Stauch/Ditko

Der Computerbildschirm in Berlin ist derzeit der Studien- und Arbeitsplatz von Tatjana Ditko und Sammy Stauch.

Sprechwissenschaft und Sprecherziehung

Heilfasten fürs Gehirn

Sie sind Experten für Sprache und Kommunikation: Tatjana Ditko und Sammy Stauch leiten seit 2015 die Deutsche Rednerschule in Berlin. Nebenbei studiert das Ehepaar seit 2019 an der Saar-Uni im Weiterbildungsmaster „Sprechwissenschaft und Sprecherziehung“. Das Studium vermittelt ihnen, wonach beide lange gesucht haben: eine wissenschaftliche Herangehensweise an Rhetorik und Sprecherziehung.
Von Gerhild Sieber • 11.03.2021

Eine aufrechte Körperhaltung, ausdrucksvolle Gestik und feinjustierte Stimme: Wer kennt sie nicht, die praktischen Tipps für erfolgreiche Redner? – „Die Annahme, dass vor allem einstudierte Techniken der Körpersprache über das Gelingen von Kommunikation entscheidet, ist ein Mythos“, sagt Sammy Stauch. Er und seine Frau Tatjana Ditko leiten seit sechs Jahren die Deutsche Rednerschule in Berlin, die 1978 von Ditkos Vater gegründet wurde. Nicht nur aus diesem Grund sind beide ausgewiesene Kommunikationsprofis: Tatjana Ditko hat den Masterstudiengang „Unternehmenskommunikation und Rhetorik“ absolviert, den die Saar-Uni gemeinsam mit der Universität Koblenz-Landau anbietet. Und Sammy Stauch war viele Jahre freiberuflich als PR-Berater, Dozent und Journalist tätig – nach langjähriger Tätigkeit im Marketingbereich des Finanzsektors.

Der Studiengang entmüllt unser Gehirn und befreit uns von der Last der Kommunikationsmythen.

Sammy Stauch

 „Als wir beide noch im Finanzsektor gearbeitet haben, wurden wir zugedonnert mit Kommunikationstrainings und dabei mit viel ‚Schwachsinn‘ konfrontiert – also mit Dingen, an die wir nicht richtig glauben konnten“, erinnert sich Sammy Stauch. „Rhetorik-Seminare und die Ratgeberliteratur basieren in der Regel auf Prinzipien des Behaviorismus, der das Manipulieren von Verhalten in den Mittelpunkt stellt. Doch der gilt in der Psychologie längst als überholt. Als Tatjana und ich dann 2015 die Firma übernommen haben, wollten wir detaillierter Bescheid wissen und unsere Seminare sehr viel stärker wissenschaftlich fundieren.“ Genau diese Erwartungen des Ehepaars hat der Saarbrücker Weiterbildungsstudiengang „Sprechwissenschaft und Sprecherziehung“ bisher erfüllt. „Er entmüllt unser Gehirn und befreit uns von der Last der Kommunikationsmythen“, sagt Sammy Stauch.

„Wir lernen im Studiengang, dass es um Inhalt und um das Publikum geht. Wie man am besten spricht, um gehört und verstanden zu werden. Und wie man am besten in einen Dialog tritt.“ Diese Philosophie verfolgen Ditko und Stauch auch in ihrer Rednerschule. „Wir sind froh, dass unsere Professoren uns hierin bestärken; vor allem, dass sie uns wissenschaftlich Untermauertes präsentieren und uns ermutigen, all das zu reflektieren. Und dass sie uns eben gerade keine fertigen Kochrezepte und Redetechniken weitergeben, die von Kommunikationssituationen losgelöst sind.“

Drei Semester des Weiterbildungsmasters haben die beiden bereits absolviert, alles in digitaler Form. Fünf Semester insgesamt umfasst der gebührenpflichtige Studiengang, den der Professor für Sprechwissenschaft und Sprecherziehung Norbert Gutenberg konzipiert hat. „Das Studium war bisher als Fernstudium organisiert; das war für uns wichtig, und das gibt es sonst nirgendwo.“ Regelmäßig erhalten sie Studienbriefe zum Durcharbeiten, die sehr anschaulich gestaltet seien. „Da gab es beispielsweise auch Inhalte zu Atemübungen – die kann man autonom durchführen.“ Außerdem gebe es Einsendeaufgaben und Online-Sitzungen mit den Professoren, zudem Hausarbeiten. 

Als ganz kleine Studiengemeinschaft haben wir den Komfort, den Professoren ‚Löcher in den Bauch‘ zu fragen.

Tatjana Ditko

Jetzt, im zweiten Studienjahr, sind sie eine kleine Gruppe von Studierenden, die fast eine individuelle Betreuung genießt. „Als ganz kleine Studiengemeinschaft haben wir den Komfort, den Professoren ‚Löcher in den Bauch‘ zu fragen. Und: Wir kriegen viel Stoff durch. Das ist ein toller Service, den man sonst nicht hat“, sagt Tatjana Ditko.

Inhaltlich sei es am Anfang insbesondere um sprechwissenschaftliche Grundlagen und historische Zusammenhänge gegangen. Die Professoren verstünden es ausgezeichnet, interdisziplinäre Kontexte sowie historische Kontexte herzustellen, lobt Sammy Stauch. Die Inhalte bauen aufeinander auf: Rhetorik, Argumentation, ästhetische Kommunikation, Kommunikation oder professionelles Sprechen in den Medien. Derzeit hoffen die beiden auf Präsenzveranstaltungen im Sommersemester. „Die Didaktik-Module kommen jetzt erst. Da freuen wir uns besonders auch auf die didaktisch-methodische Sprecherziehung“. 

Link zur Deutschen Rednerschule in Berlin
Sprechwissenschaft und Sprecherziehung

Den berufsbegleitenden Masterstudiengang gibt es seit dem Sommersemester 2019. Im Mittelpunkt steht die Professionalisierung kommunikationspädagogischer Kompetenzen. Neben einem breiten didaktisch-methodischen Wissen werden auch wissenschaftliche Kompetenzen um Kommunikationsprozesse und -probleme vermittelt.

„Es geht um das Wissen und Können, Kommunikationsprozesse optimal zu gestalten“, erläutert Prof. Norbert Gutenberg, der den Studiengang ins Leben gerufen hat. Unter anderem seien auch die „Elementarprozesse“ mündlicher Kommunikation Gegenstand des Masterprogramms, gemeint sind die Prozesse von Atmung, Stimme und Lautung.

Das Studienentgelt beträgt 2.300 Euro pro Semester. Hinzu kommt ein Sozialbeitrag von derzeit 114 Euro pro Semester (Detaillierten Infos gibt es hier

Zugang: Bewerben können sich Hochschulabsolventen mit einem ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss und einer mindestens einjährigen einschlägigen Berufstätigkeit. Zudem richtet sich der Studiengang an beruflich Qualifizierte mit mindestens dreijähriger einschlägiger Berufserfahrung, nach Bestehen einer Eignungsprüfung.

Weitere Infos zum Studiengang unter: https://cecsaar.de/ und unter
www.uni-saarland.de/studium/angebot/weiterbildend/sprechwissenschaft

Quellennachweis
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