Titelfoto: Oliver Dietze

Die Professorinnen Julia Knopf (l.) und Silke Ladel (r.) organisieren die Veranstaltung "Digitale Bildung für alle".

Digitale Bildung

„Die virtuelle Welt wird die reale dort erweitern, wo sie uns einschränkt“

Wie nutzen Kinder, Jugendliche und Erwachsene digitale Medien sinnvoll? Was bringen Smartphone, Tablet und Co. im Unterricht oder in der Weiterbildung? Um Fragen wie diese geht es bei „Digitale Bildung für alle!“ am 16. November auf dem Campus: Begleitend zum Nationalen IT-Gipfel bietet der Kongress für Besucher jeden Alters ein großes Programm. Die Professorinnen Julia Knopf und Silke Ladel organisieren die Veranstaltung – und verraten im Interview, warum es sich lohnt, vorbeizukommen.
Von Claudia Ehrlich • 27.09.2016

campus: Frau Professor Knopf, Frau Professor Ladel, Sie beide organisieren die Veranstaltung „Digitale Bildung für alle!“ im Begleitprogramm des Nationalen IT-Gipfels. Das Thema wird aktuell kontrovers diskutiert. Während die einen mahnen, dass wir die digitale Bildungsrevolution verschlafen, fürchten die anderen, dass das Lernen verlernt wird und würden den Computer am liebsten aus Schule und Kindergarten verbannen. Wer hat denn Recht?

Julia Knopf: Viele Eltern und Lehrer fürchten sich in der Tat davor, digitale Medien in der Bildung, im Unterricht, beim Lernen und Lehren einzusetzen und zu nutzen. Diese Angst entsteht zum Großteil durch fehlende Information und Erfahrung, etwa was Datenschutz und Sicherheit angeht. Auch ist zu wenig bekannt über gute und sinnvolle Möglichkeiten, die digitale Medien bieten. Die vielen Negativbeispiele der vergangenen Zeit haben die Angst noch geschürt. Dass digitale Medien im Bildungsbereich weitgehend ignoriert wurden, hat auch seinen Teil beigetragen. Aber – auch wenn die Angst nachvollziehbar ist: Sie ist unbegründet!

Also wird das Lernen in der Lebens- und Arbeitswelt von morgen virtuell sein? Wo sehen Sie hier Chancen und Grenzen?

Silke Ladel: Die Lebens- und Arbeitswelt von morgen wird eine Mischung aus virtuell und physisch sein. Und genau darin liegt die Chance der digitalen Medien. Die virtuelle Welt wird die reale Welt ergänzen und in den Bereichen erweitern, wo diese uns einschränkt. So können beispielsweise Simulationen Lernprozesse unterstützen.

Portrait Ladel: privat

Die Lebens- und Arbeitswelt von morgen wird eine Mischung aus virtuell und physisch sein

Professor Silke Ladel

Was können die digitalen Technologien in der Bildung heute leisten – und was nicht?

Julia Knopf: Sinnvoll genutzt können digitale Medien Bildungsprozesse nachhaltig unterstützen und fördern und sie können auch die Art und Weise zu unterrichten weiterentwickeln. Entscheidend ist dabei, wie sie genutzt und eingesetzt werden. Es ist wichtig, hier zu forschen und wissenschaftlich fundierte Lehrkonzepte zu entwickeln, die den Lehrkräften zugleich die Sicherheit geben, die neuen Technologien im Unterricht sinnvoll einzusetzen. Was digitale Medien nicht können: Sie können – und sollen – keine Lehrkräfte ersetzen.

Silke Ladel: Ja, das ist ganz zentral. Die Lehrerinnen und Lehrer sind im Gegenteil von entscheidender Bedeutung. Grundlage sind nach wie vor ihre fachlichen und fachdidaktischen Kompetenzen. Neu hinzu kommen für Lehrer mediendidaktische Kompetenzen und das Wissen darüber, wie die digitalen Medien in den Fächern konkret genutzt und eingesetzt werden können. Digitale Bildung ist dabei nicht darauf begrenzt, neue Technologien einfach nur einzusetzen und zu nutzen. Es geht vielmehr auch um die Arbeits- und Denkweise, an Probleme heranzugehen und diese zu lösen und ein Stück weit auch um Informatik-Kenntnisse.

