Nemak
Ingenieurberuf

Von der Kunst, Motorblöcke aus Aluminium zu gießen

Welche Karrierechancen saarländische Firmen bieten, wissen Uni-Absolventen oft nicht so genau. Studenten der Materialwissenschaft besuchten daher Nemak in Dillingen und staunten, wie anspruchsvoll die Herstellung der Motorkomponenten ist.
Von Friederike Meyer zu Tittingdorf • 15.11.2015

Um einen Motorblock aus Aluminium herzustellen, benötigt man nur einige Grundzutaten. Für den Laien klingt das nach einfachem Kochrezept: Zuerst wird eine Sandmischung mit Kunstharz vermischt und in speziellen Formen ausgehärtet. Aus bis zu 36 einzelnen Sandformen wird dann ein Kernpaket erstellt, sozusagen die „Backform“ für die Motorkomponenten. „Das geschmolzene Aluminium füllt man mit einer Temperatur von über 700 Grad Celsius behutsam in diese Form. Es enthält noch verschiedene andere Metalle, um die Festigkeit des Motorblocks zu verbessern. Dieser erstarrt in der gehärteten Sandform als ein kompaktes Bauteil“, sagt Martin Casper, der bei Nemak in Dillingen verschiedene Produktionslinien betreut.

Was einfach klingt, ist in der Praxis ein anspruchsvoller Prozess. „Wie beim Umgang mit Lebensmitteln sind hier etwa die Temperatur und Zeit, sowie der Kontakt mit den anderen Zutaten oder der Umgebung wichtig, um ein perfektes Ergebnis zu erzielen“, ergänzt Casper, der selbst an der Saar-Uni Materialwissenschaft und Werkstofftechnik studiert hat. Gemeinsam mit seinem Kollegen Gerald Klaus, einem promovierten Materialwissenschaftler, erläutert er den Saarbrücker Studenten den Produktionsprozess. „Bis ein neuer Motor in Serie hergestellt wird, durchläuft das Bauteil eine dreijährige Entwicklungsphase. In dieser Zeit wird das CAD-Modell bis zu zwanzig Mal zwischen dem Kunden und Nemak hin- und hergeschickt. Wir pflegen dann einen besonders engen Kontakt mit dem Kunden, um dessen Wünsche zu erfüllen und gleichzeitig die Bauteile für die Produktion zu optimieren“, sagt Gerald Klaus.

Ich kann mir gut vorstellen, nach meinem Abschluss an der Saar-Uni in der Automobilindustrie zu arbeiten.

Um einwandfreie Motorkomponenten zu erhalten, werden die gleichen Analysemethoden angewendet, die die Studenten in den Forschungslaboren der Uni kennenlernen. „Bei der Qualitätsprüfung spielen etwa die Röntgenanalyse und Metallographie eine wichtige Rolle. Es wird aber auch die Computertomographie eingesetzt, um die Bauteile auf mögliche Fehler zu untersuchen“, erklärt Klaus. Auch in der Serienherstellung würden die Motorkomponenten später umfangreich geprüft. Nur so könne die Qualität der über zwei Millionen Bauteilen, die das Nemak Werk jährlich verlassen, gesichert werden.

Die Studenten zeigen sich beeindruckt davon, wie sauber und modern die Fertigungsstraßen in der Aluminium-Gießerei aussehen. Selina Dietz imponieren vor allem die Industrieroboter, die im Sekundentakt die Gussform aus verschiedenen Einzelteilen zusammensetzen. Die 23-Jährige schreibt zurzeit ihre Masterarbeit bei Nemak und untersucht Methoden, mit denen die mechanischen Eigenschaften der Bauteile verbessert werden können. „Neben Silizium und Kupfer, von denen die Aluminiumlegierung einige Prozent enthält, kommen noch weitere Elemente wie Strontium zum Einsatz. Hiervon werden nur wenige hundertstel Prozent benötigt, um die Motorkomponenten zum Beispiel noch stabiler zu machen. Meine Aufgabe ist herauszufinden, ob man ohne Qualitätsverlust auch Natrium statt Strontium zusetzen kann“, erklärt Dietz ihre Aufgabe.

Die Ingenieure bei Nemak betreuen solche Bachelor- und Masterarbeiten, um gemeinsam mit den Studenten die Verfahren weiterzuentwickeln. „Nemak mit derzeit rund 1.200 Mitarbeitern am Standort Dillingen hat allein in den vergangenen zwei Jahren mehr als hundert neue Mitarbeiter eingestellt. Für hochqualifizierte Tätigkeiten, für die wir zum Beispiel Materialwissenschaftler benötigen, kann ein Praktikum oder eine Facharbeit der Einstieg sein. Wir bekommen aber auch viele Initiativbewerbungen, die wir uns genau anschauen. Spezielle Aufgabengebiete schreiben wir auch über Online-Portale aus“, sagt Martin Casper. Er empfiehlt den Saarbrücker Studenten, sich um einen Praktikumsplatz schon ein halbes Jahr im Voraus zu bewerben.

„Auch wer eine Zeitlang im Ausland arbeiten will, hat bei Nemak Möglichkeiten. Das Unternehmen gehört zu einem mexikanischen Konzern und hat weltweit 35 Werke, etwa die Hälfte davon in Nordamerika“, ergänzt Casper. Er schätzt in seinem Beruf, dass dieser auch viel mit Kommunikation zu tun. Die Abstimmung zwischen Entwicklern, Gießerei-Mitarbeitern und den Kunden reizt auch die Masterstudentin Selina Dietz. Sie kann sich gut vorstellen, nach ihrem Abschluss an der Saar-Uni in der Automobilindustrie zu arbeiten.

Nemak in Dillingen
Nemak

Wikipedia

Quellennachweis