Katharina Gassewitz

Katharina Gassewitz (3.v.l.) mit der Crew der Radiosendung "Deutschfreund 2", in der sie als Interviewpartnerin zu Gast war.

Auslandsaufenthalt

Praktikum im prallen Leben

Master-Studentin Katharina Gassewitz absolviert derzeit ein Praktikum in Kamerun. Dort stößt die 26-Jährige auf viel Herzenswärme, ungewohnte Mahlzeiten und Duschen aus dem Eimer. Das improvisierte Leben stört sie kaum. Die Schattenseiten der Millionenmetropole Yaoundé hat sie aber ebenfalls schon kennenlernen müssen. Zweimal ist sie überfallen worden. Auch das nimmt sie pragmatisch: Alleine ist sie selten unterwegs.
Von Thorsten Mohr • 02.08.2016

„Das klingt hart, aber so ist die Realität hier“, sagt Katharina Gassewitz über das Leben in Yaoundé, der Hauptstadt Kameruns. Zweimal ist sie bereits überfallen worden, einmal im Juli vergangenen Jahres, als sie zu einem ersten Praktikum am dortigen Goethe-Institut war, und vor kurzem ein zweites Mal. „Dieses Mal war ich sogar mit meinem Freund, der Kameruner ist, unterwegs.“ Es hat aber nichts genützt. Passiert ist ihnen nichts, und im Rucksack, den die Räuber ihrem Freund gestohlen haben, war nichts Wertvolles drin. „Trotzdem ist es natürlich erschreckend“, sagt die Studentin, die im vierten Semester des Masterstudiengangs „Deutsch-Französische Studien (DFS): Grenzüberschreitende Kommunikation und Kooperation“ steckt und kurz vorm Abschluss steht. Sie geht aber pragmatisch an diese Umstände heran. Später am Tag geht sie nicht mehr ohne Begleiter vor die Tür, auch wenn das – wie sie jetzt erfahren musste – auch keine absolute Sicherheit bietet.

Aber wo Schatten ist, ist natürlich auch Licht. Und „abgesehen von diesen Unannehmlichkeiten“, wie Katharina Gassewitz sagt, „fühle ich mich sehr wohl hier. Gerade die zwischenmenschliche Wärme, die Gastfreundschaft und die Solidarität sind Faktoren, die mich unglaublich positiv beeinflussen und die ich vorher so noch nie erlebt habe“.

 

Der Arbeitsplatz von Katharina Gassewitz, das DAW-Zentrum in Yaoundé.

 

Das stellt sie im Alltagsleben genauso fest wie an ihrem Arbeitsplatz, dem Zentrum für deutsch-afrikanische Wissenschaftskooperationen (DAW-Zentrum), wo sie seit Mai und noch bis Anfang November ein Praktikum im Rahmen ihrer Masterarbeit zum Thema „Deutschland-Alumni als Vermittler in den deutsch-kamerunischen Wissenschafts- und Kulturbeziehungen“ absolviert. „Ich übersetze vorrangig Artikel, Berichte und andere Texte, die auf der Internetseite des Zentrums veröffentlicht werden sollen.“ Daneben organisiert sie wissenschaftliche Treffen, führt Protokoll, archiviert und publiziert die Ergebnisse der Treffen und kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit sowie die digitale Bibliothek des DAW-Zentrums.

Über ihre Arbeit am Zentrum und ihre Masterarbeit hat sie bereits im Lokalradio ein Interview gegeben. Den Schöpfer der Sendung „Deutschfreund 2“, Journalist und Deutschlehrer Jacques Abel Onya, interviewte sie für ihre Masterarbeit, woraufhin dieser sie postwendend in seine Sendung einlud. „Dort sprach ich dann über meine Herkunft, das Studium in Deutschland, mein Praktikum hier und meine Masterarbeit.“ Auch ein Theaterstück, das sie gemeinsam mit Germanistikstudenten am Goethe-Institut aufgeführt hat, war ein besonders schönes Erlebnis für Katharina Gassewitz. Die Proben dauerten keine zehn Tage, bis das selbstgeschriebene Stück am 5. Juli aufgeführt wurde. „Diese beiden Erlebnisse waren wirklich zwei ganz tolle und bereichernde Erfahrungen“, resümiert die Studentin, die bereits in der Schule und auch an der Uni gerne Theater gespielt hat.

 

Katharina Gassewitz kommt nicht nur in der Hauptstadt Yaoundé, sondern auch in anderen Landesteilen Kameruns herum, wie zum Beispiel hier in der Provinzhauptstadt Bafoussam.

