Thorsten Mohr

Achim Ohlmann findet heraus, wo an der Universität Energie und Wärme eingespart werden können.

Energiespar-Beauftragter

Weniger Licht? Nein, weniger Strom!

Goethes – umstrittene – letzte Worte „Mehr Licht!“ ergänzt Achim Ohlmann mit: „Ja, gerne, aber bitte weniger Strom!“ Denn Ohlmann beschäftigt sich seit vergangenem Jahr mit der Reduzierung von Strom und Wärme an der Saar-Uni. Der Energiespar-Beauftragte der Universität dreht mit der Arbeitsgruppe Energie an vielen kleinen Stellschrauben, um die immensen Kosten, die an einem so komplexen Gebilde wie einer Universität auflaufen, zu reduzieren. Mit ersten Ergebnissen.
Von Thorsten Mohr • 19.01.2017

Eine Prämie für den alten Schrotthaufen, um sich ein schönes, neues Gerät zu kaufen: Das gibt’s nur beim Autohändler? Mitnichten. Auch an der Universität des Saarlandes könnte es irgendwann heißen: „Gebt mir eure alten, dafür gibt’s 100 oder 200 Euro“. Aber es geht hier natürlich nicht um Autos. „In vielen Büroecken und Laboren an der Uni stehen alte Kühlschränke, die viel Strom verbrauchen. Eine Abwrackprämie  würde sich in kürzester Zeit bezahlt machen“, erklärt Achim Ohlmann und klickt auf eine Tabelle, die seine Kalkulation untermauert. Ein solches Angebot wird derzeit in der Arbeitsgruppe Energie diskutiert.

Der Mitarbeiter der Stabsstelle Strategisches Controlling ist Leiter dieser Arbeitsgruppe, die im Sommer 2015 gegründet wurde (Details im Infokasten rechts). Seitdem beschäftigen sich Achim Ohlmann und seine Kollegen mit einem effizienteren Umgang mit Strom und Wärme an der Saar-Uni. Die Experten haben in der Anfangszeit eine Prioritätenliste erstellt, die dokumentiert, wo in welchem Ausmaß gespart werden kann. „Schnell standen umsetzbare Maßnahmen mit geringem Investitionsbedarf im Programm, die sich auch entsprechend rasch amortisieren“, erklärt der Elektrotechnik-Ingenieur, der seit 1992 an der Universität arbeitet. Zwar war Ohlmann und seinen Kollegen zuvor schon klar, wo es in etwa Einsparpotenzial gibt. „Aber bisher gab es noch keinerlei Aufstellungen darüber, wieviel genau an welchen Stellen gespart werden kann“, erklärt Ohlmann. Das haben er und seine Mitstreiter im vergangenen Jahr nun angepackt.

Etwa ein Sechstel des Strom- und Wärmeverbrauchs könnte alleine über bewussteres Nutzerverhalten reduziert werden, erklärt der 55-Jährige. Das ist in etwa die Größenordnung, die auch Privathaushalte problemlos einsparen können. Umgerechnet auf die rund neun Millionen Euro für Strom und Fernwärme, die die Uni jedes Jahr zahlen muss, wären das also Einsparungen von  1,5 Millionen Euro. Ein dicker Batzen Geld, den man sich immer sparen kann, Spardebatte hin oder her. Einsparungen durch den Einsatz von verbesserter Technik oder energetischer Gebäudesanierung sind hier noch gar nicht berücksichtigt.

Aber dieses Geld spart sich natürlich nicht auf einen Schlag, was man in Achim Ohlmanns Büro sieht. Wenn er sich durch unzählige Excel-Tabellen und Diagramme klickt, die Energieverbräuche, Spitzenlasten, Wärmelieferungen, Wärmerückflüsse, Kosten-Nutzen-Kalkulationen und Sparszenarien darstellen, wird einem dies sehr klar vor Augen geführt.

 

 

Womit wieder die Kühlschränke ins Spiel kommen. „Wir könnten eine Art Abwrackprämie für Kühlschränke zahlen. Das hat an der Universität Braunschweig bereits gut funktioniert. Dort wurde das Angebot von Instituten und anderen Einrichtungen der Uni dankbar angenommen“, sagt Achim Ohlmann. So standen beispielsweise in einigen Bereichen drei Kühlschränke, von denen aber effektiv nur zwei gebraucht wurden. Und alte Kühlschränke für den Haushaltsgebrauch unterhalb Energieeffizienzklasse D sind wahre Energieschleudern. Für die Universität würde es sich lohnen, wenn sie Prämien an denjenigen zahlt, der die alten Stromfresser vom Netz nimmt oder gegen sparsame Neugeräte austauscht. „Rechnet man das Braunschweiger Kühlschrank-Projekt auf die Größe der Saar-Uni herunter, würde das bedeuten: Bei einer Ersparnis von einer Kilowattstunde (kWh) pro Tag und Gerät könnte man so viel Strom sparen, wie zwei bis drei Einfamilienhäuser im Jahr verbrauchen.“ Damit hätte sich die Aktion nach gut drei Jahren gerechnet. Keine lange Zeit, wenn man bedenkt, wie lange so ein Kühlschrank läuft.

