Sieber

Der peruanische Student Angel Alfaro ist seit sechs Jahren bei der Fairtrade-Initiative an der Uni aktiv.

Faire Uni

Saar-Uni darf weiter den Titel „Fairtrade-University“ tragen

Die Saar-Universität darf sich weiter „Fairtrade-University“ nennen. Im Mai 2014 war sie als erste faire Uni Deutschlands ausgezeichnet worden, nun wurde sie bereits zum zweiten Mal „rezertifiziert“. Inzwischen gibt es in Deutschland 19 faire Universitäten, darunter die htw saar, die 2017 als zweite im Saarland ausgezeichnet wurde. An der Saar-Uni machen viele internationale Studenten bei der Initiative mit. Und es gibt erste Ansätze, das Fairtrade-Bewusstsein in der Lehre zu verankern.
Von Gerhild Sieber • 18.10.2018

„Das Bewusstsein für den fairen Handel stärken und den Konsum fairer Produkte auf dem Campus fördern – das sind die Ziele des Aktionsbündnisses ‚Faire Uni Saar‘“, erklärt Heike Savelkouls-Diener. Die Vertreterin des Studentenwerks im Saarland gehört zur Steuerungsgruppe des Bündnisses auf dem Campus und ist hier seit mehr als zehn Jahren in der Fairtrade-Initiative aktiv. Als erste „Fairtrade-University“ in Deutschland habe die Saar-Uni auch eine Vorreiterrolle übernommen, sagt sie. „Bei einem Großteil der neu hinzugekommenen Hochschulen waren wir beratend am Zertifizierungsprozess beteiligt, angefangen bei der HTW Saar.“

Faire Produkte wie Kaffee, Tee, Säfte oder Knabbereien und Schokolade sind inzwischen überall an der Saar-Uni präsent: Fast alle Cafés und Gaststätten bieten sie an, und auch im Uni-Markt sind etliche Produkte erhältlich. „Die Mensa kauft nur noch fair gehandelte Bananen, und auch Reis und Quinoa stammen meist aus fairem Handel“, berichtet Heike Savelkouls-Diener. Rund 15 Studentinnen und Studenten sind derzeit im Aktionsbündnis an der Uni aktiv; die meisten von ihnen kommen aus dem Ausland. Mehr als 200 sind bereits als „Botschafter des fairen Handels“ geschult worden. Sie besuchen die Lehrstühle und Einrichtungen und werben für den fairen Handel, indem sie das Angebot auf dem Campus vorstellen. Jede Woche organisieren sie einen Info- und Verkaufsstand im Mensa-Foyer, hin und wieder Aktionstage und Workshops. Ein großes Ereignis im vergangenen Jahr war die Ausrichtung der International Fair Trade Towns Conference auf dem Campus, bei der sich Akteure aus zahlreichen Ländern unter dem Motto „Fairtrade across Generations“ über die neusten Entwicklungen im fairen Handel ausgetauscht haben.

Fairer Handel ist eine wichtige Strategie zur Armutsbekämpfung in einer globalisierten Welt

Fleurance Laroppe, Leiterin der Fairtrade Initiative Saarbrücken

„Bis dahin war es ein langer Weg“, kommentiert die ehemalige Uni-Mitarbeiterin Fleurance Laroppe. „An der Uni begonnen haben wir 2002 mit einem Stand im Mensa-Foyer einmal in der Woche.“ Insbesondere durch die Mitarbeit zahlreicher Studenten aus dem „Globalen Süden“ habe man die Aktivitäten immer weiter ausbauen und sich mit vielen Akteuren vernetzen können. Fleurance Laroppe hat mehrere Jahre in Zentralamerika gelebt und ist seither entwicklungspolitisch engagiert. Auf dem Campus war sie von Anfang an die treibende Kraft der Initiative; aktuell leitet sie die Fairtrade Initiative der Stadt Saarbrücken. „Fairer Handel ist eine wichtige Strategie zur Armutsbekämpfung in einer globalisierten Welt“, ist Laroppe überzeugt. Denn: „Zu den Kriterien des fairen Handels gehört, dass die Produzenten einen Mindestpreis bekommen, von dem sie leben und ihre Kinder in die Schule schicken können.“ Dass dieses Thema unbedingt in eine Uni gehört, steht für sie außer Frage: „Aufklärung bei denjenigen, die morgen unsere Welt gestalten, ist das erste Gebot – und da spielen die Hochschulen als Bildungsstätten eine große Rolle.“

Das Programm ziehe sogar Kreise bis in die Heimatländer der studentischen Botschafter, berichtet Heike Savelkouls-Diener. Beispielsweise bis nach Peru, Kenia und Burkina Faso. Dafür hat auch der aus Peru stammende Student Angel Alfaro gesorgt. Seit sechs Jahren ist er bei der Initiative auf dem Campus dabei. Erst an der Saar-Uni sei er mit dem Fairtrade-Gedanken in Berührung gekommen, erzählt er. Anfangs habe ihn einfach „die positive Energie der Gruppe für eine gute Sache“ in ihren Bann gezogen; später hat er selber Interessierte darüber informiert, wie fairer Handel funktioniert und warum er wichtig ist. Sein Erfahrungshintergrund war ein ganz anderer gewesen: „In Peru habe ich Betriebswirtschaftslehre studiert und gelernt, dass viele Konzerne einfach nur Gewinn machen wollen – und zwar um jeden Preis“, sagt Angel Alfaro.  

