den Architekten Albert Dietz und Bernhard Grothe entworfen wurde. So ganz kann Wolfgang Niesen Hobby und Beruf dann doch nicht trennen. Aber ihm liegt vor allem an einem: „Ich betrachte es als großen Spaß, diese Veranstaltungen machen zu können. Ich lerne etwas, aber es soll auch nicht in zu viel Arbeit ausarten.“ Er sucht sich aus dem Angebot des Zentrums für lebenslanges Lernen der Saar-Uni raus, was zeitlich in seine Wochenplanung passt, und  belegt die Kurse dann nach Lust und Laune. Da ist mal eine philosophische Veranstaltung darunter, dann mal eine Vorlesung in Mathematik. „Da habe ich nach vier Wochen aber abgeschaltet. Ich kann dann ja ruhig sagen, dass ich das nicht verstehe, und was anderes machen. Die armen Studenten jedoch müssen das ja machen“, sagt er, während gutmütiger Spott aus seiner Stimme herauszuhören ist.

Denn das Gasthörerstudium ist vor allem eines: Spaß. Den hat Wolfgang Niesen sichtlich. Wie lange er Gasthörer-Kurse belegen will? „Ich sehe keine Grenze. Der älteste Gasthörer, den ich hier kenne, ist 84 Jahre alt, und der hat immer noch eine Menge Spaß“, sagt er. Bis dahin hat er ja noch fast ein Vierteljahrhundert Zeit, um alles Mögliche zu lernen. Nicht, weil er es muss. Weil er’s kann.

Hintergrund:
Das Gasthörer-Studium an der Saar-Uni steht jedem Interessenten zur Verfügung. Formale Hürden wie zum Beispiel Abitur gibt es nicht. Und auch, wenn das Gasthörer-Studium vor allem von älteren Menschen besucht wird, gibt es keine Bindung an eine Altersgrenze. Interessenten jeden Alters können die Kurse besuchen, und auch Leistungsnachweise wie Klausuren oder Hausarbeiten müssen die Gasthörer nicht erbringen. Die Teilnahme kostet von 76,30 Euro pro Semester (bis zwei Semesterwochenstunden) bis 141,30 Euro (sechs oder mehr Semesterwochenstunden).
Weitere Informationen auf den Webseiten des Zentrums für lebenslanges Lernen.