Foto: Anne Sauder

Zimmer mit Aussicht: Das war der Blick aus Anne Sauders WG-Zimmer auf Siena.

Historisch orientierte Kulturwissenschaften

Im Studium auf Entdeckungsreise in Italien

Einen festen Plan hatte Anne Sauder nach dem Abi nicht. Aber sie machte genau das, was sie wollte und verwirklichte so ihre Träume: Kulturwissenschaften, Studium in Italien und jetzt forscht sie über Frauen im Venedig der Frühen Neuzeit.
Von Claudia Ehrlich • 04.02.2021

Italien! Das stand für Anne Sauder von Beginn an fest: Sie wollte nach Italien. Und es sollte Siena sein. In diese Stadt in der Toskana hatte sie sich in einem Urlaub verliebt. „Es war mein Traum, dort ein Semester zu verbringen. Gleich zu Beginn meines Studiums habe ich einen Italienischkurs im Sprachenzentrum der Uni belegt.“ Die Saar-Uni hat Partnerschaften zu Hunderten Universitäten in aller Welt. Egal, wo es hingehen soll: Im International Office erfahren Studierende, die es in die weite Welt zieht, was zu tun ist. So auch Anne Sauder: „Hier bekam ich die Information, dass für mich Philosophie in Siena passte. Es gibt viel Unterstützung von Seiten der Uni, wenn man im Ausland studieren will“, sagt sie. „Auch der Fachrichtungsreferent der Philosophie hat mir Kontakte vermittelt und mit den Kursen geholfen. Er ist sehr gut vernetzt.“

Man sollte studieren, was einem Spaß macht, und hier war ich richtig.

Anne Sauder

Anne Sauder studierte Historisch orientierte Kulturwissenschaften. Dieses Studienfach ist etwas Besonderes: Es passt sich seinen Studierenden an wie ein auf den Leib geschneiderter Anzug. Geschichte, Philosophie, Kunst, Kulturgeographie, Ethnologie, Theologie, Archäologie, Literatur und mehr: Die Studierenden stellen sich ihre Schwerpunkte, die sie interessieren, individuell zusammen und schaffen sich so ein persönlich zugeschnittenes Profil. Es geht darum, die europäische Kultur, ihre Phänomene und ihre historischen Wurzeln zu verstehen. „Hier kam ich zur Geschichte. Dieses Fach hatte ich in der Schule abgewählt. Aber hier habe ich erkannt: Geschichte dreht sich nicht nur um große Männer und ihre Taten.“ Es gebe weit Spannenderes zu entdecken: aus dem Alltag der Menschen, über starke Frauen und ihr Leben zu ihrer Zeit, über Zusammenhänge, die sich plötzlich auftun, über Ursachen und ihre Wirkung. Und das traf ihren Nerv: „Man sollte studieren, was einem Spaß macht, und hier war ich richtig.“

Genau wie in Siena, wo sie vor zwei Jahren ein Auslandssemester verbrachte. „Es war grandios. Die Uni ist über die ganze Stadt verteilt. Wenn man weiß, wo man abseits der großen Touristenströme in den Contraden, den Stadtteilen Sienas, die schönsten Ecken findet – es ist einfach wunderschön.“ Ihr hat alles gefallen: die Landschaft, die Leute, natürlich: das Essen, die Sprache. „In Siena hatten wir in den ersten beiden Monaten jeden Abend Sprachunterricht. Ich wohnte in einer Wohngemeinschaft mit drei Studentinnen und habe nur Italienisch gesprochen, auch die Seminare an der Uni waren auf Italienisch. Sie haben mir nicht nur 25 Creditpoints für mein Studium gebracht. Mit der Argumentationstheorie habe ich eine andere Art zu denken kennen gelernt.“

Kennengelernt hat sie damals auch Venedig. „Da bekam ich große Augen: Weil dort nie etwas zerstört wurde, sieht Venedig aus wie in den jahrhundertealten Reiseberichten, die ich gelesen habe. Eine besondere Erfahrung.“ So besonders, dass sie heute ihre Doktorarbeit bei Historiker Professor Wolfgang Behringer über venezianische Frauen und ihre gesellschaftliche Stellung in der Frühen Neuzeit schreibt. An seinem Lehrstuhl ist sie auch in der Lehre tätig: Aktuell bietet sie ein Seminar über Herrscherinnen der Frühen Neuzeit an. Und einen weiteren Job hat sie auch: Als Geschäftsführerin baut sie in der Rechtswissenschaftlichen Fakultät das neue Zentrum für Europaforschung auf. Würde sie alles nochmal so machen? Eines nicht: „Wenn ich nochmal die Chance hätte, würde ich ein ganzes Jahr nach Siena gehen, nicht nur ein halbes.“ Aber dafür hat Anne Sauder ja immer noch Zeit.

Historisch orientierte Kulturwissenschaften
Foto historische Karte: Alex Staroseltsev - Fotolia

 

Kultur, ihre Phänomene und ihre historischen Wurzeln im Europäischen Raum zu verstehen, heißt, diese aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten und zu analysieren: etwa durch Kunst, Geschichte, Kulturgeographie, Ethnologie, Philosophie, Theologie, Archäologie, Literatur – um nur einige Beispiele zu benennen. Im Studiengang der Historisch orientierten Kulturwissenschaften können Studierende vielfältige kulturwissenschaftliche Interessen verbinden.

Informationen finden Interessierte auf den

Info-Seiten zum Studiengang

auf der Homepage des Fachs

und bei der Studienkoordinatorin Dr. Barbara Duttenhöfer
hok(at)mx.uni-saarland.de

 

Foto Studium im Ausland: Oliver Dietze

 

STUDIUM IM AUSLAND

Die Corona-Pandemie macht es im Augenblick nicht leicht, im Studium andere Länder, Menschen und Kulturen kennenzulernen. Aber es kommen auch wieder bessere Zeiten. Wer jetzt schon planen will:

An der Saar-Uni führen viele Wege ins Ausland

Studierende können ein oder zwei Semester im Ausland studieren, zum Beispiel im Rahmen eines Austauschs an einer der vielen Partnerhochschulen. Sie können aber auch auf eigene Faust – als sogenannter Freemover – an eine ausländische Uni gehen, mit der keine offizielle Kooperation besteht.

In allen Fällen hilft das Team des International office weiter.

Quellennachweis
  • Bilder
    Foto: Anne Sauder

    Foto historische Karte: Alex Staroseltsev - Fotolia

    Foto Studium im Ausland: Oliver Dietze