privat
Sensorforschung

Richtiger Riecher und gutes Timing

Studiert hat er schon vor dem Abi, vom ersten Tag des Studiums an arbeitete er am Lehrstuhl, er forschte an der Saar-Uni und in Schweden an Sensoren, die Gase erschnuppern. Jetzt bekam Christian Bur den Messtechnik-Preis 2015. Seine Forschung kann dazu beitragen, Abgase von Autos und Industrie besser zu reinigen und die Luftqualität zu verbessern.
Von Claudia Ehrlich • 10.11.2015

Bei Christian Bur hat alles gepasst. Der Ingenieur hat offenbar den richtigen Riecher und ein Händchen für Timing. „Wie alles gekommen ist, war unvorhersehbar. Das hätte ich nie so planen können. Ich war einfach offen und hab zugepackt, wenn sich mir eine Chance bot“, sagt der 30-jährige Ingenieur. Und Spaß gemacht hat es ihm außerdem. Denn das Thema, das es ihm angetan hat, erwies sich nicht nur als spannend, sondern öffnete ihm international Türen. Die Rede ist von Sensoren, die kleinste Spuren von Schadstoffen und Gasen in der Luft aufspüren. Diese Meisterstücke der Messtechnik sind die Spezialität von Professor Andreas Schütze von der Saar-Uni. Christian Bur, der bereits vor dem Abi Juniorstudent in der Mechatronik war, forschte während des Studiums in Schützes Team an den Gassensorsystemen, die die Luftqualität in Innenräumen überwachen oder Schadstoffe in Abgasen messen. „Sie können eingesetzt werden, um Abgase besser zu reinigen, so dass die gefährlichen Stickoxide nicht in die Atmosphäre gelangen, oder auch um Gebäude zu lüften, wenn die Schadstoffkonzentration im Innern zu hoch wird“, erklärt Bur.

Seit einem Erasmus-Studienaufenthalt in Linköping forschte Bur auch im Team von Professor Anita Lloyd Spetz, die neue Gassensoren entwickelt. „Ich wusste vorher ehrlich gesagt gar nicht, dass ihre Gruppe zur Weltspitze zählt. Als ich in Schweden an der Uni war, hörte ich, dass auch dort an Gassensoren gearbeitet wird, und da habe ich einfach einen Termin vereinbart.“ Bingo. Er brachte so nebenbei die Zusammenarbeit der Forscher-Teams von Schütze und Lloyd Spetz ins Rollen, die heute in mehreren großen Forschungsprojekten gegen Luftverschmutzung und für den Umweltschutz kooperieren. „Lloyd Spetz entwickelt neuartige Gassensoren und unser Spezialgebiet ist es, bestehende Sensoren sensibler, selektiver und genauer zu machen, das passt also gut“, sagt Andreas Schütze. Burs Forschungen kamen voran: „Er konnte dazu beitragen, Messsysteme wesentlich zu verbessern, sie selektiver und sensitiver zu machen. Seine Ergebnisse haben weitere Forschungen angestoßen und neue Projekte ermöglicht“, sagt Schütze.

(Foto (Prof. Schütze): ZeMA

Christian Burs Ergebnisse haben weitere Forschungen angestoßen und neue Projekte ermöglicht

Ganze 47 wissenschaftliche Veröffentlichungen kann Bur aus seiner Zeit am Lehrstuhl vorweisen, darunter 14 Artikel in Fachzeitschriften im Rahmen der Promotion. In 32 Konferenzbeiträgen hat er seine Ergebnisse in aller Welt präsentiert. „Auch auf Hawaii“, sagt Bur, der heute als Entwicklungsingenieur bei der Kaiserslauterer Firma Wipotec arbeitet. „Ich kann nur jedem empfehlen, während dem Studium ins Ausland zu gehen. Das war für mich ein Highlight.“

Im April hat Bur seine deutsch-schwedische Doppelpromotion abgeschlossen, hat also den Doktortitel beider Unis. Ermöglicht hat dies das DocMASE-Programm, das die Saar-Uni in den Materialwissenschaften mit Linköping verbindet. Den mit 2.000 Euro dotierten Messtechnik-Preis des Arbeitskreises der Hochschullehrer für Messtechnik gab es nun obendrauf. „Es war eine unvergesslich schöne Zeit mit tollen Erfahrungen.“ Es hat eben alles gepasst, bei Christian Bur, der ohne Zweifel den richtigen Riecher und ein Händchen für Timing hat.

Foto (Preisverleihung): Institut für Prozessmess- und Sensortechnik, TU Ilmenau

Der Arbeitskreis der Hochschullehrer für Messtechnik (AHMT) zeichnete den 30-jährigen Ingenieur für herausragende wissenschaftliche Leistungen in seiner binationalen Doktorarbeit mit dem Messtechnik-Preis 2015 aus. Die Preisverleihung fand Ende September an der TU Ilmenau statt: Links der Vorsitzende des AHMT, Prof. Fernando Puente León vom Karlsruher Institut für Technologie, Christian Bur (Mitte) und Prof. Andreas Schütze.

Wissenschaftliche Publikationen von Christian Bur

47

14 in Fachzeitschriften

Foto (Bur): privat

Ich kann nur jedem empfehlen, während des Studiums ins Ausland zu gehen.

Quellennachweis
  • Bilder
    privat |
    Christian Bur forschte an der Saar-Uni und auch in Schweden - wo dieses Bild aufgenommen wurde.
    Foto (Preisverleihung): Institut für Prozessmess- und Sensortechnik, TU Ilmenau

    (Foto (Prof. Schütze): ZeMA

    Foto (Bur): privat