Titelfoto: Iris Maurer

Maximilian Junk, Daniel Primaveßy, Janis Mathieu und Oliver Kruse konzipieren jedes Detail an ihrem Elektro-Rennwagen.

Evolution Racing Team

Benzin im Blut, aber nicht im Tank

Im Team einen echten Rennwagen bauen und sich auf kurvigem Asphalt mit Mannschaften aus aller Welt messen – dieser Kindheitstraum wird für Studenten im Rennstall Evolution Racing Team wahr, den Saar-Uni, htw saar und Berufsakademie gemeinsam betreiben. Wessen Blut jetzt in Wallung gerät, kann sich freuen: Das Team sucht Verstärkung!
Von Claudia Ehrlich • 07.06.2018

In 2,5 Sekunden treibt die Power von zwei Elektromotoren den Wagen von Null auf Hundert. 109 Pferdestärken hat er bei 80 Kilowatt Leistung unter der Haube. Gehen würde noch weit mehr, wenn das Renn-Reglement es zuließe. Die eigentliche Stärke des neuesten, noch geheimen Prototyps aus dem Saarbrücker Rennstall aber sind seine Beschleunigungskraft, Fahrdynamik und das geschmeidige Kurvenverhalten. Der Kurvenstar bringt dank eines Technik-Kniffs ein hervorragendes Drehmoment auf die Straße. „Mehr als ein Porsche GT3“, verrät Elektroniker Patrick Christoffel. Seit drei Jahren ist der Systems Engineering-Student von der Saar-Uni im Team mit dabei. „Wir haben an beiden Hinterrädern je ein Getriebe verbaut: Durch unterschiedliche Lastverteilung kann das kurvenäußere Rad schneller drehen und die Kurvengeschwindigkeit erhöht werden“, sagt er. Das bringt den Wagen in der Kurve sportlich auf Touren – dabei liegt er stabil wie ein Brett auf der Straße. Auch das Gewicht des Renners konnte die Crew im Vergleich zum Vorgängermodell weiter reduzieren. Der Erlkönig ist kürzer und wendiger. Gute Aussichten also für die Renn-Saison der Formula Student, die bald startet.

Wer hier mitmacht, sammelt neben fachlichen Kenntnissen jede Menge Praxiserfahrung, auch bei der engen Zusammenarbeit mit Partnerfirmen und Sponsoren.

Daniel Primaveßy

Jedes Jahr bauen die Studenten des Evolution Racing Teams einen neuen Rennwagen – dreizehn sind es jetzt. Und das in so sensationeller Zeit, dass selbst Formel 1-Profis ins Staunen kämen: von August bis Juni. Dann ist das Roll out, die erste Präsentation des Wagens. Bis dahin haben die aktuell 30 aktiven Mitglieder des Teams alle Hände voll zu tun. Konstruktionstechnik-Professor Michael Vielhaber stellt ihnen Räume an der Saar-Uni bereit. „Erst konstruieren wir den Wagen komplett am Computer. Das allein dauert etwa drei Monate“, sagt Maximilian Junk, der Systems Engineering an der Saar-Uni studiert. Jeweils kleine Teams kümmern sich um Rahmen, Fahrwerk, Elektronik, Antrieb und Akku. Kooperierende Firmen fertigen Spezialteile auf Maß. Der Rahmen wird komplett neu gebaut. Wenn alle Einzelteile fertig sind, kommt der Moment der Wahrheit: In der Werkstatt an der Saar-Uni wird alles zusammengebaut. „Ein Satz der dann immer fällt ist: ‚Am Computer hat´s gepasst‘. Aber dann machen wir es passend“, erzählt der Technische Leiter Daniel Krauser. Im „normalen“ Leben studiert er Maschinenbau an der htw saar.

Werden dann die zwei Schlüssel gedreht und der Wagen startet und fährt, ist das für alle ein Hochgefühl. „Meist suchen wir aber noch drei bis vier Stunden nach Fehlern“, sagt Patrick Christoffel lachend. Probefahrten macht das Team abends auf dem Uni-Campus auf wenig besuchten Wegen. Abgas-Gestank gibt es dank der Elektromotoren nicht – auch der Sound ist nicht so brachial wie der eines Benziners. „Viel angenehmer, der Sound des Elektromotors gefällt mir besser“, sagt Maximilian Junk. Das Team gewinnt von Jahr zu Jahr mehr an Erfahrung. Die Rennwagen werden immer besser.

Portraits: privat/Uni

Ganz entscheidend ist die Gemeinschaft und der Spaß, den wir haben.

Patrick Christoffel

Neben dem Studium ist das Ganze eine recht intensive Angelegenheit. „Manchmal schlagen wir hier Feldbetten in der Werkstatt auf“, berichtet Daniel Primaveßy, der Bioinformatiker promovierte in der Pharmazie und kümmert sich um alles Wirtschaftliche im Team. Aber der Einsatz zahlt sich aus, ist Hobby und Tuning für den Lebenslauf. „Wer hier mitmacht, sammelt neben fachlichen Kenntnissen jede Menge Praxiserfahrung, auch bei der engen Zusammenarbeit mit Partnerfirmen und Sponsoren. Dieser Kontakt ist Gold wert – viele Ehemalige unseres Teams arbeiten seit ihrem Abschluss dort“, sagt Primaveßy. In manchen Fächern gibt es sogar Credit Points fürs Mitmachen, auch Bachelor- und Masterarbeiten sind hier möglich. Einsteigen können nicht nur Studenten aus Technikfächern – das Team ist offen für alle. Jura-Student Florian Friedrichs etwa kümmert sich um Sponsorenverträge und alles rund ums Recht.

Höhepunkt der Saison sind jedes Jahr die internationalen Rennen. „Die lässt sich keiner entgehen“, berichtet Daniel Krauser. Bei den Konstruktionswettbewerben gewinnt nicht der Erste, sondern das beste Auto und der beste Rennstall. Jurys bewerten auf kurvenreicher Strecke verschiedene Disziplinen: Außer um Beschleunigung und Laufdauer geht es dort auch etwa um den Businessplan. Aber das ist nicht alles, was Neulinge, die mitmachen wollen, erwartet. „Ganz entscheidend ist die Gemeinschaft und der Spaß, den wir hier haben. Werkstatteinsätze enden nicht selten in Grillfesten. Auch wenn man sonst im Studium Fragen hat: Hier ist immer jemand, der weiterweiß“, sagt Patrick Christoffel. Und eines merkt man allen im Team an: die Begeisterung. Das Team hat Benzin zwar nicht im Tank, aber im Blut.

Foto Seitenspalte: Evo Racing Team

Beim Evolution Racing Team mitmachen können Studentinnen und Studenten aller Fächer von Universität des Saarlandes, der htw Saar und der ASW – Berufsakademie Saarland.

Nicht nur aus Technikfächern werden Mitstreiterinnen und Mitstreiter gesucht!

www.evolution-racing.de

Offene Stellen im Team sind hier zu finden:

https://www.evolution-racing.de/evo/index.php/das-team/offene-stellen

Foto Seitenspalte: Evo Racing Team
Quellennachweis
  • Bilder
    Titelfoto: Iris Maurer

    Foto Seitenspalte: Evo Racing Team

    Portraits: privat/Uni