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Anglistik

Anglisten vernetzen sich mit Frankreich und Polen

Über europäische Grenzen hinweg britische Literaturen und Kulturen diskutieren, gemeinsam forschen und lehren und den Austausch fördern: Das ist das Ziel von zwei Kooperationen der Anglistik der Saar-Universität. Mit der Université de Lorraine unterzeichneten die Anglisten kürzlich eine Vereinbarung zur gemeinsamen Lehre. Mit der Universität Warschau gibt es seit Jahren wechselseitige Besuche von Wissenschaftlern. Im Juni kamen die drei Partner in einem Workshop zu „Utopien und Dystopien“ zusammen.
Von Jana Burnikel • 05.07.2019

Obwohl Metz und Nancy, die beiden Standorte der Université de Lorraine, nicht weit von Saarbrücken entfernt sind, hat es fast zwei Jahre gedauert, bis Anglistik-Professor Joachim Frenk die Kooperationsvereinbarung unter Dach und Fach hatte. Es war nicht üblich, dass sich Deutsche und Franzosen gemeinsam mit den britischen Nachbarn beschäftigen. Nun sollen jedes Semester Dozentinnen und Dozenten von beiden Universitäten wechselseitig Seminare und Vorträge anbieten. „Wir können damit unseren Studierenden eine größere Bandbreite an Themen präsentieren: Während die Dozenten der Université de Lorraine beispielsweise Seminare zur Lyrik des Ersten Weltkriegs oder zum schottischen Nationaldichter Robert Burns anbieten, beschäftigen wir uns mit Shakespeare oder mit James Bond als kulturelle Ikone“ erläutert Joachim Frenk. Ein Austausch in der Lehre zwischen beiden Universitäten fand bereits vor der offiziellen Vereinbarung statt: So sprach Professor Frenk in Frankreich bereits zu den Shakespeare-Jubiläen und im Jahr 2016 fand an der Saar-Uni noch vor dem Brexit-Referendum ein Workshop zu Nordirland und den Brexit-Folgen mit einer französischen Gastdozentin statt. „Das gemeinsame Studieninteresse zur britischen Literatur und Kultur verbindet, aber oft ist das, was wir tun, auch untrennbar von politischen Themen“, so Professor Frenk. „Viele Aspekte, die bereits in dem damaligen Seminar zu Nordirland und den Brexit-Folgen erarbeitet haben, insbesondere die drohende harte Grenze in Irland, gingen erst nach dem Referendum durch die weltweite Medienlandschaft.“

Eine neue Perspektive haben nun auch die polnischen Studentinnen und Studenten sowie ihre Dozenten eingebracht, die an dem trinationalen Workshop teilnahmen. Über das Erasmus-Programm haben einige schon die Möglichkeit, sich länger an der Universität des Saarlandes aufzuhalten. Der von Professor Frenk initiierte wissenschaftliche Austausch auf wechselseitigen Konferenzen in Warschau und Saarbrücken findet bereits zum fünften Mal statt. Diese Zusammenarbeit wird durch das Ostpartnerschaften-Programm des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) finanziell gefördert.

Polen ist ein wunderschönes Land. Ohne den Austausch wäre ich nicht auf die Idee gekommen, dorthin zu reisen.

Sanja Bentz, Anglistik-Doktorandin

„Frankreich, Polen und Deutschland haben jeweils ein etwas anderes akademisches System. Daher ist es spannend, andere wissenschaftliche Perspektiven auf britische Literatur durch die Brille der ausländischen Studierenden und Dozenten zu sehen,“ sagt Sanja Bentz, die bei Professor Frenk promoviert. Sie erlebt den Austausch mit der Universität Warschau bereits zum vierten Mal und konnte im letzten Jahr beim Besuch in Warschau ihre Forschungsarbeit vorstellen. „Polen ist ein wunderschönes Land, aber nicht das typische Urlaubsziel. Ohne den Austausch wäre ich wahrscheinlich nicht auf die Idee gekommen, nach Polen zu reisen“, so Sanja Bentz.
 
Bei dem trinationalen Workshop im Juni 2019 in Saarbrücken zum Thema „Utopien und Dystopien“ haben sich die Studierenden unter anderem mit Margaret Atwoods The Handmaid’s Tale (a ktuell die Vorlage einer erfolgreichen TV-Serie) und dem Film zum Bestseller des aktuellen Literaturnobelpreisträgers Kazuo Ishiguro, Never Let Me Go, beschäftigt. Zum Auftakt des Workshops sprach John Roe, emeritierter Professor der Universität in York, zur Geschichte der Utopien.

Bei dem trinationalen Workshop der Anglistik diskutierten Studentinnen und Studenten aus Warschau, Nancy, Metz und Saarbrücken mit den Dozentinnen und Dozenten aus Deutschland, England, Frankreich und Polen.

Trinationale Anglistik-Kooperation

Joachim Frenk, Professor für britische Literatur und Kulturwissenschaft, hat die Kooperationen mit der Université de Lorraine und der Universität Warschau ins Rollen gebracht. Auf dem linken Foto sind die Forscherinnen und Forscher des trinationalen Workshops zu sehen. Von links nach rechts: Heike Missler (Saar-Uni),  Dorota Babilas (Universität Warschau), Diane Leblond (Université de Lorraine), Pawel Rutkowski (Uni Warschau), Professorin Isabelle Gaudy (Université de Lorraine), dahinter Professor Joachim Frenk, Professor John Roe (Universität York), Professorin Astrid Fellner und Lena Steveker (Saar-Uni). 

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