Gerhild Sieber

Felicitas Offergeld (l.) und ihre Schwester Sabeth haben beide ein Starter-Studium an der Saar-Uni gemacht.

Starter-Studium

Studieren auf Probe im Sommersemester

Bis zu 70 Studieninteressierte melden sich jedes Jahr zum Starter-Studium der Saar-Uni an: Jeder, der sein Abitur in der Tasche hat, kann ein Semester lang an Lehrveranstaltungen fast aller Studienfächer teilnehmen – und in einigen Fällen sogar erste Prüfungen ablegen. Eine ideale Möglichkeit, Studieren live zu erleben und das richtige Fach zu finden.
Von Gerhild Sieber • 14.09.2017

„Im Starter-Studium kann man ein Fach ohne Druck ausprobieren“, sagt Felicitas Offergeld. Die 23-Jährige hat in ihrem Wunschfach Historisch orientierte Kulturwissenschaften (HoK) ein Starter-Studium an der Saar-Uni gemacht. Das war 2014. Inzwischen hat sie bereits sechs Semester lang HoK studiert und steht kurz vor ihrem Bachelorabschluss. „Damals war ich im Frühjahr von einem Auslandsaufenthalt zurückgekommen. Und da man mit dem HoK-Studium nur im Wintersemester beginnen kann, habe ich das Sommersemester durch’s  Starter-Studium überbrückt; das war ideal für mich“, berichtet die St. Ingberterin. Auch ihre jüngere Schwester Sabeth hat sich für ein Starter-Studium entschieden, um das halbe Jahr bis zum regulären Studienbeginn zu überbrücken: „Nach meiner Au-pair-Zeit in Rom habe ich 2016 als Starter-Studentin Germanistik und Geschichte belegt; diese beiden Fächer haben mich immer schon interessiert“, erzählt die 20-Jährige. Jetzt studiert sie Germanistik und Geschichte im Bachelorstudiengang.

„Manche Studieninteressierte wissen noch gar nicht, was sie genau studieren wollen. Für sie ist das Starter-Studium eine gute Möglichkeit, sich zu orientieren“, sagt Peter Hell von der Zentralen Studienberatung, der das Starter-Studium betreut. Es findet stets im Sommersemester statt und ist kostenlos. Einzige Voraussetzung ist ein abgeschlossenes Abitur. „Im Starter-Studium kann man das Studium an der Saar-Uni live erleben – und zwar in allen Fachbereichen der Universität, mit Ausnahme von Medizin und Zahnmedizin“, erläutert Peter Hell. Derzeit sind 33 Fächer beteiligt; mehr als hundert einzelne Lehrveranstaltungen stehen zur Auswahl. „Manche Teilnehmer, die noch auf der Suche nach ihrem späteren Studienfach sind, picken sich Veranstaltungen aus ganz verschiedenen Fächern heraus, beispielsweise aus der Biologie und Jura; im regulären Studium ist das so nicht möglich“, meint Hell. Welche Kurse sie besuchen wollen, entscheiden die Teilnehmer selbst, doch Peter Hell ist gerne behilflich, wenn es darum geht, einen Stundenplan zu erstellen. Zum Starter-Studium gehört, regelmäßig an den ausgesuchten Lehrveranstaltungen teilzunehmen. „Mir ist derzeit kein vergleichbares Angebot anderer Universitäten bekannt“, sagt der Studienberater.

Der Vorteil war, dass ich danach als reguläre Studentin etwas mehr Zeit hatte.

Felicitas Offergeld

HoK-Studentin Felicitas Offergeld hat im Starter-Studium unter anderem eine kulturwissenschaftliche Vorlesung besucht und sogar die Abschlussklausur mitgeschrieben. „So erlebt man direkt, wie eine Klausur aussieht“, lobt sie das Konzept, bei dem die Starter-Studenten selbst entscheiden, ob sie an Prüfungen teilnehmen wollen. Auch wie man eine Hausarbeit schreibt, hat die 23-Jährige in dieser Zeit ausprobiert: Im Rahmen eines Seminars im Fach Geschichte verfasste sie eine Arbeit über Medienereignisse nach 1945. Die Leistungsnachweise wurden ihr im anschließenden Bachelorstudium anerkannt. „Der Vorteil war, dass ich danach als reguläre Studentin etwas mehr Zeit hatte.“ Auch Sabeth Offergeld hat das „Probesemester“ genutzt, um eine Klausur (im Fach Geschichte) abzulegen und eine Hausarbeit zu schreiben: „zur Kulturgeschichte der Weimarer Republik, das war hochinteressant“, erzählt sie. Nebenbei hat sie am Sprachenzentrum der Uni Italienisch und Russisch belegt.

Zu Beginn sei es schon eine Herausforderung gewesen, sich auf dem Campus zurechtzufinden und das Studium zu organisieren, sagt ihre Schwester Felicitas. „Mir war beispielsweise nicht klar, wie man Bücher ausleiht oder wie viel ich in Vorlesungen mitschreiben sollte.“ Beraten werden die Starter-Studenten von der Zentralen Studienberatung. Bei einer Info-Veranstaltung kurz vor Semesterbeginn wird den künftigen Starter-Studenten alles Organisatorische erklärt. Doch auch danach sind sie nicht auf sich allein gestellt: „Es gab viele hilfsbereite Kontakte und Zusammenarbeit“, erinnert sich Felicitas Offergeld, „beispielsweise habe ich ein Referat gemeinsam mit einer ‚normalen‘ Studentin gemacht, die mich auch bei meiner Hausarbeit unterstützt hat.“

Was ist das Starter-Studium?

Als Starter-Student kann sich jeder Studieninteressierte anmelden, der das Abitur in der Tasche hat. Die Teilnahme ist kostenlos. Fast alle Fachbereiche der Saar-Uni bieten ein Starter-Studium an, mit Ausnahme von Medizin und Zahnmedizin. Starter-Studenten besuchen ausgesuchte, reguläre Lehrveranstaltungen der Universität, für die keine Vorkenntnisse erforderlich sind; in einigen Fächern  dürfen sie auch an Klausuren teilnehmen oder andere Leistungsnachweise erbringen, die im späteren Studium anerkannt werden können. Außerdem können sie am Kursangebot des Sprachenzentrums und des Hochschulsports teilnehmen.

Die ehemaligen Starter-Studentinnen studieren heute beide auf dem Saarbrücker Campus.

30 bis 70 Starter-Studenten nutzen jährlich das Angebot der Universität des Saarlandes. Zwischen 2011 bis 2017 gab es insgesamt 314 Teilnehmer, die meisten im Fach BWL, gefolgt von Rechtswissenschaft, Psychologie, Biologie und Chemie.

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