Faire Initiativen sind in Peru auf Bestellungen aus Europa angewiesen; in Peru selber gibt es noch keine Nachfrage

Angel Alfaro aus Peru

Vor zwei Jahren machte der Student den fairen Handel zum Thema eines Praktikums in seinem Heimatland. Über die Initiative „CLAC“, ein Netzwerk für kleine Fair-Trade-Produzenten in Lateinamerika, nahm er bereits im Vorfeld Kontakte zu Unternehmen in Peru auf und besuchte diese dann vor Ort. Beispielsweise ein Textil-Unternehmen mit Schmuckfabrik in der Hauptstadt Lima und eine Kaffeeplantage. Generell hat er erfahren: „Faire Initiativen sind in Peru auf Bestellungen aus Europa angewiesen; in Peru selber gibt es noch keine Nachfrage.“ Um Bewusstsein für die Idee des fairen Handels zu schaffen, hat der Student während seines Praktikums zwei peruanische Universitäten besucht und Vorträge vor Unileitung, Mitarbeitern und Studenten gehalten. Mit Erfolg: „Die Universidad Nacional de Piura hat inzwischen erste Schritte gemacht, um sich zu zertifizieren“, berichtet Angel Alfaro stolz.

Schön wäre es, wenn Themen des fairen Handels auch in die universitäre Lehre einbezogen würden

Heike Savelkouls-Diener vom Studentenwerk im Saarland

Und wie geht es an der Saar-Uni weiter? – „Schön wäre es, wenn Themen des fairen Handels auch in die universitäre Lehre einbezogen würden“, sagt Savelkouls-Diener vom Studentenwerk. Kontakte zu einzelnen Dozenten gibt es schon. So hat die Dozentin Line Perrin im Fach interkulturelle Kommunikation mit ihren Masterstudenten Projektthemen mit Bezug zu Nachhaltigkeit und fairem Handel entwickelt – „Ideen, die man in einem weiteren Schritt auch mit Partnern im frankophonen Afrika weiterentwickeln könnte“, sagt sie. Die Frage nach der Ethik sei für die Lehre enorm wichtig: „Wir sind in den Geisteswissenschaften tätig, und gerade im interkulturellen Bereich müssen wir uns fragen, welche Art von Beziehungen wir mit anderen haben wollen und wie wir uns beispielsweise auf sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Ebene positionieren.“ Die Studenten seien in dieser Hinsicht sehr sensibel. „Und da sie später oft als Mittler zwischen verschiedenen Kulturen arbeiten, wollen und müssen sie Stellung beziehen.“

Im Mai 2018 wurde in Berlin im Rahmen der Jahrespressekonferenz von Fairtrade Deutschland die Studie „Auswirkungen des Fairen Handels auf die Armutsbekämpfung durch ländliche Entwicklung“ vorgestellt, die das Centrum für Evaluation der Saar-Uni (Ceval) erarbeitet hat. Dabei seien nicht nur die ökonomischen Folgen von Projekten des fairen Handels untersucht worden, sondern auch soziale Aspekte wie Erziehung und Gesundheit, Ernährungssicherheit oder Ressourcenmanagement, sagt Dr. Stefan Silvestrini vom Ceval, der die Studie geleitet hat. Festgestellt wurden beispielsweise ein größeres Bewusstsein für Umweltfragen in den Kooperativen, eine Stärkung der sozialen Teilhabe der Beschäftigten sowie positive Effekte bei den Einkommen. Allerdings sei es notwendig, die Initiativen kontinuierlich zu unterstützen.  

Link zur Studie

 

Fairtrade Initiative der Universität

Zum Aktionsbündnis „Faire Uni Saar“ hatten sich 2011 Akteure der Fairtrade Initiative Saarbrücken (FIS) und der Universität des Saarlandes zusammengeschlossen. Nachdem eine Steuerungsgruppe gebildet worden war und die führenden Universitätsgremien einen formellen Beschluss unterzeichnet hatten, reichte das Aktionsbündnis 2014 eine Initiativ-Bewerbung bei Fairtrade Deutschland ein. Als erste Hochschule in Deutschland erhielt die Saar-Uni das Siegel „Fairtrade University“; es muss alle zwei Jahre neu beantragt werden.
 
Mitglieder der Steuerungsgruppe sind das Studentenwerk im Saarland e.V., die Evangelische Studentengemeinde (ESG), die Katholische Hochschulgemeinde (KHG), der AStA und die Fairtrade Initiative Saarbrücken/Saarland (FIS).

Die Steuerungsgruppe trifft sich regelmäßig im Café der Katholischen Hochschulgemeinde auf dem Campus, um zu beraten, welche Aktionen anstehen. Vertreterinnen und Vertreter informieren hier während der Vorlesungszeit jeweils am letzten Freitag im Monat um 12 Uhr über die Arbeit der Fairen Uni Saar. Hierzu sind alle Interessierten eingeladen.

http://faire-uni-saar.de/

Mit dem Titel „Faire Kita“ wird außerdem am 31. Oktober 2018 die Kindertagesstätte für Studierende im Mensa-Gebäude ausgezeichnet, die vom Studentenwerk betrieben wird.  

 

Quellennachweis
  • Bilder
    Sieber

    Fairtrade Initiative der Universität