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Lina Dacharry (links) im Büro des ZiS mit ihren Kollegen Pascal Ahiagble und Carla Jung.

Ehrung durch den Bundespräsidenten

Lina Dacharry setzt sich für internationale Studenten ein

Seit fünf Jahren engagiert sich die 22-jährige Studentin Lina Dacharry an der Saar-Uni für internationale Studentinnen und Studenten: Sie vermittelt Wohnungen, organisiert Freizeitaktivitäten und hilft den Studenten dabei, sich hier schnell zu integrieren. Dafür wurde sie – neben vielen anderen Ehrenamtlichen – von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum diesjährigen Neujahrsempfang auf Schloss Bellevue eingeladen.
Von Gerhild Sieber • 20.03.2019

Lina Dacharry ist in einer deutsch-französischen Familie aufgewachsen: „Mein Vater ist Franzose, meine Mutter Deutsche“, erzählt die 22-Jährige, die die doppelte Staatsbürgerschaft besitzt. Interkulturalität begleitete sie damit von Kindesbeinen an. Nach dem Abitur entschied sich die Saarbrückerin für ein Freiwilliges Soziales Jahr am Zentrum für internationale Studierende der Universität, kurz ZiS genannt. „Das ZiS unterstützt Studierende aus aller Welt, sich an der Uni zurechtzufinden und Anschluss zu finden. Ich hatte schon damals den Wunsch, dabei zu helfen“, erklärt Lina Dacharry, die seit dieser Zeit zum Tutoren-Team gehört.

Die Studienwahl der jungen Frau war dann nur konsequent: Sie belegte das Fach „Französische Kulturwissenschaft und Interkulturelle Kommunikation“ und studiert inzwischen im siebten Semester. „Studium und ehrenamtliche Arbeit passen hier wunderbar zusammen“, freut sie sich. Neben ihrer Tätigkeit als Tutorin im ZiS arbeitet sie seit 2016 auch im „Housing Office“ – ein Projekt, das von der Universität, der htw saar und dem Studentenwerk ins Leben gerufen wurde: Immer vor Beginn des Wintersemesters, im September und Oktober, hilft das Housing Office neuen ausländischen Studenten dabei, eine Wohnung oder ein Zimmer zu finden. „Wir kontaktieren Vermieter, sind bei Wohnungsbesichtigungen dabei und übersetzen, beispielsweise auch den Mietvertrag“, sagt die Studentin.

Derzeit ist die 22-Jährige nicht im „Außendienst“, sondern koordiniert die Wohnungsvermittlung vom Büro an der Uni aus: Sobald sich wohnungssuchende Studenten auf der Datenbank im Netz angemeldet haben, sucht sie nach passenden Wohnungsangeboten und ruft bei Vermietern an. „Manchmal sagen die Wohnungseigentümer, sie möchten jemanden, der Deutsch oder Englisch spricht, andere wollen lieber an Frauen vermieten“, erzählt sie. Ab und zu müsse man Neuankömmlinge vorübergehend in einem Jugendherbergszimmer unterbringen.  

Beim Stammtisch geht es darum, Deutsch zu üben und Leute zu treffen

Lina Dacharry

Im ZiS ist Lina Dacharry Ansprechpartnerin bei allen wichtigen Fragen. Zudem organisiert sie Freizeitaktivitäten. „Wir gehen beispielsweise gemeinsam in ‚Unifilm‘, ins Schwimmbad oder treffen uns zu einem gemütlichen Abend“, erzählt sie. Beliebt sind auch Tagesausflüge. Im Dezember vergangenen Jahres organisierte sie gemeinsam mit einem Tutor-Kollegen eine Exkursion zum Weihnachtsmarkt nach Colmar. „Am Ende haben 120 Leute teilgenommen, und wir brauchten zwei Busse.“ Außerdem mussten nicht nur Stadtführungen gebucht werden, sondern auch ein Restaurant gefunden werden, in dem alle Platz fanden – „eine echte Herausforderung.“

Bei den „Länderabenden“ des ZiS haben internationale Studenten die Möglichkeit, ihr Land vorzustellen. „Ein ‚Mega-Event‘ mit über 500 Gästen war der China-Länderabend im Januar. Es gab beispielsweise ein chinesisches Theaterstück, und es wurde chinesisch gesungen und gerappt“, erzählt Lina Dacharry. Eine weitere Gelegenheit zum Austausch hat sie erst kürzlich initiiert: Das „Deutsch-Café um 5“, das jeden dritten Dienstag im Café der Katholischen Hochschulgemeinde stattfindet. Zum Stammtisch ist jeder eingeladen; es gibt ein kostenloses Stück Kuchen und Kaffee. Rund 25 Studenten seien beim ersten Mal dabei gewesen, darunter auch viele deutsche Studenten, die im ZiS aktiv sind. „Beim Stammtisch geht es darum, Deutsch zu üben und Leute zu treffen“, berichtet die Studentin. „Das alles macht mir viel Spaß.  Es ist faszinierend mitzuerleben, dass die Studenten hier heimisch werden und sich wohlfühlen. Viele von ihnen engagieren sich dann wiederum für die Neuen nach ihnen.“

Ehrung durch den Bundespräsidenten

Für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement wurde Lina Dacharry im Januar zum Neujahrsempfang von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach Berlin eingeladen. „Das International Office der Uni hatte mich vorgeschlagen. Doch als die Einladung dann wirklich ankam, war das schon eine Überraschung“, erinnert sich die junge Studentin. Am Vorabend des Empfangs wurden die rund 70 Gäste durch den Protokollchef von Schloss Bellevue auf das große Ereignis vorbereitet. „Jeder wird einzeln aufgerufen und geht in den Raum, in dem der Bundespräsident alle Gäste begrüßt.“ Herr Steinmeier habe sich nach ihren Aktivitäten an der Universität erkundigt und gefragt, wie viele internationale Studenten die Uni habe, sagt Lina Dacharry. Nach einer Ansprache des Bundespräsidenten gab es ein gemeinsames Mittagessen, bevor die drei saarländischen Gäste zu einer Stippvisite in die Berliner Landesvertretung des Saarlandes eingeladen waren. Nach dem offiziellen Programm habe sie die Gelegenheit ergriffen und zwei ehemalige Erasmus-Studenten der Saar-Uni besucht, die jetzt in Berlin wohnen. „Es ist schon toll, wie viele internationale Kontakte man durch die Arbeit im ZiS und durch das Studium knüpfen kann“, resümiert sie.

Einladung ins Schloss Bellevue

Zum Empfang beim Bundespräsidenten war neben Lina Dacharry auch Junior-Professor Moritz Weber von der Universität des Saarlandes eingeladen. Er hat mathematische Auffrischungskurse für Flüchtlinge konzipiert, damit sie besser für den Eingangstest an der Saar-Uni gewappnet sind [mehr].

Zentrum für internationale Studierende

Das ZiS ist im Campus Center der Universität des Saarlandes untergebracht (Gebäude A4 4).
Weitere Infos: https://www.uni-saarland.de/global/welcome-center/interkulturelles-angebot/zis.html

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