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Teure Mieten

Im Saarland reicht der Platz in der Studentenbude

Ein Studium ist nicht nur inhaltlich anspruchsvoll. Auch finanziell ist die Zeit an der Uni eine Herausforderung für viele. Insbesondere die Miete bereitet vielen Studenten, aber auch deren Eltern, Kopfzerbrechen. Ein Studium in Saarbrücken ist dabei um ein Vielfaches günstiger als in teuren Städten wie Frankfurt oder München. Mehrere Hundert Euro können alleine durch die günstigere Miete gespart werden.
Von Thorsten Mohr • 16.05.2019

Alljährlich nach den Abiturprüfungen setzt eine mittlere Völkerwanderung innerhalb Deutschlands ein. Zigtausende junge Männer und Frauen verlassen das elterliche Nest, um in der Ferne ein Studium zu beginnen. Neben der Wahl des Studienfachs, der Einschreibung oder Bewerbung, Behördengängen und anderen Dingen gehört natürlich die Wohnungssuche ganz nach oben auf die To-do-Liste. Also ab ins Internet und nachgeschaut: Eine kleine Wohnung um die 30, 40 Quadratmeter ist gefragt, vielleicht auch ein WG-Zimmer. In Frankfurt am Main greift man dafür tief in die Tasche: 700 Euro Kaltmiete in der Innenstadt sind keine Seltenheit. Oder doch lieber das kleine, feine 20-Quadratmeter-Apartment im Herzen von München für knapp über 800 Euro Kaltmiete? Manch einer würde zynisch sagen: immerhin noch unter 1000 Euro!

Wem solche Mondpreise zu viel sind oder die Großstadt zu hektisch, den zieht es vielleicht ins Fachwerk- und Altbau-Idyll einer traditionsreichen Studentenstadt wie Tübingen oder Heidelberg. Aber auch hier ist die Suche nicht wirklich erfolgreicher, besser gesagt kostengünstiger: In Tübingen werden um die 500 Euro Kaltmiete und in Heidelberg 500 bis 600 Euro kalt für ein WG-Zimmer fällig.

Für Saarbrücken liest sich die Stichprobe schon deutlich angenehmer, so dass auch Kinder von Nicht-Lottogewinnern ein auskömmliches Dasein fristen können, wenn sie zum Studieren hierherkommen. Zwischen 200 und 300 Euro Kaltmiete verlangen Vermieter für ein Zimmer oder eine kleine Wohnung in Innenstadtlage.

Dieses Bild bestätigt auch eine Erhebung von „immowelt.de“. Das Online-Portal hat in den Jahren 2016 und 2017 über 88.000 Wohnungsinserate für Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen in 67 deutschen Unistädten untersucht. Saarbrücken zählt dabei mit durchschnittlich 270 Euro Kaltmiete für eine kleine, studententaugliche Unterkunft zu den günstigeren Städten in Deutschland. Der durchschnittliche Kommilitone in Heidelberg (370 Euro), Frankfurt (470 Euro) oder gar München (700 Euro) hat am Ende eines Monats also deutlich weniger in der Tasche als sein Pendant im Saarland.

Wer großes Glück hat, kann sogar noch ein paar Euro zusätzlich sparen, wenn er einen Platz im Studentenwohnheim ergattert. Einzimmer-Apartments gibt es im Saarland bereits ab 236 Euro – warm, wohlgemerkt. Ein Wermutstropfen ist allerdings die geringe Unterbringungsquote, also die Plätze im Studentenwohnheim gemessen an der Zahl aller Studenten in der Stadt. Hier kommt Saarbrücken laut Deutschem Studentenwerk nur auf 5,9 Prozent (668 Plätze auf 21.168 Studenten aller Hochschulen im Wintersemester 2017/18). Der Standort Homburg lässt die Quote ein wenig schmeichelhafter aussehen: Dank 447 Plätzen für 2186 Studenten (20,45 Prozent) steigt die Gesamtquote fürs Saarland auf 7,26 Prozent. Ein guter Wert ist das jedoch nicht. Reiche Bundesländer wie Baden-Württemberg (knapp 13 Prozent) und Bayern (rund 10 Prozent) liegen messbar über der saarländischen Unterbringungsquote. Diese dürfte sich erst dann wieder merklich verbessern, wenn ein Ersatz für das vor Jahren geschlossene Wohnheim D auf dem Saarbrücker Uni-Campus geschaffen wurde. Hier ist das Land gefragt, das das Geld für einen Neubau bereitstellen muss.

Mit einem Platz im günstigen Wohnheim kann es auch einem Studienanwärter in München gelingen, ein Zimmer für weniger als 500 Euro Warmmiete zu ergattern – wenn das Losglück mitspielt, denn in München werden die Zimmer nicht selten unter der großen Bewerberschar verlost.

Wer hingegen keine allzu große Affinität zum Glücksspiel hat, sollte sich nicht lange mit Hoffen und Bangen herumschlagen. Denn auch das zeigt die Erfahrung: Zwar sind viele Nicht-Saarländer erst einmal skeptisch, wenn sie aus pragmatischen Gründen zum Studium hierher kommen. Nach dem Studium wollen viele aber auch gar nicht mehr weg – egal, ob sie im Wohnheim, in der WG oder in einem kleinen Studentenapartment gewohnt haben.

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