Titelfoto: Annika Wahl

Annika Wahl an einem ihrer „absoluten Lieblingsorte“ in England: Warwick Castle

International studieren

Als Jura-Student ins Ausland? Na klar!

Eine Zeit lang im Ausland zu studieren, macht reicher: an Erfahrungen, an Freunden, an Lebenslust. Und es zahlt sich bei der Jobsuche aus. Mit über 550 Partner-Unis weltweit stehen Studenten der Saar-Uni die Wege offen. Allein die Juristen pflegen 65 internationale Partnerschaften. Trotzdem sind noch zu viele Jura-Studenten eher heimatverbunden.
Von Claudia Ehrlich • 14.09.2016

„So viele Abschiede diese Woche und es ist noch lange nicht vorbei!“ Auf einer Fotocollage zu diesem Blog-Eintrag vom 29. Mai lachen Annika Wahl und ihre Freunde aus Warwick dem Leser entgegen. Im Juni endete Annikas Erasmus-Studienzeit in England. Die Notizen in ihrem Internet-Tagebuch auf der Webseite „studieren weltweit“, wo sie bunte und persönliche Einblicke in ihr Leben in England gab, wurden schon Wochen vorher wehmütig. Der Abschied fiel ihr sichtlich schwer. „Ich konnte kaum glauben, dass es so schnell vorbeigegangen ist“, erzählt sie. Die 23-Jährige, die an der Saar-Uni Jura studiert, darf sich bald Euro-Juristin nennen und den Titel „Master2“ tragen. Hierfür studierte sie im französischen Lille und in Warwick.

„Nach dem Abi hatte ich ein Freiwilliges Soziales Jahr in Lille eingelegt und dort an einer Grundschule gearbeitet. Seitdem hat mich ein starkes Fernweh gepackt. Ich bin mit dem Auslandsjahr-Virus infiziert“, sagt sie. Da kam das Lille-Warwick-Programm gerade recht. „Gleich zwei Auslandsaufenthalte. Da war mir klar: Da muss ich mitmachen. Lille ist mir ans Herz gewachsen und England konnte ich neu entdecken.“

Portraitfoto: Claudia Ehrlich

Eine Zeit im Ausland ist bereichernd, die Studenten erweitern ihren Horizont in jeder Hinsicht, gewinnen an Selbstbewusstsein und Lebenserfahrung, an Kompetenzen, die prägen

Maria Cristina Sparapani-Pelster berät und betreut Studenten im Jura-„Auslandsbüro“

Trotzdem es nicht ihr erster Auslandsaufenthalt war, plagten Annika Ängste. „Was, wenn ich in der Vorlesung nicht mitkomme, keine Freunde finde, alles Gelernte zum deutschen Recht vergesse oder das Leben zuhause ohne mich weitergeht“, erzählt sie. Es sind diese Ängste, die viele Studenten von ihrem Glück im Ausland abhalten. „Wir haben hier so viele Möglichkeiten, so viele Partner-Unis in aller Welt, dass jeder Jurastudent die Chance nutzen sollte“, sagt Maria Cristina Sparapani-Pelster. Sie berät und betreut Studenten im Jura-„Auslandsbüro“. „Eine Zeit im Ausland ist so bereichernd, die Studenten erweitern ihren Horizont in jeder Hinsicht, gewinnen an Selbstbewusstsein und Lebenserfahrung, an Kompetenzen, die prägen.“ Die gebürtige Italienerin studierte und arbeitete in den USA, Frankreich und Spanien und weiß aus eigener Erfahrung, wovon sie spricht.

Auch Annika Wahl kann bestätigen: „Man wird selbstständiger und selbstbewusster und merkt, dass man viel mehr kann, als man vorher dachte.“ Professor Tiziana Chiusi, Auslandsbeauftragte der Fakultät, führt weitere Vorteile an: „Für das Erasmus-Studium fallen keine Studiengebühren an. Es gibt eine finanzielle Förderung, der Freischuss zum Jura-Staatsexamen verschiebt sich nach hinten. Also alle Wege sind frei, und bei zwei Programmen gibt es sogar noch einen akademischen Titel dazu.“

Es lohnt sich also, die Ängste zu überwinden. „Die sind meist ohnehin unbegründet“, sagt Annika Wahl. „Es ist relativ leicht, an der Uni Leute kennen zu lernen. In die Sprache bin ich gut reingekommen, das kommt von allein, wenn man den ganzen Tag Englisch hört, liest und spricht. Man entwickelt sich selbst extrem weiter. Zuhause dagegen scheint die Zeit stillzustehen, alle gehen ihrem Alltag nach. In den Ferien hab ich gemerkt: Bei guten Freunden ist es egal, ob man sich ein paar Monate nicht gesehen hat“, erzählt sie. Die Zusatzqualifikation, die sie erworben hat, macht sich im Lebenslauf gut: Wer neben dem deutschen Recht auch mit anderen Rechtsordnungen und -kulturen vertraut ist, hat gute Karten. „In vielen Stellenausschreibungen wird heute Auslandserfahrung verlangt“, merkt Tiziana Chiusi an.

