Fotos: Ehrlich

José Cuida macht in seiner Masterarbeit aus dem Kleinstcomputer „Calliope mini“ ein Roboter-Fahrzeug.

Master-Studiengang

Wie Smartphone, Tablet & Co den Unterricht besser machen

Das Klassenzimmer soll digital werden. Smartboards sollen Tafel und Overhead-Folie ersetzen, Tablets Lernprozesse fördern. Aber wie nutzen Schüler die Technik wirklich sinnvoll? Wie setzen Lehrer sie mit System im Unterricht ein? Der Masterstudiengang Educational Technology an der Saar-Uni ist bundesweit eines der wenigen Studienangebote auf diesem Gebiet.
Von Claudia Ehrlich • 24.05.2018

„Mach das Ding aus!“ - Wenn Kinder mit ihrem Smartphone daddeln, sehen Eltern rot. Auch manch Lehrer kann den „Dingern“ wenig abgewinnen. Dabei kann das Smartphone durchaus sinnvoll beim Lernen helfen. Aber wie? Lehrer und Eltern sind hin- und hergerissen: Zwar wollen sie den Kindern Rüstzeug für die digitale Welt mitgeben, sehen aber auch Gefahren – und außerdem ist da der eigene Respekt vor Neuland. Mancher beschwört gar eine digitale Demenz herauf, die drohe. Was denn nun? „Forschung, Lehre und Weiterbildung“, ist die Antwort von Armin Weinberger. „In der Debatte um Medien werden oft einseitig nur die Gefahren gesehen. Die positiven Beispiele, wie Medien sinnvoll für den Wissenserwerb verwendet werden, finden zu wenig Beachtung“, betont der Professor für Bildungstechnologie und Wissensmanagement. Er lehrt an der Saar-Uni im Masterstudiengang Educational Technology. Hier lernen Studenten, wie Smartphone, Tablet & Co den Unterricht tatsächlich besser machen. „Um das zu erreichen, braucht es weit mehr als nur die Geräte“, sagt er.

Bild Weinberger: privat

In der Debatte um Medien werden oft einseitig nur die Gefahren gesehen. Die positiven Beispiele, wie Medien sinnvoll für den Wissenserwerb verwendet werden, finden zu wenig Beachtung.

Professor Armin Weinberger

Selbst wenn modernste Smartboards in der Klasse hängen und Tablets für jeden Schüler parat stehen - sie nur als Schreibwerkzeug oder Suchfunktion zu nutzen, reicht nicht. Mit den neuen Technologien lernt es sich anders. Der Unterricht verändert sich. Die Rolle des Lehrers ist eine völlig andere. Neue Lehr- und Lernkonzepte sind nötig. Und diese entwickelt und erforscht Weinberger mit seinem Team an der Saar-Uni. „Alle gut gemeinten Bildungstechnologien können nur wirklich fördern, wenn sie pädagogisch wie psychologisch fundiert sind. Nur so stoßen sie auch bei Lehrern, Eltern und Schülern auf Akzeptanz“, sagt er.

In den Kursen werden oft Projektarbeiten statt Klausuren angeboten. Man kann sehr praxisnah selbst Lehrvideos oder Bildungsspiele entwickeln.

Lena Bielz

Im viersemestrigen Masterstudiengang lernen die Studenten, was Schüler bestmöglich beim Lernen unterstützt, wie Lehrer Technologien nachweislich sinnvoll einsetzen oder auch: wie gelungene Software aussieht, die Schüler nicht nur mit Information füttert, sondern sie im Lernprozess zu Aha-Erlebnissen führt. Und dies setzen die Studenten schon früh in die Praxis um. „In den Kursen werden oft Projektarbeiten statt Klausuren angeboten. Man kann sehr praxisnah selbst Lehrvideos oder Bildungsspiele entwickeln“, sagt Lena Bielz, die 22-Jährige ist im zweiten Semester. „Für ein Künstlerhaus in München haben wir zu dritt eine Lernapp entwickelt, die in einer Art Quiz erklärt, was eine Lithografie ist. Bei falschen Antworten sehen die Teilnehmer, was dann passieren würde. Das ist witzig, weckt Neugier und wir erreichen ein besseres Verständnis“, erklärt Lena, die ihren Bachelor in Musikwissenschaft und Pädagogik in Kiel machte. Das Museum will die App einsetzen.

Die Studenten des Masterstudiengangs kommen aus aller Welt und aus verschiedenen Fachrichtungen. Die meisten Veranstaltungen sind auf Englisch. So wie Ingenieur José Cuida. „Mich interessiert es, Kindern Technik und Programmieren spielerisch zu vermitteln. Schon in Kolumbien habe ich an Schulen Roboter-Workshops angeboten“, sagt er. Der 27-Jährige setzt sein Engagement in der Saarbrücker „Wissenswerkstatt“ fort, wo sich Schüler und Klassen anmelden können. In seiner Masterarbeit macht José aus dem Kleinstcomputer „Calliope mini“ ein Roboter-Fahrzeug: Das Lernspielzeug, mit dem Grundschüler programmieren lernen, entwickelt der Student so weiter, dass es sich bewegen und Missionen erfüllen kann. „Dadurch wird das Lernen noch intuitiver und spannender und es gibt mehr Möglichkeiten“, sagt er. Mit Forschung und Know-how im Hintergrund, können Computer, Smartphone & Co. also sinnvoll beim Lernen helfen. Dann heißt es auch mal mit gutem Gewissen: „Mach das Ding an!“

Bis 15. Juli können sich Interessierte für den Masterstudiengang Educational Technology bewerben.
Bild Studiengang: Michael Ehrhart

Der Studiengang besteht an der Saar-Uni seit 2011. Er verbindet Pädagogik, Psychologie und Informatik. Bewerber sollten daher ein Bachelorstudium in einem dieser oder verwandter Fächer absolviert haben. Die Lehrveranstaltungen finden in deutscher und englischer Sprache statt. Bis zum 15. Juli können sich Interessierte für das Studium an der Saar-Uni bewerben. Die Bewerber-Plattform ist ab Juni geöffnet.

Weitere Informationen zum Studiengang und zur Bewerbung gibt es unter
http://edutech.uni-saarland.de/de
https://facebook.com/EduTechMaster
 

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