Deutlich größeres Sparpotenzial hat die Beleuchtung auf dem Campus, die bereits zum Teil ausgetauscht ist. Eine der ersten Maßnahmen, die die Arbeitsgruppe Energie nach dem Abschluss der Planungsphase ab Anfang 2016 initiiert hat, war beispielsweise der Umbau der Leuchten im Landeskundlichen Lesesaal der Unibibliothek. Dort werden nun sparsame LED-Lampen eingesetzt statt der ursprünglich verbauten Halogenlampen. Ein weiterer Vorteil der LEDs hier: Durch ihre enorm hohe Lebensdauer müssen sie nicht so häufig ausgetauscht werden. Im Lesesaal bedeutet das, es muss viel seltener ein Hausmeister auf eine hohe Leiter steigen und umständlich Lampen wechseln. „Nach anderthalb Monaten hat sich diese Investition bereits gelohnt“, erklärt Achim Ohlmann.

Und so geht es weiter: In Sektor A, also allen Gebäuden, die den Buchstaben A in der Bezeichnung tragen, sind die alten Flurleuchten vorrangig in den Kellergeschossen auf LED umgerüstet worden. Fast 30.000 kWh Strom werden dadurch eingespart, macht – inklusive geringerer Instandhaltungskosten – 12.000 Euro mehr in der Kasse. Die Sektoren B, C und E stehen noch vor der Umrüstung. Einen großen Brocken wird der Austausch der Parkdeck-Beleuchtung zum Stromsparen beitragen, der kurz vor Weihnachten über die Bühne ging. Satte 60.000 kWh Strom pro Jahr werden dann in dem aus Sicherheitsgründen im dauerbeleuchteten Parkhaus weniger verbraucht, was nach derzeitiger Kalkulation etwa 18.000 Euro jährliche Kostenersparnis – und nebenbei auch 36 Tonnen weniger CO2-Ausstoß – bedeutet. Im Frühjahr 2018 wird sich auch diese Umstellung amortisiert haben.

 

Wir könnten rund 300.000 Euro pro Jahr sparen, wenn wir Rechner abends zentral gesteuert ausschalten könnten.

Achim Ohlmann

 

All diese schnellen Maßnahmen wirken aber wie beiläufige Handstreiche, wenn man sich die größeren Brocken anschaut, die noch für die entferntere Zukunft im Lastenheft von Ohlmann und seinen Kollegen stehen. Denn viele Mitarbeiter vergessen zum Beispiel, nach der Arbeit ihren Computer herunterzufahren. „Wir könnten hier zum Beispiel rund 300.000 Euro pro Jahr sparen, wenn wir solche Rechner abends zentral gesteuert ausschalten könnten“, gibt er zu bedenken. Wie man allerdings Computer automatisch zu einer bestimmten Uhrzeit herunterfahren kann, um unnötig laufende Rechner abzuschalten, ist gar nicht so einfach zu regeln. „Viele Computer müssen ja auch zu Forschungszwecken permanent laufen“, erläutert Achim Ohlmann. Es ist schwierig, diesen nützlichen Rechner von dem normalen Bürocomputer zu unterscheiden, dessen Benutzer einfach vergisst, ihn herunterzufahren. Dieses Problem gilt es erst zu lösen.

Aber natürlich ist das kein Grund für die Arbeitsgruppe Energie, die Waffen zu strecken. Gemeinsam mit dem IT-Zentrum tüfteln Ohlmann und seine Kollegen an einem Konzept, auch dieses dicke Brett zu bohren. Genauso im Hinblick auf die Fernwärme, wo das Sparpotenzial im hohen sechsstelligen Bereich jährlich liegen kann. Er gibt allerdings zu bedenken, dass, um solch ambitionierte Ziele zu erreichen, auch noch einiges in Technik und Manpower investiert werden muss.
„Energiemonitoring“ lautet Achim Ohlmann zufolge das Zauberwort für die Zukunft des Energiemanagements an der Saar-Uni: „Wenn die Universität genau weiß, wer wann wieviel Energie und Wärme verbraucht, den kann sie auch motivieren, sinnvoll zu sparen. Wenn er es schafft, weniger Energie zu verbrauchen, könnte man einem Nutzer zum Beispiel ein Teil der eingesparten Kosten auf sein Budget aufschlagen. Dann hätten alle was davon“, ist sich der 55-Jährige sicher.

Bis es soweit ist, wird es aber noch dauern. Daher ist er sich in einer weiteren Sache genauso sicher: „Bis ich in Rente gehe, ist hier locker, locker Arbeit für mich und die AG Energie“, sagt er lachend und klickt sich weiter zur nächsten Tabelle.

Hintergrund

Gestartet ist die Arbeitsgruppe Energie im August 2015. Sie soll Maßnahmen zur Energiekosten-Einsparung erarbeiten. Dabei stehen technische, organisatorische und verhaltenswirksame Aspekte im Mittelpunkt.

Die AG Energie besteht im Kernteam aus je einem Vertreter des Facility Managements, der Zentralen Beschaffung und Dienste, der Strategischen Bau- und Raumplanung sowie der Stabsstelle für Strategisches Controlling. Themenbezogen werden Experten auch aus anderen Bereichen hinzugezogen, zum Beispiel aus dem HIZ, dem Projekt EULE (https://idw-online.de/de/news504042) etc.

 

Tipps zum Energiesparen am Arbeitsplatz:

- Alle Geräte zum Feierabend, am Wochenende und bei längerer Abwesenheit über eine abschaltbare Steckerleiste vom Netz trennen.
- Powermanagement am PC einrichten und nutzen (in der Systemsteuerung).
- Licht beim Verlassen des Raums ausschalten.

Quellennachweis
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