Auch die Erfahrung an einer anderen Uni zu studieren, ist spannend. „Jeder hat einen persönlichen Tutor, der auf einen zukommt, und fragt, wie man zurechtkommt. Es wird viel in Kleingruppen unterrichtet und diskutiert. Zu jedem erdenklichen Hobby gibt es eine Society. Ich bin dem Blasorchester beigetreten“, berichtet Annika Wahl. Sie engagierte sich ehrenamtlich auch für behinderte Jugendliche. Die Prüfungen am Ende des Trimesters hat sie gemeistert und auch der Spaß kam nicht zu kurz. „Ich habe interessante Menschen aus aller Welt kennen gelernt. Und ich habe viel von England gesehen. Warwick liegt ziemlich in der Mitte und ist idealer Ausgangspunkt für Reisen auf die ganze Insel.“ Annika Wahl betont: „Ich kann jedem ans Herz legen, ins Ausland zu gehen.“ Also: Nur Mut und Ängste überwinden! Da draußen wartet das Abenteuer!
https://www.studieren-weltweit.de/welt-erleben/annika-wahl/

Foto: fotolia

Mit 550 Partneruniversitäten stehen an der Saar-Uni die Türen in alle Welt offen: Beste Bedingungen, um ein oder zwei Semester im Ausland zu studieren. Die Saarbrücker Rechtswissenschaft hält Austauschprogramme mit 65 Unis weltweit bereit. Bei zwei der Programme können die Studenten am Ende gar einen Titel erwerben: beim trilateralen Studienprogramm für Euro-Juristen Lille/Warwick den „Master2“ und in Kooperation mit der Universität Exeter einen Master of Laws (LL.M.).
Informationen:
www.uni-saarland.de/auslandsbuero-jura
www.uni-saarland.de/io

Ob und wie sich der „Brexit“ künftig auf die Erasmus+Förderung von Auslandsaufenthalten in England auswirken wird, lässt sich derzeit noch nicht sagen. In nächster Zeit läuft die Förderung des Austausches jedenfalls wie gehabt. Durch den Bestandsschutz in den laufenden Projekten ändert sich aktuell nichts. Die 2015 und 2016 genehmigten Kooperationen und Projekte können laut dem Deutschen Akademischen Austauschdienst DAAD wie geplant stattfinden. Was dann folgt, ist Ergebnis von Verhandlungen, die noch geführt werden müssen. Aber auch im schlimmsten Fall, selbst wenn keines der DAAD-Programme mehr greifen sollte, wäre trotzdem eine Förderung möglich: Die Saar-Uni schreibt zweimal jährlich im „UDS-Mobil-Progamm“ des Internationale Office Stipendien des DAAD für Auslandsaufenthalte von bis zu sechs Monaten Dauer aus. (http://www.uni-saarland.de/global/uds-mobil)

 

 

Foto Katrin Durst: privat

Katrin Durst hat ebenfalls das Master2-Programm Lille-Warwick absolviert. Das Foto zeigt sie am Beginn ihres Aufenthalts in Warwick bei der "Orientation Week": „Mich hat besonders angesprochen, dass ich beim Master2-Programm in Frankreich und in England studieren konnte. Ich wollte immer schon nach Frankreich, auch längere Zeit dort leben. In Lille zu studieren hat mir besonders gefallen, ich habe die Zeit dort sehr genossen. Es ist eine Stadt mit viel Flair, es gibt viel Kulturelles zu entdecken. Dafür empfiehlt es sich, in die Stadtmitte zu ziehen, auch wenn das teurer ist. Mein Zimmer hatte nur ein paar Quadratmeter – da habe ich auch gelernt, dass man gar nicht so viel braucht, wie man denkt. Und ich habe viele Leute aus aller Welt kennen gelernt. Gerade auch in England waren wir eine internationale Truppe. Es war eine einmalige Erfahrung, ein Blick über den Tellerrand, den ich nur jedem empfehlen kann.“

Foto Esra Leon Limbacher: privat

Esra-Leon Limbacher hat im englischen Exeter studiert und kann sich jetzt Master of Laws (LL.M.) nennen.
„Meine Befürchtung war zunächst, dass ich einiges vom deutschen Recht vergessen könnte. Aber das Europarecht ist ja sozusagen der gemeinsame Nenner. Zwar ist die Herangehensweise an das Recht von Land zu Land verschieden. Aber genau das hat sich für mich als das Interessante herausgestellt: dass man die andere Sichtweise verstehen lernt. Man lernt den englischen beziehungsweise französischen Blickwinkel kennen und erweitert so in jeder Hinsicht seinen Horizont. Und der eigene Blick wird objektiver. Man lernt auch die Vor- und Nachteile des eigenen Landes kennen. Wegen der Sprache braucht man sich auch nicht übermäßig viel Sorgen zu machen, da kommt man recht schnell rein.“

Foto Max Frenzel: privat

Max Frenzel hat gleichzeitig deutsches Recht und französisches Recht am Centre juridique franco allemand der Saar-Uni studiert und dann den Master2 absolviert. „Mich hat am Doppelstudium interessiert, verschiedene Rechtssysteme intensiv kennen zu lernen. Da war der Master2 eine sehr gute Ergänzung. Interessant war auch, zu sehen, wie sehr sich das Studium in Frankreich und England vom dem in Deutschland unterscheidet. In Lille ist es etwa üblich, dass man Wort für Wort mitschreibt, die Dozenten waren überrascht, als ich mir keine Notizen machte. In England spiegelt sich das Rechtssystem in der Lehre, der Schwerpunkt liegt dort auf Diskussionen in kleinen Gruppen. Besonders toll war das Freizeitangebot in England. Es ist ungeheuer vielfältig. Die Uni wird zum Mittelpunkt des Lebens und organisiert auch die Freizeit. Für fast jedes Interesse gibt es Societies und Sportgruppen.“

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    Titelfoto: Annika Wahl

    Foto: fotolia

    Foto Katrin Durst: privat

    Foto Esra Leon Limbacher: privat

    Foto Max Frenzel: privat

    Portraitfoto: Claudia Ehrlich