Bryan Tarnowski (Titelfoto)

Schaffensprozess der großformatigen Zeichnungen der US-Künstlerin Heather Hansen.

Historisch orientierte Kulturwissenschaften

Tanz auf der Leinwand

Die amerikanische Künstlerin Heather Hansen lässt mit ihrem Körper auf Leinwand große Kohlezeichnungen entstehen. Ihre Kunst beeindruckt die 28-jährige Jaqueline Palilla, Studentin der Angewandten Kulturwissenschaften, nachhaltig. In ihrer Bachelorarbeit schreibt die Studentin über die Künstlerin und trifft sie auch persönlich. Wie sie zum Studium, zum Thema der Abschlussarbeit und zur Begegnung mit Heather Hansen gekommen ist, schildert die angehende Kulturwissenschaftlerin in diesem Artikel.
Von Jaqueline Palilla • 29.04.2021

Mein erstes prägendes Erlebnis mit zeitgenössischer Kunst hatte ich während der Schulzeit in meiner Heimatstadt Wuppertal. Das Wuppertaler Tanztheater suchte für die Inszenierung des Stücks „Kontakthof mit Teenagern ab 14“ interessierte Schüler und Schülerinnen. Zwei langjährige Tänzerinnen des Tanztheaters casteten Jugendliche aus verschiedenen Wuppertaler Schulen – und ich durfte mittanzen! Bis zur Premiere im Wuppertaler Schauspielhaus probten wir ein Jahr lang regelmäßig. Die Uraufführung war ein Riesen-Erfolg. Danach gingen wir auf Tournee und gaben Gastspiele in Frankreich, England, Italien, Spanien und Österreich. Das war schon eine ganz besondere Erfahrung, die mir klargemacht hat, wie wichtig mir Kunst und Kultur sind.

Nach dem Abitur wollte ich zunächst eine Ausbildung zur Tanzlehrerin in Saarbrücken machen. Schließlich bin ich aber doch über das Schnupperstudium an die Universität des Saarlandes gekommen. Das Schnupperstudium bietet die Möglichkeit, spontan und ohne Anmeldung in Veranstaltungen reinzuschauen. „Historisch orientierte Kulturwissenschaften“ heißt der Studiengang, der mich interessiert hat. Ich wollte wissen, was es damit auf sich hat. 

Studierende wählen aus 22 Fächern verschiedener Fachrichtungen vier Kernfächer. Das Angebot ist facettenreich: Geschichte, Philosophie, Geografie, Kunst, Sprache, Theologie und Archäologie. Die Kernfächer können ganz auf die eigenen Interessen abgestimmt werden. Bereits nach dem Besuch der „Einführung in die Kulturwissenschaften“ im Schnupperstudium stand für mich fest, dass ich mich in den Studiengang einschreiben würde. Die vielen Wahlmöglichkeiten und die interdisziplinäre Arbeitsweise haben mich überzeugt. 

Gerhild Sieber (Porträts von Jaqueline Palilla)

Einem Kunstwerk selbst gegenüberzustehen, hat doch eine andere Qualität, als Fotos zu betrachten.

Jaqueline Palilla

Zum Wintersemester 2014/15 habe ich mit dem Studium begonnen und mich für die Kernfächer Kunstgeschichte, Historische Anthropologie/Europäische Ethnologie, Philosophie und Geschichte der Frühen Neuzeit entschieden. Besondere Highlights in der Kunstgeschichte waren für mich die Tagesexkursionen ins Städel Museum nach Frankfurt und ins Wallraf-Richartz-Museum nach Köln. Einem Kunstwerk selbst gegenüberzustehen, hat doch eine andere Qualität, als Fotos zu betrachten. So haben mich die Maße von Gemälden in Präsenz schon einige Male beeindruckt.

Während des Studiums lernt man, Frage- und Problemstellungen von verschiedenen Perspektiven aus zu beleuchten und dabei auch fächerübergreifend zu arbeiten.  So werden in der Kunstgeschichte Kenntnisse zur Bildbeschreibung und Interpretation vermittelt. Beim Betrachten von Kunstwerken ist es darüber hinaus aber auch hilfreich, beispielsweise mit Kenntnissen aus der Anthropologie Szenen aus der Alltags-, Ess- oder Trauerkultur interpretieren zu können.

