Oliver Dietze

Die Bafög-Expertin Elke Wagner berät eine Studentin im Untergeschoss der Mensa.

Studienfinanzierung

Auch im Hotel Mama erhalten Studenten Bafög

Rund 5.000 Studenten im Saarland erhalten Bafög. Anspruch auf die staatliche Förderung haben noch mehr Studenten, sie nutzen das zinslose Darlehen jedoch nicht. Manche von ihnen wollen sich nicht verschulden oder wohnen noch bei den Eltern und wissen nicht, dass sie dennoch gefördert werden können.
Von Friederike Meyer zu Tittingdorf • 14.07.2016

Wer ein Universitätsstudium absolviert hat, kann im Durchschnitt mit einem Einstiegsgehalt von 40000 Euro rechnen. Fast genau die gleiche Summe erhalten Studenten, die fünf Jahre lang studieren und dabei den Höchstsatz der Bundesausbildungsförderung, kurz Bafög genannt, beziehen. Nur ein Viertel davon, nämlich maximal 10000 Euro, müssen die Studenten später zurückzahlen, der Rest des zinslosen Darlehens ist quasi ein Geschenk des Staates. „Trotz dieser günstigen Bedingungen haben viele saarländischen Familien Scheu davor, einen Bafög-Antrag zu stellen. Wir können uns das nur damit erklären, dass sich der Saarländer an sich nicht gerne verschuldet. Sicherlich spielt aber auch die große Zahl der Studenten, die hierzulande während ihres Studiums bei den Eltern wohnen, eine Rolle“, erklärt Elke Wagner, Leiterin des Amtes für Ausbildungsförderung, das im Studentenwerk auf dem Saarbrücker Uni-Campus angesiedelt ist. Sie empfiehlt allen Abiturienten, deren Eltern über ein geringes bis mittleres Einkommen verfügen, sich genau zu informieren.

„Ob man Anspruch auf Bafög hat und wenn ja, in welcher Höhe, wird individuell berechnet. Dabei fließen auch Aspekte wie eigenes Vermögen oder die Zahl der Geschwister, die sich in Ausbildung befinden, mit ein. Empfehlenswert ist es daher, rechtzeitig vor Studienbeginn, einen Antrag zu stellen“, sagt Elke Wagner. Rund ein Dutzend Bafög-Berater stehen dafür zu festen Sprechzeiten im Untergeschoss der Mensa zur Verfügung, sie kennen alle gesetzlichen Vorgaben im Detail und beraten gerne jeden Antragssteller. „Am 1. August werden neue, verbesserte Bafög-Regelungen in Kraft treten. Die maximale monatliche Fördersumme liegt dann bei 649 Euro. Studenten, die noch bei den Eltern wohnen, können mit maximal 451 Euro rechnen. Außerdem wurde der Freibetrag für eigenes Vermögen auf 7500 Euro erhöht und Studenten dürfen einen 450 Euro-Minijob ausüben, ohne dass dies auf die Fördersumme angerechnet wird“, erläutert die Bafög-Beraterin.

Trotz der günstigen Bedingungen haben viele saarländischen Familien Scheu davor, einen Bafög-Antrag zu stellen.

Elke Wagner

Wer sich noch nicht ganz sicher ist, ob das gewählte Studienfach auch wirklich das Richtige ist, muss sich mit Blick auf die Bafög-Förderung keine Sorgen machen. „Wenn man im ersten oder zweiten Semester merkt, dass man mit dem Studienfach nicht klar kommt, kann man noch problemlos wechseln. Man muss dies nur unverzüglich dem Bafög-Amt mitteilen. In höheren Semestern ist ein Studienfachwechsel nur noch möglich, wenn es einen wichtigen Grund  gibt, ab dem vierten Fachsemester muss sogar ein ‚unabweisbarer Grund‘ vorliegen“, erklärt Elke Wagner. Ganz von alleine kommen die Bafög-Gelder auch nach dem ersten Antrag nicht auf das studentische Konto. So muss die staatliche Förderung für jedes Studienjahr neu beantragt werden und die Studenten müssen dem Bafög-Amt  Nachweise über den erfolgreichen Studienverlauf vorlegen. „Bis zum Ende des vierten Semesters muss man mindestens 90 Leistungspunkte erworben haben, die meisten Studienpläne schreiben lediglich 30 pro Semester vor. Das ist also keine besonders hohe Hürde“, sagt Wagner.

Besondere Vorteile bietet die staatliche Studienfinanzierung beim Auslandsstudium. „Bafög-Empfänger können sowohl im Bachelorstudium als auch im darauf aufbauenden Masterstudium mit erhöhtem Fördersatz ins Ausland gehen. Es werden sogar Studiengebühren an ausländischen Hochschulen bis maximal 4600 Euro pro Jahr übernommen“, erläutert die Bafög-Expertin.

Sie hilft auch Studenten weiter, die nicht in den Genuss dieser staatlichen Förderung kommen und mit wenig Unterstützung aus dem Elternhaus rechnen können. „Die KfW-Bank zum Beispiel bietet Studienkredite für die gesamte Studienzeit. Außerdem gibt es für die Endphase des Studiums den zinsgünstigen KfW-Bildungskredit, der dafür gedacht ist, dass man sich voll auf seine Abschlussprüfung oder Masterarbeit konzentrieren kann“, führt Wagner an.

Darüber hinaus schreiben zahlreiche Stiftungen aus der Wirtschaft oder von Parteien Stipendien aus. Diese richten sich nicht nur an besonders leistungsstarke Studenten. Auch wer sich sozial engagiert oder etwa durch einen Pflegefall in der Familie besonders belastet ist, hat hier Chancen. „Das Amt für Ausbildungsförderung tritt außerdem in Vorleistung, wenn Eltern ihren Kindern den gesetzlich vorgeschriebenen Unterhalt verweigern“, erläutert Elke Wagner. Sie wünscht sich, dass die Studieninteressierten die Möglichkeit der Beratung zur Studienfinanzierung auch nutzen. „Denn am Geld sollte hierzulande kein Studienwunsch scheitern“, meint die Bafög-Beraterin.

Infos:
www.studentenwerk-saarland.de
www.bafög.de
www.mystipendium.de

 

Amt für Ausbildungsförderung

Campus der Universität des Saarlandes, Geb. D 4.1 (Mensa), Untergeschoss

Öffnungszeiten: Montag 13:00 bis 15:00 Uhr, Mittwoch und Donnerstag 11:00 bis 12:30 Uhr, telefonisch auch täglich von 9:00 bis 15:00 Uhr (möglichst nicht während der Sprechstunden), Tel.0681/302-4992

Bafög-Finanzierung

Bafög-Höchstsatz

Rund 40.000 Euro

für 5-jähriges Studium

Maximale Rückzahlung bei Bafög

10.000 Euro

Quellennachweis
  • Bilder
    Oliver Dietze