Thorsten Mohr

Die Herrin der Postfächer: Ulrike Prinz und ihre Kolleginnen und Kollegen verteilen täglich rund 3000 Briefe und Päckchen

Poststelle

Wenn die Postfrau 600.000-mal klingelt

Die Poststelle der Saar-Uni managt über 600.000 Sendungen pro Jahr. Sie stellt Briefe und Päckchen pünktlich an die einzelnen Empfänger zu und bringt auch deren Post zügig in Umlauf. Damit dies gelingt, müssen Ulrike Prinz und ihre vier Kolleginnen und Kollegen viele kleine Details im Tagesablauf beachten. Das kann manchmal aufreibend sein. Spaß macht es in jedem Fall, wie ein Besuch in der Poststelle zeigt.
Von Thorsten Mohr • 13.12.2018

Tausende Uni-Mitarbeiter nehmen es täglich als gottgegeben hin, die Professorin genauso wie der Doktorand oder die Mitarbeiterin der Verwaltung: Jeden Tag flattert ein mehr oder weniger dickes Bündel Briefumschläge, Päckchen und Pakete auf den Schreibtisch. Und auch wenn nun die Weihnachtszeit ins Haus steht, fallen sie natürlich nicht vom Himmel oder werden vom Weihnachtsmann geliefert. Es sind auch keine himmlischen Heerscharen dafür verantwortlich, im engeren Sinne noch nicht einmal irdische Heerscharen. Gerade einmal fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Poststelle organisieren die Zustellung von über 600.000 Briefsendungen, Päckchen und Paketen im Jahr an die richtigen Stellen und sorgen dafür, dass eilige Lieferungen, teure wissenschaftliche Apparaturen oder Briefe ans andere Ende der Welt sicher und zuverlässig ihre Reise von der Uni in die Welt antreten. Rund 112.000 Briefe und Päckchen verlassen davon die Uni im Jahr, rund 528.000 Briefe erreichen die Universität oder werden intern verschickt. Pro Arbeitstag macht das rund 3000 Sendungen, die es zielgenau und pünktlich von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Poststelle zu verteilen gibt.

Die Chefin der zwei Frauen und zwei Männer ist Ulrike Prinz. Ihre nunmehr zehnjährige Erfahrung in der Poststelle kann sie jederzeit in Informationen umsetzen. „Ulli, wie lautet noch die Kostenstelle des Lehrstuhls soundso?“, fragt ihre Kollegin Pia Scholl von drüben. Kurz unterbricht Prinz ihren Satz und ruft die passende Kostenstelle in den Nachbarraum zu Pia Scholl und Michaela Schmitt, dann geht es weiter: Ulrike Prinz erzählt von genetischen Proben, die für die Wissenschaftler per Expresslieferung in ein Labor außerhalb Deutschlands geschickt werden müssen („Trockeneis gilt außerhalb Deutschlands als Gefahrgut, daher nehmen wir nicht das zur Kühlung der Proben, sondern Kühlakkus. Dann klappt der Versand reibungsloser.“), von hunderten Kilometern täglichen Fahrten ihrer Mitarbeiter von und nach Homburg, zum  Campus Dudweiler, zum Zema auf dem Eschberg, nach St. Ingbert zum Fraunhofer-Institut, zur Villa Europa und nicht zuletzt zum Standort Meerwiesertalweg, wo seit einem knappen Jahr ein großer Teil der Zentralen Verwaltung sitzt. Dorthin bringen ihre Kollegen Sven Görner und Roger Herscher die empfangenen Postsendungen und holen gleichzeitig die abgehende Post mit zur Poststelle.

Und sie erzählt vom Nachtbriefkasten, der für viele Studentinnen und Studenten eine buchstäblich existenzielle Bedeutung hat. „Viele Arbeiten und Prüfungsunterlagen müssen ja bis zu einem bestimmten Termin abgegeben worden sein“, erläutert sie den Hintergrund. Der Nachtbriefkasten garantiert dies: Jede Nacht Schlag Mitternacht leert ein Mitarbeiter den Briefkasten und quittiert mit einem Stempel den fristgerechten Eingang der bis 23.59 Uhr eingeworfenen Sendungen. Schon manch Student oder Studentin dürfte die bloße Existenz des Nachtbriefkastens die akademische Haut gerettet haben.

 

Als seien diese „normalen“ Aufgaben noch nicht genug, managen Ulrike Prinz und ihr Team nebenbei noch die Materialausgabe für die gesamte Universität und organisieren kleinere logistische Aufgaben. „Wenn jemand ein paar Schreibtische auf dem Campus transportieren muss oder ein paar Kisten von A nach B bringen muss, machen wir den Umzug. Natürlich nur im kleinen Maßstab“, erklärt die Post-Chefin der Uni.

Das klingt alles furchtbar stressig. Und beim Besuch in der Poststelle schwirren auch alle emsig umher, sortieren Sendungen, registrieren Sendungsverfolgungsnummern in Exceltabellen, schleppen gelbe Postkisten rein und wieder raus in den Transporter, bedienen zwischenzeitlich Kundschaft, die Papier, Blöcke und andere Büromaterialien am Schalter abholt. Spaß haben sie trotzdem alle, auch das ist offenkundig. Das liegt vor allem daran, dass sich die Kolleginnen und Kollegen untereinander sichtlich gut verstehen.

Aber auch die ein oder andere Zusendung sticht aus den Hunderttausend Routinesendungen im Jahr heraus und sorgt für Erheiterung. Da kommen Briefe an, die lediglich an eine „Claudia“ ohne Nachnamen oder sonstige Anschrift adressiert sind (oder doch „Christina“?), und auch der gescheiterte Kandidat für den CDU-Vorsitz, Friedrich Merz, scheint Freunde an der Saar-Uni zu haben: Wie anders ist es zu erklären, dass auch mal ein Bierdeckel an der Uni ankommt, der als Postkarte fungiert? Womöglich hat ihn der Erfinder der Steuererklärung auf dem Bierdeckel einem hiesigen Freund geschickt? Wobei die Indizien hier doch eher gegen den Sauerländer sprechen, es sei denn, er hat ein Faible für ostsaarländische Brauereispezialitäten.  

Die Lösung des Rätsels, wer tatsächlich hinter dem Bierdeckel-Brief steckt, bleibt natürlich geheim. Postgeheimnis.

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