Fotos: DIaLOGIKa

Dr. Jan Messerschmidt

Interview

"Von unserer Zusammenarbeit mit der Uni profitieren auch Studenten"

Dr. Jan Messerschmidt, Geschäftsführer des IT-Unternehmens DIaLOGIKa, engagiert sich seit über 25 Jahren als Stifter der Universitätsgesellschaft für die Saar-Uni. Im Interview erklärt er, warum - und zeigt auf, wie Studenten vom engen Kontakt seiner Firma zur Uni profitieren.
Von Claudia Ehrlich • 22.06.2017

Seit seinem Informatikstudium blieb Jan Messerschmidt der Saar-Uni eng verbunden. Der Mitgründer und Geschäftsführer des Softwarehauses DIaLOGIKa GmbH war viele Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Informatik-Pionier Günter Hotz. Als dieser emeritiert wurde, hielt Messerschmidt eine der Festreden beim internationalen Festkolloquium. Seine Firma gründete er mit Studienkollegen vor über dreißig Jahren als Spin-Off der Saarbrücker Informatik. Das IT-Unternehmen in Saarbrücken-Dudweiler beschäftigt heute rund 100 Mitarbeiter und ist mit IT-Produkten etwa in der Telekommunikation, der Informationssicherheit, der Dokumenterstellung und der Elektromobilität international am Markt vertreten. „Wir erfinden Software“ so das Firmenmotto. Von der engen Kooperation mit der Saarbrücker Informatik, aus der schon Patente hervorgegangen sind, profitieren auch Studenten, die etwa in ihrer Masterarbeit praktische Probleme lösen können.

 

Herr Dr. Messerschmidt, Sie fördern die Universität seit einem Vierteljahrhundert als Stifter der Universitätsgesellschaft. Warum ist Ihnen die Universität wichtig?

Aus mindestens zwei Gründen: Die Universität hat mir zum einen im Laufe meines Lebens viel gegeben, davon kann ich auf diesem Weg zumindest ein wenig zurückgeben. Als Bürger des Saarlandes profitiere ich zum anderen von der guten Ausbildung der hier lebenden Menschen und von dem Geist, der durch die Aktivitäten der Universität, durch ihre Anziehungskraft auf Menschen aus anderen Regionen, befördert wird. Das Saarland ohne die Universität wäre nur die Hälfte dessen, was es mit ihr ist.

 

Inwieweit ist die Universität für Ihr Unternehmen von Bedeutung?

Die DIaLOGIKa GmbH versteht sich als frühes Spin-Off (als es diesen Begriff noch nicht gab) der Universität, insbesondere der Saarbrücker Informatik. Auch heute noch pflegen wir eine enge Zusammenarbeit mit der Uni, was sich aktuell in Masterarbeiten manifestiert, die gemeinsam mit verschiedenen Lehrstühlen der Informatik bzw. Mathematik entstanden sind, aber auch in der Person des national und international vielfach ausgezeichneten Professor Günter Hotz, dem wichtigsten Begründer der Saarbrücker Informatik, der nicht nur akademischer Lehrer von mir und einer ganzen Reihe meiner Kollegen ist, sondern der auch seit mittlerweile über 17 Jahren unser wissenschaftlicher Beirat ist.
Im Übrigen bezieht die DIaLOGIKa regelmäßig neue Mitarbeiter von der hiesigen Universität (und dabei nicht nur von der Informatik), die in vielen Fällen, bevor sie feste Mitarbeiter werden, hier als freie Mitarbeiter parallel zu ihrem Studium anfingen. Das geht sinnvoll nur bei räumlicher Nähe, die in unserem Fall durch einen knapp zwei Kilometer von der Uni entfernten Standort gegeben ist.

 

Worin sehen Sie besondere Chancen für die Zukunft der Universität?

Die Hauptaufgaben der Uni, nämlich Forschung und Lehre, sind gleichzeitig auch ihre Chancen, insbesondere mit der Möglichkeit, diese beiden Aufgaben miteinander zu verbinden. Als Beleg für diese These möchte ich ein Beispiel aus der Vergangenheit heranziehen, nämlich den SFB 100, den Sonderforschungsbereich „Elektronische Sprachforschung“, in dem ich zunächst als Student, und anschließend viele Jahre als akademischer Mitarbeiter beschäftigt war. Aus diesem SFB heraus, an dem neben der Informatik auch die Philosophische Fakultät mit mehreren Fachbereichen beteiligt war, sind unter anderem die Computerlinguistik und das DFKI entstanden, die dann umgekehrt starke Rückwirkungen auf die Lehre entfaltet haben und die noch heute Saarbrücken in den betroffenen Gebieten zu einem weltweit führenden Zentrum der Forschung und Lehre machen.
Besondere Chancen der Uni würde ich zudem darin sehen, sich durch hohe Ansprüche gegen sich selbst in Forschung und Lehre von anderen Institutionen abzusetzen. Gemäß dem Satz von Professor Hotz „Langfristig setzt sich Qualität durch“, würde ich hier der Uni eine exzellente Prognose ausstellen.

 

Sie haben an unserer Universität Informatik studiert. Wenn Sie zurückblicken: Was war für Sie das Besondere am Studium in der Saarbrücker Informatik?

Als ich 1973 mit dem Studium anfing, war die Informatik noch bei Weitem nicht so in der Gesellschaft verankert, wie sie es heute ist. Ich schwankte damals zwischen Mathematik und Informatik. Nach einem Semester habe ich mich dann aber für die Informatik entschieden, weil sie einfach die aus meiner Sicht spannenderen Themen bot, bis hin zu, dass wir in der Anfängervorlesung bis dato ungelöste Probleme lösen durften. Das hat sich auch im weiteren Studium so dargestellt, als regelmäßig Ergebnisse aus aktueller Forschung direkten Eingang in die Vorlesungen fanden. Inklusive internationaler Forscher, die für ein Gastsemester in Saarbrücken waren und dort über ihre Forschungen in Vorlesungen oder Seminaren berichtet haben.

 

Dr. Jan Messerschmidt gründete die DIaLOGIKa - Gesellschaft für angewandte Informatik mbH im Jahr 1982 gemeinsam mit Dr. Peter Auler und Dr. Bernd H. Schmidt — allesamt Absolventen der Saarbrücker Informatik. Das frühe Spin Off-Unternehmen kooperiert bis heute eng mit der Saar-Uni und bezieht vom Campus viele seiner Mitarbeiter. Studenten können schon parallel zu ihrem Studium dort arbeiten, auch ein spannendes Thema für die Masterarbeit finden — und das nicht nur im Fach Informatik.

http://www.dialogika.de/

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