Ganz anders als die Schüler, die gegenüber den neuen Medien keinerlei Berührungsängste zu kennen scheinen, ist bei vielen Lehrern eine gewisse Grundskepsis vorhanden…

Silke Ladel: Genau darum sollten Lehrer am 16. November an die Uni kommen! Um die zwar nachvollziehbare, aber vollkommen unbegründete Skepsis aus dem Weg zu räumen und den digitalen Medien die Chance zu geben, Bildungsprozesse zu unterstützen. „Digitale Bildung für alle!“ bietet allen Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit, sich über die Chancen digitaler Medien im Bildungsbereich zu informieren und Berührungsängste zu verlieren.

Portrait Knopf: Manuel Schlüter

Sinnvoll genutzt können digitale Medien Bildungsprozesse nachhaltig unterstützen und fördern

Professor Julia Knopf

Die Veranstaltung macht gezielt digitale Bildung über die komplette Lebensspanne hinweg zum Thema, spricht kleine und große Besucherinnen und Besucher vom Kindergarten- bis zum Seniorenalter an. Was bringen die digitalen Techniken für Vorschulkinder? Ist das nicht zu früh angesetzt?

Julia Knopf: Kinder kommen heute bereits in einem sehr frühen Alter zu Hause in Kontakt mit digitalen Medien. Sie wachsen in einer zunehmend digitalen Welt auf. Die Eltern sind aber bei der Auswahl guter Nutzungsmöglichkeiten meist allein gelassen. Um frühzeitig einem möglichen Missbrauch digitaler Medien entgegenzuwirken, ist es sehr wichtig, hier sinnvolle Möglichkeiten aufzuzeigen. Schon Vorschulkinder müssen die breite Vielfalt an Spiel- und Lerngelegenheiten erfahren und lernen, wie man digitale Medien sinnvoll nutzt.

Und wie sehen Sie die Rolle digitaler Medien beim lebenslangen Lernen?

Silke Ladel: Digitale Medien bieten Bildungsmöglichkeiten für Menschen jeglichen Alters und in sämtlichen Lebensbereichen. Genau das zeigt unsere Ausstellung. Und dabei kann jeder selbst entscheiden, was er von diesen Angeboten nutzen möchte. Insbesondere auch für ältere Menschen bieten digitale Medien vielfältige Chancen, wenn sie zum Beispiel mit ihren Enkeln kommunizieren möchten oder aufgrund eingeschränkter Mobilität mittels digitaler Medien Zugang zu Informationen erhalten.

Was wird am 16. November geboten? Was sind für Sie die Highlights?

Julia Knopf: Eines unserer Highlights ist unsere Ausstellung, zu der sich rund 60 Aussteller aus ganz unterschiedlichen Bereichen angemeldet haben. Hier können die Besucherinnen und Besucher ganz unverbindlich digitale Medien ausprobieren und sich selbst ein Bild über den Nutzen machen. Für jede Zielgruppe sind spannende Angebote dabei. Für ältere Schüler und Erwachsene etwa sind die von uns organisierten Vorträge und Podiumsdiskussionen mit hochrangigen Experten interessant. Diese beleuchten die Bereiche Unternehmen, Politik, Schule und Hochschule in Bezug auf Digitalisierung. Das Publikum ist zum Mitdiskutieren eingeladen. Und für Lehrer, die mit ihren Schulklassen kommen, gibt es Workshops, das digitale Klassenzimmer und die Digitale Schnitzeljagd.