Im Studium fühlte ich mich immer gut beraten und unterstützt. Die Studienkoordination und die Dozentinnen und Dozenten kennen uns Studierende in der Regel sogar namentlich. Das ist nicht selbstverständlich. Außerdem informiert uns die Studienkoordination regelmäßig über Stellenangebote. Man fühlt sich einfach gut aufgehoben. 

Auch bei meiner Bachelorarbeit habe ich mich gut betreut gefühlt. Ich wollte unbedingt über ein Thema schreiben, das mich richtig begeistert und habe den fachlichen Fokus auf die Kunstgeschichte gelegt. Meine Betreuer waren offen für ein Thema zur modernen Kunst, und ich konnte meine Ideen und Interessen vollkommen entfalten.

Kunst und Kultur verbinden die Menschen.

Jaqueline Palilla

Mein Thema war die amerikanische Künstlerin Heather Hansen, die auf großen Leinwänden mit ihrem Körper und Kohlestiften performativ-tänzerisch Kohlezeichnungen entstehen lässt. Vergängliche Bewegungen werden eingefangen und bleiben fortbestehen. Was mich fasziniert: Hansen schafft Verbindungen zwischen verschiedenen Medien und Kunststilen. Sie vereint Performance, Tanz- und Malerei, und etwas Neues entsteht. 

Schnell war mir klar, dass es mit der Beschaffung von Forschungsliteratur nicht ganz so einfach sein würde. Ich recherchierte viel online und konnte so auch nachverfolgen, an welchen Orten Hansen bereits Ausstellungen und Workshops gegeben hatte. Über eine Galerieversuchte ich, mit Heather Hansen in Kontakt zu kommen. Es verging etwas Zeit und ich rechnete schon damit, dass das nicht klappen würde. 

Aber schließlich antwortete mir Heather Hansen! So konnte ich ihr Fragen stellen und die Antworten in meine Bachelorarbeit einbinden. Die Künstlerin auch persönlich zu treffen, wünschte ich mir zwar sehr, aber eine Reise nach Amerika kam für mich zu diesem Zeitpunkt nicht infrage. 

Nach Abgabe meiner Bachelorarbeit im September 2018 habe ich mich in den Masterstudiengang „Angewandte Kulturwissenschaften“ eingeschrieben und bin inzwischen im sechsten Fachsemester. Die Kunst von Hansen habe ich über die sozialen Medien weiterverfolgt. So bin ich auf den Workshop „Body Movement“ aufmerksam geworden, den Hansen im August 2019 im Atrium des Lehmbruck Museums in Duisburg geben sollte. Völlig aus dem Häuschen habe ich ihr geschrieben und gefragt, ob wir uns treffen könnten.

Philipp Schneider (J. Palilla mit H. Hansen)

Heather Hansen und Jaqueline Palilla während des Workshops in Duisburg.

Als es schließlich so weit war, war ich so aufgeregt, dass ich viel zu früh im Museum ankam. Heather Hansen befand sich in den Vorbereitungen für den Workshop. Im Vorfeld hatte ich überlegt, was ich noch alles fragen wollte. Vor Ort war ich dann aber irgendwie überwältigt. Wir unterhielten uns über ihre Kunst und zukünftige Projekte. 

Mit meiner Bachelorarbeit und dem persönlichen Treffen mit Heather Hansen hat sich für mich gewissermaßen ein Kreis geschlossen: Hansens Kunst ist ein interdisziplinäres Werk, das eine interdisziplinäre Betrachtung erfordert, die in einem interdisziplinären Studiengang erfolgt ist. Ich konnte alle Aspekte, die mir wichtig waren, miteinander verbinden: den Bezug zur Moderne, zum Tanz, zur Kunst und zur Kultur. Kunst und Kultur verbinden die Menschen. Auch über eine Bachelorarbeit hinaus, wie ich selbst erfahren durfte. 

Jaqueline Palilla

Die 28-Jährige hat ihre Bachelorarbeit im Studiengang "Historisch orientierte Kulturwissenschaften" über Heather Hansen geschrieben. Inzwischen studiert sie im sechsten Semester „Angewandte Kulturwissenschaften“.

Quellennachweis
  • Bilder
    Bryan Tarnowski (Titelfoto)

    Philipp Schneider (J. Palilla mit H. Hansen)

    Frank Vinken (Bilder aus dem Lehmbruck Museum Duisburg)

    Gerhild Sieber (Porträts von Jaqueline Palilla)