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Auszeichnung

BWL-Studentin aus Kamerun gewinnt DAAD-Preis

Bejard Simeu Noupa möchte der Jugend Afrikas vermitteln, dass es sich lohnt, Bildungschancen zu ergreifen. Für ihr soziales Engagement in Kamerun und Deutschland sowie für ihre guten Studienleistungen ist die BWL-Studentin an der Saar-Uni mit dem Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) ausgezeichnet worden.
Von Gerhild Sieber • 07.01.2016

Die junge Kamerunerin hat sich eine gewaltige Lebensaufgabe gestellt: „Ich will der afrikanischen Jugend beibringen, nicht alles fatalistisch hinzunehmen, sondern Chancen zu ergreifen“, sagt die 26-Jährige, die in der Stadt Dschang geboren wurde und in der Hauptstadt Jaunde aufgewachsen ist. Sich selber sieht sie als bestes Beispiel dafür an, dass es gelingen kann, wenn man sein Schicksal in die eigenen Hände nimmt – und erzählt ihre Geschichte: „Meine Familie gehört der sozialen Mittelschicht an. Meine Eltern haben mir und meinen drei Geschwistern immer vermittelt, wie wichtig Werte wie Bildung, Ehrgeiz und Entschlossenheit sind; außerdem haben sie uns ein solides christliches Fundament mitgegeben.“ Sie habe miterlebt, dass viele ihrer Altersgenossen das Interesse an Bildung verloren hätten. „Ich fand das schade und habe schon als Kind beschlossen, es anders zu machen und ein Vorbild zu sein.“

Ein Schlüsselerlebnis aus ihrer Kindheit war ein Besuch des Abendgottesdienstes in der Apostolischen Kirche: Sie sei sieben Jahre alt gewesen und habe mit ihrem Vater ganz hinten in der Kirche gestanden. Bei der Frage, ob jemand vorsingen wolle, habe sie sich gemeldet und zum ersten Mal in der Kirche gesungen. Alle hätten die Köpfe gereckt, denn niemand kannte die Stimme. Danach wurde sie sofort Mitglied im Gospelchor der Gemeinde, der sich einer sehr traditionellen Musik verschrieben hatte  – und übernahm mit 15 Jahren die Chorleitung. „Musik ist das beste Mittel, um mit den Leuten in Kontakt zu kommen“, hat sie seither festgestellt. Außerdem arbeitete sie im Vorstand der Jugendgruppe der Gemeinde mit, veranstaltete Bibelstunden und organisierte Gespräche und Diskussionsrunden über Themen, die Jugendliche interessieren, beispielsweise über Sexualität. Dazu kamen Kampagnen in der Öffentlichkeit für eine gute Schulausbildung.

Porträtfoto: privat

Musik ist das beste Mittel, um mit den Leuten in Kontakt zu kommen

2007 legte Bejard Simeu Noupa ihr Abitur ab und beschloss, in Deutschland zu studieren. Acht Monate lang besuchte sie Deutschkurse im Goethe-Institut in Jaunde. Nachdem sie ihr Visum für Deutschland erhalten hatte, landete sie im Januar 2009 in Düsseldorf und lebte für ein paar Monate bei ihrer Tante in Aachen. „An der RWTH Aachen habe ich die Vorbereitungskurse besucht und im Juli die Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang abgelegt“, erzählt sie. Im September begann sie dann mit dem BWL-Studium an der Universität Mannheim. „Am Anfang war das sehr hart, ich habe nichts mitbekommen; nur wenn zum Schluss alle klatschten, wusste ich, dass die Vorlesung zu Ende war.“ Doch die junge Frau gab nicht auf: Mit einem „Sonderstudienplan“ konnte sie einige englische Fächer vorziehen und ihr Bachelorstudium auf insgesamt vier Jahre verteilen – einschließlich eines Auslandssemesters in Luxemburg.

„Im Masterstudium wollte ich dann etwas mit Informationssystemen zu tun haben und habe mich in Saarbrücken beworben“, sagt sie. Seit Oktober 2013 studiert sie hier im Masterstudiengang BWL mit dem Schwerpunkt Informationsmanagement. 2016 will sie es abschließen. BWL-Professor Stefan Strohmeier bescheinigt ihr „hervorragende Leistungen als Studentin ebenso wie als studentische Hilfskraft“ an seinem Lehrstuhl. „Als Betriebswirtin an der Schnittstelle zur Informatik befasse ich mich mit Informationssystemen zur Sammlung und Auswertung von Unternehmensdaten, die unter anderem dazu dienen, künftige Unternehmensstrategien zu erarbeiten.“ Derzeit schreibt sie ihre Masterarbeit in einem Saarbrücker Unternehmen.

Seit ihrer Ankunft im Saarland 2013 hat Bejard Simeu Noupa endlich wieder Zeit für soziale Aktivitäten und engagiert sich seither in der Fairtrade Initiative Saarbrücken. „Ich bin eingestiegen, als wir kurz davor standen, erste faire Uni Deutschlands zu werden“, erzählt sie. Außerdem arbeitet sie als Vorstandsmitglied bei STUBE, dem „Studienbegleitprogramm für Studierende aus Asien, Afrika und Lateinamerika“. In Saarbrücken ist das Programm der evangelischen und katholischen Kirchen als Lokalkomitee bei der Evangelischen Studierendengemeinde vertreten. „Wir organisieren Abendveranstaltungen, beispielsweise über die Globalisierung und ihre Folgen oder über Flüchtlinge im Saarland, und laden hierfür Referenten ein“, sagt die Studentin. Sie selbst hält demnächst einen Vortrag über fairen Handel.

2014 hat sie an einer Schule in Kamerun, die auch Kinder aus armen Familien unterrichtet, ein zweimonatiges Praktikum gemacht. Dabei hat sie nicht nur die Registrierung der Schüler und die Buchhaltung auf Vordermann gebracht, sondern gemeinsam mit dem Direktor auch eine Werbekampagne entwickelt, um Eltern vom Wert der Schulbildung für ihre Kinder zu überzeugen. „Eine Weile habe ich von morgens bis abends Leute abgeklappert und ihnen meine Geschichte erzählt – mit dem Ergebnis, dass sich die Zahl neuer Schüler verdreifachte“, berichtet sie. 

Wenn Bejard Simeu Noupa von ihren Zukunftsplänen erzählt, strahlt sie: „Ich möchte gerne einen philanthropischen afrikanischen Verein gründen, der Jugendlichen in Afrika Orientierung bietet.“ Denn die Misswirtschaft in Kamerun und in Afrika allgemein sei ein großes Hindernis für junge Leute. „Ich selber habe nach meinem BWL-Studium eine ganz neue Perspektive. Ich glaube daran, dass jeder weiter kommt, der verstanden hat, dass es Chancen gibt und man sie ergreifen kann.“

Foto Preisverleihung: Heiko Breitenstein

Die Preisträgerin gemeinsam mit ihren beiden Brüdern, die eigens zur Preisverleihung am 30. November 2015 an die Saar-Uni angereist sind: David Djampouop, Bejard Simeu und Gaius Siyapje (v.l.).
Der Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) ist mit 1000 Euro dotiert und wird jährlich an internationale Studenten deutscher Universitäten für besonders gute akademische Leistungen und außerordentliches gesellschaftliches oder interkulturelles Engagement vergeben.

Quellennachweis
  • Bilder
    Titelfoto: Gerhild Sieber

    Foto Preisverleihung: Heiko Breitenstein

    Porträtfoto: privat