Nadine Linz hat sich im Studium für den Schwerpunkt "Kunstgeschichte" entschieden.

Kunst- und Bildwissenschaft

Kunst - von der Faszination zum Studium

Im Bachelorstudiengang „Kunst- und Bildwissenschaft“ lernen Studenten Kunstgattungen wie Architektur, Plastik oder Malerei von der Antike bis in die Gegenwart kennen. Nadine Linz, die erst mit 36 Jahren an die Uni kam und derzeit im dritten Semester studiert, ist von dem Fach begeistert.
Von Gerhild Sieber • 07.12.2016

„Mein Studium beinhaltet die Analyse sämtlicher Bildquellen – dabei geht es sowohl um historische als auch um zeitgenössische Kunst wie Street Art, Installationen und Fotografie“, erzählt Nadine Linz. Die 37-jährige Saarländerin studiert im dritten Semester  Bildwissenschaften der Künste. Seit diesem Wintersemester heißt der Studiengang „Kunst- und Bildwissenschaft“, die Inhalte sind weitgehend gleich geblieben: Studenten können zwischen den beiden Schwerpunkten Kunstgeschichte und Klassische Archäologie wählen.

Ich habe mir die Frage gestellt, was mir richtig Freude macht.

Nadine Linz

Nadine Linz hat sich für Kunstgeschichte entschieden. Die ehemalige Hotelfachfrau gab ihren Beruf 2011 auf, besuchte vier Jahre lang das Abendgymnasium in Saarbrücken und machte 2015 ihr Abitur. Ihr Studienfach wählte sie intuitiv: „Ich habe mir die Frage gestellt, was mir richtig Freude macht. Kunst mit all ihren Facetten hat mich unter einem ästhetischen Gesichtspunkt stets fasziniert.“ Im Nebenfach studiert sie Philosophie. Die Orientierung auf dem Campus, die selbstständige Organisation des Studiums, das Integrieren des Nebenfachs in den Stundenplan, die vielen neuen Themengebiete, die Vereinbarkeit mit ihrem Arbeitsplatz – dies alles sei zunächst eine enorme Herausforderung gewesen. Dabei habe sie großes Glück, denn sie bekomme elternunabhängiges Bafög, weil sie sich nahtlos ans Abitur an der Uni eingeschrieben habe.

Inzwischen ist die junge Frau von ihrem Studium begeistert. „Das selbstständige Lernen entspricht mir sehr“, strahlt sie. Es erfordere viel Disziplin, eröffne aber auch Spielräume und schenke Entscheidungsfreiheit – beim Erarbeiten sowie beim Präsentieren von Inhalten. Module der ersten beiden Semester waren unter anderem griechische und römische Archäologie. „Die antike Bildsprache ist für Kunstwissenschaftler ebenso elementar wie die christliche Ikonographie.“ Für ein Referat in einem Proseminar hat sie sich intensiv mit einer Mariendarstellung von Lucas Cranach dem Älteren beschäftigt. „Dabei kommt man mit vielen spannenden Fragestellungen in Kontakt, beispielsweise, was die heutige Marien-Wallfahrt mit der Kunst des 16. Jahrhunderts zu tun hat.“

Grundlegende Fachkenntnisse und Methoden lernen die Studenten in sogenannten Propädeutika. Die Themen reichen von den Grundbegriffen der Architektur bis hin zur Literaturrecherche und dem Umgang mit Medien. Weitere Pflichtmodule sind unter anderem Museumspraxis, die Kunst von Mittelalter, Früher Neuzeit und Moderne sowie eine Praxisübung zur Denkmalpflege und eine Exkursion.

Besonders viel Freude habe ihr im vergangenen Semester eine Lehrveranstaltung über Dadaismus gemacht, erzählt Nadine Linz. „Wir sind zu einer Ausstellung der Künstlerin Hannah Höch in die Mannheimer Kunsthalle gefahren. Dort suchte sich jeder Student ein Werk aus, über das er in den kommenden Wochen referieren wollte.“ Mit vertieftem Wissen ging es zum Abschluss des Kurses ein zweites Mal nach Mannheim. „Verblüffender Weise ergab sich nun ein völlig neuer Blick auf die Künstlerin und ihr Werk“, erzählt die Studentin. „Auch das Gespräch mit einer Mitarbeiterin der Kunsthalle war sehr interessant für uns: Es ging unter anderem darum, in welcher Reihenfolge die Objekte ausgestellt werden und mit welchen Mitteln das Publikum angesprochen werden soll.“