 

Als Studentin des trinationalen Masterstudiengangs DFS bringt sie die Neugier auf fremde Kulturen quasi als Startvoraussetzung mit. Dennoch ist Kamerun auch für eine Studentin dieses Fachs eine seltene Wahl. „Da ich bereits oft in Frankreich gelebt und auch studiert habe, wollte ich interkulturelle Erfahrungen in einem anderen Land, und am liebsten fern der westlichen Kulturen sammeln.“ Auf Anraten von Freunden und weil sie Kamerun aus dem vorigen Praktikum schon kennengelernt hatte, entschied sie sich für Yaoundé. Geholfen bei der Auswahl und der Organisation haben Katharina Gassewitz auch ihr Betreuer, Professor Hans-Jürgen Lüsebrink, sowie Wolfgang Heintz vom International Office der Saar-Uni. „Professor Lüsebrink hat mir dieses Praktikum vorgeschlagen und mich darauf hingewiesen, dass es die Möglichkeit einer finanziellen Unterstützung gibt. Davon wusste ich vorher nichts. Herr Heintz war stets verfügbar, wenn ich Fragen hatte oder Hilfe brauchte“, berichtet die 26-Jährige.

 

Die Modeläden in Yaoundé haben mit den glitzernden Konsumtempeln europäischer Städte wenig gemeinsam.

 

Doch grau ist alle Theorie. Ihr Alltag in Westafrika sieht ganz anders aus als in Deutschland. Auf den Teller kommen zum Beispiel nicht die gewohnten europäischen Speisen. Die sind im Supermarkt sehr teuer. „Daher ernähre ich mich praktisch auch ganz anders“, sagt Katharina Gassewitz. Bekanntes wie Zwiebeln, Tomaten, Paprika und Karotten sowie Früchte wie Ananas, Mango und Melone haben einen ganz anderen, viel intensiveren Geschmack als in Deutschland. „Ich versuche auch einige traditionelle Gerichte kochen zu lernen, wie Okok.“ Diese Blätter einer Liane werden vermischt mit gemahlenen Erdnüssen und zerkleinerten Palmnüssen. Und statt eines Fahrrads nutzt sie hier für ein paar Euro-Cent das Taxi, „das Hauptverkehrsmittel“ in Kamerun, erklärt Katharina Gassewitz. „Das ist viel günstiger als in Deutschland, dafür sitzt man natürlich nicht alleine drin.“ So teilen sich zwei Kunden auch mal den Beifahrersitz. Und auch die hygienischen Bedingungen sind andere als sie es aus Deutschland gewohnt ist. Eine Waschmaschine hat sie nicht, „ich wasche meine Kleidung immer von Hand“, und zum Duschen nahm sie bis vor kurzem einfach einen Eimer Wasser. „Das hat sich inzwischen aber geändert“, sagt sie. Nun wohnt sie in einer Wohnung mit Dusche. Ein bisschen Europa steht auch dem schönsten Aufenthalt in fremden Erdteilen gut zu Gesicht.

Hintergrund

Der trinationale Masterstudiengang "Deutsch-Französische Studien: Grenzüberschreitende Kommunikation und Kooperation" bildet Spezialisten für die deutsch-französischen Beziehungen im politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Bereich aus. In einer gemischten Gruppe werden deutsch- und französischsprachige Studierende gemeinsam auf eine grenzüberschreitende Tätigkeit vorbereitet. Sie lernen, sich auf interkulturellem Terrain kompetent und sicher zu bewegen und über Sprachgrenzen hinweg zu kommunizieren. Neben der Saarbrücker Romanistik und der Germanistik sind die Informations- und Kommunikationswissenschaften der Universität Metz sowie die Sprach- und Literaturwissenschaften der Universität Luxemburg beteiligt.
Weitere Infos und Zugangsvoraussetzungen: www.uni-saarland.de/master/studienangebot/internat/dfs/info.html

 

Katharina Gassewitz‘ Aufenthalt wird vom Programm „UdS mobil“ gefördert. In dessen Rahmen schreibt die Universität des Saarlandes zweimal jährlich Stipendien des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für Auslandsaufenthalte weltweit von bis zu sechs Monaten Dauer aus. Im Schnitt (2014-2016) erhalten die Stipendiaten rund 1.800 Euro Förderung.
Informationen rund um den Auslandsaufenthalt: www.uni-saarland.de/international/out.html

Quellennachweis
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    Katharina Gassewitz