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Aysenur Bilgin stellte ihre Forschungsergebnisse auf einem nationalen Kongress vor

Kongress-Besuch

"Der Kongress war ein eindrucksvolles Erlebnis"

Der Schreibstil könnte für Erfolg und Misserfolg wissenschaftlicher Manuskripte entscheidender sein als bislang bekannt. Mit diesem Thema hat sich Aysenur Bilgin in ihrer Bachelorarbeit befasst. Ihre Ergebnisse stellte die Studentin auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Psychologie vor - und machte dabei wichtige Erfahrungen.
Von Claudia Ehrlich • 18.04.2017

Wie können Forscherinnen und Forscher ihre Arbeit international sichtbarer machen? Dieser Frage ging Aysenur Bilgin in ihrer Bachelorarbeit nach. „Die einflussreichsten Fachzeitschriften für Management kommen aus den USA. Über 90 Prozent der eingereichten Forschungsartikel aus anderen Ländern werden abgelehnt. Die Gründe hierfür sind noch weitgehend unerforscht“, erläutert die Psychologie-Studentin. Professor Cornelius König und Dr. Nida ul Habib Bajwa gehen in der Arbeits- und Organisationspsychologie der Saar-Uni diesem Phänomen auf den Grund: Sie erforschen, inwieweit der US-amerikanische Schreibstil die Wissenschaftssprache wie auch die Erwartungen der Herausgeber und Gutachter prägt und ob dies dazu führt, dass Manuskripte unabhängig von ihrer Qualität aus rein sprachlichen Gründen scheitern.

Aysenur Bilgin analysierte in ihrer Bachelorarbeit alle Fachartikel, die die Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie ZAO in 40 Jahren veröffentlicht hat. „Ich habe die deutsche Wissenschaftssprache psycholinguistisch daraufhin untersucht, wie sie sich im Laufe der Zeit verändert, ob sie sich dem US-amerikanischen Schreibstil angenähert hat. Professor König und Dr. Bajwa haben meine Arbeit intensiv betreut“, sagt die Studentin, die ihre Forschungsarbeit in Kürze gemeinsam mit ihren Betreuern auch publizieren will. „Die Ergebnisse können etwa dazu beitragen, Schulungen für Nachwuchsforscher zu wissenschaftlichem Schreiben zu entwickeln und so die Chancen ihrer Fachpublikationen zu erhöhen“, sagt Bilgin.

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Es war äußerst spannend, meine Ergebnisse mit Fachleuten zu diskutieren. Ich kann Studenten nur ermutigen, an Kongressen teilzunehmen.

Aysenur Bilgin (hier mit ihrer Poster-Präsentation auf dem Kongress)

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie lud die Studentin ein, ihre Arbeit auf dem 50. Jahreskongress im vergangenen Herbst in Leipzig vorzustellen. Die Universitätsgesellschaft übernahm die Reisekosten und Kongressgebühren. „Dass ich am Kongress teilnehmen und dort meine Arbeit präsentieren konnte, war für mich ein sehr eindrucksvolles Erlebnis. Für meine persönliche Entwicklung war das enorm viel wert“, sagt Aysenur Bilgin rückblickend. Die Erlebnisse auf dem Kongress haben sie begeistert. Sie präsentierte ihre Arbeit mit einem Poster und kam so mit vielen Wissenschaftlern ins Gespräch. „Es war äußerst spannend, meine Ergebnisse mit Fachleuten zu diskutieren. Die Erfahrung zu machen, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Interesse an meiner Arbeit haben, dass sie sich mit mir darüber austauschen, war etwas ganz Besonderes“, sagt sie.

Überhaupt sei der Kongress für ihr Selbstbewusstsein als junge Forscherin wichtig gewesen. „Ich konnte mitdiskutieren, hatte das Gefühl ernstgenommen zu werden. Und ich konnte auch selbst Feedback zu anderen Arbeiten geben, meine Perspektive einbringen und interessante Kontakte knüpfen. Das war eine wichtige Erfahrung.“ Auch den Blick in andere Forschungsfelder der Psychologie fand die Studentin spannend. „In kurzer Zeit so viele Einblicke in aktuelle Themen zu erhalten, die Ergebnisse der Arbeit mehrerer Jahre in ein paar Minuten kennen zu lernen, war schlicht überwältigend. Das war ungeheurer intensiv und das hätte ich auch so nicht erwartet.“

Anderen Studenten empfiehlt Aysenur Bilgin, solche Chancen wahrzunehmen. „Ich kann Studenten nur ermutigen, an Kongressen teilzunehmen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Ich bin Professor König, Dr. Bajwa und der Universitätsgesellschaft sehr dankbar, dass sie mir diese Möglichkeit gegeben haben.“ Mit Menschen in Kontakt zu kommen, die sich für ihr Fach begeistern und von ihren Erfahrungen zu profitieren, bringe einen weiter. Dass die Universitätsgesellschaft solche Chancen ermögliche, sei eine lohnende Investition in den Wissenschaftsnachwuchs.

Die Universitätsgesellschaft des Saarlandes will Wissenschaftler, Mitarbeiter und Studenten der Saar-Uni mit Ehemaligen (Alumni) und Förderern in intensiven Kontakt bringen. Sie unterstützt Studenten und junge Wissenschaftler bei ihren Projekten und fördert das akademische Leben im Saarland. Auch den Kongress-Besuch von Aysenur Bilgin hat die Unigesellschaft ermöglicht.

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