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Der Migrationsforscher Ettore Recchi lehrt im Sommersemester als Europa-Gastprofessor an der Saar-Uni.

Europa-Gastprofessur

Gesellschaften Europas

Europaforschung aus soziologischer Perspektive – das ist der diesjährige Schwerpunkt der Europa-Gastprofessur, die vom Europa-Kolleg CEUS koordiniert wird. Das Angebot ermöglicht es allen Studenten der Saar-Uni, einen Europa-Schwerpunkt in ihr Studium einzubringen. Mit dem Soziologie-Professor Ettore Recchi ist jetzt ein renommierter Migrationsforscher am CEUS zu Gast: Recchi kommt von der Elitehochschule „Sciences Po“ in Paris und forscht außerdem am Europäischen Hochschulinstitut Florenz.
Von Gerhild Sieber • 17.05.2018

„Auf der Welt herrschen enorme gesellschaftliche Unterschiede, und das globale Ungleichgewicht wird immer größer“, sagt Ettore Recchi. Soziale Faktoren wie Einkommen, Bildung, kulturelle Praktiken, politische Teilhabe oder Gesundheit klaffen in den Ländern rund um den Globus weit auseinander. „Auch innerhalb der EU gibt es ein gravierendes Gefälle zwischen armen und reichen Ländern – und es wächst weiter“, stellt Recchi fest. Beispielsweise sei das durchschnittliche Haushaltseinkommen in Dänemark etwa zehnmal so hoch wie in Rumänien. Dieses soziale Ungleichgewicht in der EU hat der italienische Soziologe zum Thema einer seiner beiden Vorlesungen gemacht.

Gleichzeitig sind Länder und Regionen weltweit aufgrund der guten Infrastrukturen immer enger miteinander verknüpft. „Eine Folge davon ist die Migration“, sagt der Forscher, der in Florenz am renommierten Europäischen Hochschulinstitut EUI promoviert hat und dort immer noch wissenschaftlich arbeitet. „Am EUI forschen 500 Doktoranden aus allen Ländern Europas gemeinsam in einer Art ‚Mini-Europa‘, was mich für europäische Themen geprägt hat.“ Seit vier Jahren lehrt und forscht er in Paris. „Rein formal bin ich damit ebenfalls ein Migrant“, stellt er fest.

Die Freizügigkeit ist ein bedeutendes und ehrgeiziges Projekt - und Voraussetzung für die europäische Integration.

Ettore Recchi

Die so genannte Freizügigkeit, die es EU-Bürgern erlaubt, in einem anderen Land der EU zu arbeiten und zu wohnen, wird Ettore Recchi in einem Blockseminar an zwei Juni-Wochenenden behandeln. „Europa ist weltweit die einzige Region, in der das so einfach möglich ist“, erklärt er. Die Freizügigkeit sei ein bedeutendes und ehrgeiziges Projekt, das die Voraussetzung für die europäische Integration darstelle, betont der Migrationsexperte. Welche Chancen und Probleme sich aus der Freizügigkeit ergeben, wird er mit seinen Saarbrücker Studenten diskutieren.

Für seine Lehrveranstaltungen pendelt der Hochschullehrer jeweils zu Wochenbeginn nach Saarbrücken – eine Reise, die mit dem Zug nur knapp zwei Stunden dauert. Die Europa-Gastprofessur sei eine wunderbare Gelegenheit, Einblicke in deutsche Universitäten und die deutsche Gesellschaft zu erhalten, freut sich Ettore Recchi.

Weitere Infos: https://www.uni-saarland.de/ceus

Lehrveranstaltungen

Für Studenten aller Fakultäten bietet der Gastprofessor drei Lehrveranstaltungen in englischer Sprache an: Die Vorlesung „Introduction to European Societies“ findet jeweils montags von 17 bis 19 Uhr statt (Gebäude B3 1, Hörsaal II). Im gleichen Hörsaal hält Recchi auch die Vorlesung „Inequalities in Europe“, die jeden Dienstag von 8.30 bis 10 Uhr stattfindet.

Im interdisziplinären Blockseminar „Freedom of Movement in Europe“, das an zwei Juni-Wochenenden stattfindet, gibt es noch freie Plätze. Behandelt werden unter anderem rechtliche, wirtschaftliche und politische Aspekte der Migration in Europa.
 

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