Silke Ladel: Der Besuch lohnt sich auch für Unternehmen. Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt rasant. Stichwort Weiterbildung: Viele Aussteller zeigen Beispiele, wie Unternehmen hier neue Technologien einsetzen können. Auch Vorträge widmen sich gezielt diesem Thema. Auf einem der – übrigens hochkarätig besetzten – Podien wird „Der Preis der Digitalisierung. Unternehmen im Spannungsfeld zwischen Markt und Moral.“ diskutiert.

Verraten Sie abschließend, was sich hinter der „Digitalen Schnitzeljagd“ verbirgt, die am 16. November angeboten wird?

Julia Knopf: Unter dem Motto „Bildung für alle! Gewinne für die Besten!“ bieten wir eine digitale Schnitzeljagd an. Die Besucher können eine App installieren und mit dieser durchlaufen sie auf der Veranstaltung dann unterschiedliche, auf ihre Altersgruppe abgestimmte Touren. Dabei besuchen sie zum Beispiel verschiedene Ausstellerstände und lösen dort Aufgaben. Wir sind gespannt, wer es schafft, alle Aufgaben zu lösen und das Ergebnis in der App zu dokumentieren. Auf die Sieger warten tolle Preise.

Julia Knopf ist Professorin für Fachdidaktik Deutsch Primarstufe an der Universität des Saarlandes, Silke Ladel Professorin für Mathematikdidaktik Primarstufe. Beide forschen in verschiedenen Projekten an digitalen Medien für den Schulunterricht. Im Projekt „Digitales Lehren und Lernen im Saarland“ (DiLLiS), das von der Staatskanzlei finanziell gefördert wird, entwickeln und erproben die Wissenschaftlerinnen gemeinsam mit saarländischen Schulen fachdidaktische Konzepte, die aufzeigen, wie die digitalen Medien sinnvoll und gewinnbringend im Grundschulunterricht eingesetzt werden können.

Foto Gebäude E2 2: Iris Maurer

Die Veranstaltung ist Teil der IT-Touren, die die saarländische Staatskanzlei im Rahmen des Nationalen IT-Gipfels organisiert.

Die Besucher können am 16. November von 9 bis 17 Uhr rund um Gebäude E2 2 in digitale Erlebniswelten eintauchen, auf einem „Markt der Möglichkeiten“ neue Trends wie „Virtual-Reality“- oder Daten-Brillen ausprobieren, sich in einem der vielen Vorträge und Workshops auf Stand bringen und bei hochkarätig besetzten Podiumsdiskussionen pro und kontra mitdiskutieren. Wie es sich in einem digitalen Klassenzimmer lehrt und lernt, kann ebenso getestet werden wie digitale Trainingssysteme für die Aus- und Weiterbildung.

Im Begleitprogramm der saarländischen Landesregierung zum Nationalen IT-Gipfel veranstaltet die Universität des Saarlandes den Tag der „Digitalen Bildung für alle“ in Kooperation mit der BDA/BDI-Initiative MINT Zukunft schaffen e.V., dem Nationalen MINT-Forum, der Staatskanzlei sowie dem Ministerium für Bildung und Kultur.

Programm: https://digitale-bildung-fuer-alle.de/

 

Der Nationale IT-Gipfel kommt im November nach Saarbrücken. Zentrales Thema ist „Digitalisierung und Bildung“. Vor diesem Hintergrund findet am 16. November der „Tag der Digitalen Bildung für alle“ an der Saar-Universität statt, bei dem sich Interessierte jeden Alters über digitale Bildung informieren, neue Technologien ausprobieren und das Für und Wider mitdiskutieren können. Auf dem Saarbrücker Campus dreht sich von 9 bis 17 Uhr alles um digitales Lehren und Lernen – um Möglichkeiten und Chancen, aber auch um Risiken und Grenzen.

Quellennachweis
  • Bilder
    Titelfoto: Oliver Dietze

    Foto Gebäude E2 2: Iris Maurer

    Portrait Ladel: privat

    Portrait Knopf: Manuel Schlüter