Gerhild Sieber

Felix Nimmrichter möchte nach seinem Abschluss gerne im betrieblichen Gesundheitsmanagement arbeiten.

Sportwissenschaft

Wo Sportstudenten neben Spitzenathleten trainieren

Sport in Wissenschaft und Praxis: Bachelorstudenten des Fachs Sportwissenschaft lernen die Grundlagen aller Teildisziplinen, bilden ihre eigenen sportmotorischen Fähigkeiten aus – und erwerben zudem viel praktische Erfahrung rund um das richtige sportliche Training. Der 24-jährige Felix Nimmrichter studiert Sportwissenschaft seit mehr als fünf Jahren an der Universität des Saarlandes und steht kurz vor dem Abschluss seines Masterstudiums.
Von Gerhild Sieber • 26.11.2020

„Im Bachelorstudium lernt man alle Wissenschaften rund um den Sport kennen“, sagt Felix Nimmrichter – und erläutert einige der Teildisziplinen: „Dazu gehört die Sportmedizin, sie vermittelt die biologischen Grundlagen und die Funktionsweise des Körpers. Dann die Sportpsychologie, wo es um psychologische Grundlagen geht, aber auch um deren Anwendung: Man lernt zum Beispiel, wie man als Trainer Feedback gibt, Leistungssportler motiviert oder die Leute beim Gesundheitssport dazu bringt, langfristig dabeizubleiben“, erläutert der Sportwissenschafts-Student. Weitere Studieninhalte seien die Sportsoziologie, einschließlich des Themas Doping, außerdem die Sportpädagogik und die Trainingswissenschaften: „Hier wird vermittelt, wie man beispielsweise Schnelligkeit, Ausdauer oder Kraft in ihren jeweiligen Ausprägungen und Kombinationen trainiert. Dazu gehören auch die Bewegungswissenschaften, wo es unter anderem um die optimalen Winkel bei der Ausführung einer Bewegung geht – aber auch um das entsprechende Feedback des Trainers.“ Allerdings könne man die verschiedenen Teilwissenschaften nicht immer klar voneinander trennen. „Vielmehr setzt sich das interdisziplinäre Wissen, das man sich im Studium aneignet, allmählich zu einem großen Ganzen zusammen; daraus kann man dann je nach Situation und Fragestellung schöpfen“, sagt Nimmrichter. Über die sportwissenschaftlichen Inhalte hinaus lernen die Studentinnen und Studenten auch Grundlagen im Personalmanagement, im Sportrecht sowie in Sportökonomie und Sportjournalismus kennen.

Zudem gibt es ein breites Angebot im Wahlbereich, das es jedem ermöglicht, eigene fachliche Schwerpunkte zu setzen. Felix Nimmrichter hat sich auf Gesundheitssport und Sporttherapie konzentriert und in seiner Bachelorarbeit das Thema „Haltungsanalyse“ bearbeitet: „Ich habe den Rumpf von Jugendfußballern in Bezug auf ihre Körpergröße, das biologische Alter  und Haltungsabweichungen untersucht“, erzählt der 24-jährige Saarländer.

Auch die sportliche Praxis nimmt im Bachelorstudium viel Raum ein: „Ganz besonders im ersten und zweiten Semester treibt man viel Sport, oft hat man zwei Kurse am Tag. Damals war ich total fit“, erzählt der Student lachend – und zählt auf: „Man belegt zwei von drei ‚Zielschusssportarten‘. Dazu zählen beispielsweise Fußball, Basketball und Handball.“ Zudem wählt man zwei „Rückschlagsportarten“ – angeboten werden Badminton, Volleyball, Tischtennis oder Tennis. Hinzu kommen die Pflichtfächer Leichtathletik, Schwimmen, Turnen und Tanzen. „Beim Tanzen sind derzeit Jazz und Modern Dance an der Reihe. Vor allem für die Jungs ist das anfangs ein bisschen komisch, aber nach zwei bis drei Wochen macht es wirklich Spaß.“ Prima sei, dass die Studenten in den Kursen auch Teile der Seminare übernehmen müssen, beispielsweise das zielgerichtete Aufwärmen für ein bestimmtes Training im Hauptteil, da man daraus extrem viel lernen könne.

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Nur 15 Minuten Bewegung am Tag, beispielsweise zügiges Gehen, trägt mit dazu bei, schweren Krankheiten im Alter vorzubeugen.

Felix Nimmrichter

Zudem gehören zwei Praktika zum Studium. „Beim semesterbegleitenden Praktikum im ersten Semester hospitieren viele Studenten in ihrem Sportverein oder Fitness-Studio – und wählen damit leider die einfache Variante“, sagt Felix Nimmrichter, der seit vielen Jahren Studienanfängerinnen und -anfänger berät. „Sinnvoller ist es, das Praktikum irgendwo zu absolvieren, wo man sich noch nicht so gut auskennt“, rät der Mentor. Ein zweites vierwöchiges Praktikum sei nach dem vierten Semester zu absolvieren. Besonders beliebt seien die Exkursionen, die zum Studium gehören, beispielsweise Segeln und Surfen in Luxemburg, Mountainbiken oder Skifahren im Pitztal – „die sind ganz schnell ausgebucht“. Das mache viel Spaß, die Dozenten seien super-relaxed; jedoch sei auch ein bisschen Arbeitsaufwand damit verbunden, denn man müsse immer auch ein Thema präsentieren.

Referate gehören auch sonst zum Studium und werden als Studienleistungen gewertet. „Dadurch lernt man, vor Gruppen zu stehen und Themen zu präsentieren – das hilft einem in allen Bereichen“, ist der 24-jährige Saarländer überzeugt. „Zudem bekommt man immer ein gutes Feedback, auch das bringt einen weiter“, erzählt er von seinen Erfahrungen. Daneben stehen Klausuren und mündliche Prüfungen an – beispielsweise in Anatomie und Physiologie, dazu kommen Vorturnen und -schwimmen, und beim Tanzen gibt es eine Einzel- und eine Gruppenpräsentation, berichtet Felix Nimmrichter. Zudem sei die Betreuung in der Fachrichtung prima: „Die Dozenten kennen fast alle Studenten mit Namen und sind meist auch spontan nach der Lehrveranstaltung ansprechbar. Wir sind hier 300 bis 400 Sportstudenten, und durch den gemeinsamen Sport kennen sich fast alle.“ Besonders cool findet er es, dass man als Student ab und zu neben Spitzenathleten trainiert, beispielsweise neben Jan Frodeno in der Schwimmhalle.

Inzwischen steht Felix Nimmrichter kurz vor seinem Abschluss im Masterstudium. Hier hat er sich auf den Leistungssport und den Gesundheitssport konzentriert. „Mein berufliches Ziel ist es, im betrieblichen Gesundheitsmanagement zu arbeiten – allerdings bin ich mir noch nicht sicher, ob als selbstständiger Berater und Coach oder in einem großen Betrieb.“ Den Grundstein dafür habe sein zweites Praktikum gelegt: „Das habe ich in einem Saarbrücker Orthopädie-Geschäft absolviert, in dem unter anderem Lauf- und Haltungsanalysen durchgeführt werden.“ Seither arbeitet Nimmrichter dort neben seinem Studium; zudem ist er als Freiberufler im betrieblichen Gesundheitsmanagement tätig: „Ich leite beispielsweise ‚Bewegte Mittagspausen‘ bei Globus und bei Scheffler in Homburg.“ Dabei könne man den Leuten auch viel Grundlegendes vermitteln: „Nur 15 Minuten Bewegung am Tag, beispielsweise zügiges Gehen, trägt mit dazu bei, schweren Krankheiten im Alter vorzubeugen“, hat er im Studium gelernt.

Absolventen sind beispielsweise in Reha-Kliniken tätig, leiten Fitness-Studios oder arbeiten in der Entwicklung von Sportgeräten und Fitnessprodukten, erzählt er. Aber auch in Führungspositionen beispielsweise bei Sportartikel-Anbietern oder in der Tourismusbranche. Auch die Forschung bietet berufliche Perspektiven; so werde in Saarbrücken an ganz unterschiedlichen Themen geforscht, beispielsweise zum Doping in der Sportsoziologie, zur Regeneration in der Sportmedizin oder zum Thema Zuschauereinfluss in der Sportpsychologie. „Für Studienabsolventinnen und -absolventen gibt es viele berufliche Möglichkeiten, und die Richtung, die man einschlagen will, findet man im Studium. Wichtig dabei ist vor allem die Persönlichkeit, die sich während des Studiums entwickelt hat“, ist Nimmrichter überzeugt.

Felix Nimmrichter war bereits im Bachelorstudium als Mentor tätig, also Ansprechpartner für neue Studentinnen und Studenten der Fachrichtung. Fast ebenso lange ist er erster Vorsitzender des Fachschaftsrates, der die Interessen der Studentinnen und Studenten vertritt. „Ich bin gerne für andere da und organisiere auch gerne, beispielsweise Einführungsveranstaltungen für die Erstsemester – damit ergänzen sich diese beiden Tätigkeiten prima“, erzählt er.

Weitere Infos

zum Bachelorstudiengang. Voraussetzung für das Studium ist (neben der Allgemeinen Hochschulreife) auch das Deutsche Sportabzeichen in Silber.

Die Universität bietet zwei konsekutive Masterstudiengänge an:
den Master Gesundheitssport sowie den englischsprachigen Master „High-Performance Sport“, der sich vor allem mit aktuellen Themen des internationalen Hochleistungssports beschäftigt.

Zudem gibt es den Aufbaustudiengang „Sport-/Gesundheitsmanagement“; der kostenpflichtige Fernstudiengang vermittelt strategische Managementkompetenzen und wird in Kooperation mit der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement durchgeführt.

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