Thorsten Mohr

Jana Burnikel berät Studenten und Absolventen der Saar-Uni, die sich für eine Karriere bei der EU interessieren.

Interview: Jana Burnikel

Karrierebotschafterin informiert über Jobchancen bei der EU

Eine Karriere in den Institutionen der Europäischen Union klingt nach abwechslungsreicher Tätigkeit, gutem Gehalt und multikulturellem Umfeld. Doch viele Absolventen haben die EU als Arbeitgeber nicht auf dem Schirm oder zögern, sich zu bewerben. Jana Burnikel, ehrenamtliche EU-Karrierebotschafterin an der Saar-Uni, informiert interessierte Studenten über Karrierewege. Im Gespräch erzählt sie, wie ein Praktikum bei der EU-Kommission aussieht und wie man sich auf das Auswahlverfahren für EU-Beamtenstellen vorbereiten kann.
Von Friederike Meyer zu Tittingdorf • 13.02.2019

campus: Seit Oktober 2018 bist Du EU-Karrierebotschafterin an der Saar-Uni. Was hat es mit diesem Ehrenamt auf sich?

Jana Burnikel: Die EU Careers Student Ambassadors, wie wir offiziell heißen, sind eine europaweite Initiative der Europäischen Union, um mehr Uni-Absolventen für eine Karriere bei den Europäischen Institutionen zu gewinnen – denn, so verrückt es auch klingt: Die EU hat Nachwuchsmangel. Jedes europäische Land hat daher seine eigene Gruppe ehrenamtlicher Karrierebotschafter. In Deutschland sind wir derzeit an 16 Universitäten vertreten. Die Anzahl der Botschafter pro Land variiert je nachdem, wie viele Leute sich aus dem jeweiligen Land bei der Europäischen Union bewerben. Dänemark hat beispielsweise eine verhältnismäßig große Anzahl an Botschaftern, weil es dort in der Vergangenheit wenig Bewerber gab.

Welche Aufgaben gehören zu einem Botschafter-Amt?

In erster Linie sind wir dazu da, an unseren Universitäten die Europäische Union als Arbeitgeber für Uni-Absolventen vorzustellen. Oft haben die Studenten die EU als zukünftigen Arbeitgeber gar nicht auf dem Schirm. Wir Botschafter stellen vor, welche Einstiegsmöglichkeiten es bei der Europäischen Union gibt, welche Vorteile ein Job dort bietet und wie das Bewerbungsverfahren funktioniert.

Wie erreicht Ihr die Studenten auf dem Campus?

Wir fahren auf Karrieremessen in unseren Regionen und beraten direkt vor Ort oder halten an unseren Universitäten und im Umkreis Vorträge. Wir beraten auch in persönlichen Sprechstunden, wenn wir Anfragen erhalten. Unser Ziel ist es, die Studenten und Absolventen auf einem persönlichen Level zu erreichen. Außerdem bewerben wir regelmäßig Stellenausschreibungen über unsere Social Media-Kanäle.

Welche Art von Uni-Absolventen sucht die Europäische Union?

Prinzipiell: alle! Ganz gleich welche Studienrichtung – in der Europäischen Union gibt es auf allen Ebenen und in allen Institutionen Jobs für Menschen mit unterschiedlichen Qualifikationen. Ob Jura, BWL, Informatik oder Sprach- und Kulturwissenschaften, jeder ist prinzipiell gefragt. Wichtige Voraussetzungen sind eine EU-Staatsbürgerschaft und sehr gute Kenntnisse einer der 24 EU-Sprachen plus entweder Englisch, Französisch oder Deutsch. Außerdem muss man als Bewerber für eine Beamtenstelle oder für Zeitverträge in den meisten Fällen einen Studienabschluss nach mindestens dreijährigem Studium haben.

Wie funktioniert das Bewerbungsverfahren für EU-Beamtenstellen?

Der sogenannte „Concours“ kommt erst Mal recht komplex und einschüchternd daher. Viele Studenten, mit denen ich spreche, haben das Gefühl, dass sie das Verfahren nicht schaffen können und dem nicht gewachsen sind. Bricht man den Concours auf seine einzelnen Elemente herunter, ist er machbar – wie ein umfangreiches Assessment Center. Einfach gesagt besteht er aus verschiedenen Runden. Wer erfolgreich eine Runde durchläuft, kommt in die nächste.

Was sind diese einzelnen Runden?

Am Anfang steht ein Test am PC, den man bequem von Zuhause aus absolvieren kann. Abgeprüft werden Textverständnis, abstraktes und logisches Denkvermögen und der Umgang mit Zahlen, zum Beispiel in Form von Statistiken. Danach kommt der sogenannte „elektronische Postkorb“, ebenfalls am PC, dann aber in einem Testcenter. Dabei wird geschaut, wie gut man schwierige Situationen bewältigt und Prioritäten setzen kann. Danach folgt ein zweitägiges Assessment-Center, das oft in Brüssel stattfindet. Dort erwarten einen Gruppenarbeit, Einzelgespräche und ein Vortrag, den man vor Ort vorbereiten muss.

Und danach ist man...

Kurz gesagt: Generalist oder Generalistin bei der Europäischen Union. Erst mal hat man danach aber keinen direkten Job. Wer den Concours erfolgreich durchläuft, kommt auf eine Laureaten-Liste, aus der sich die einzelnen europäischen Institutionen, zum Beispiel die Kommission oder der Europäische Rechnungshof, ihre zukünftigen Mitarbeiter rekrutieren. Vor jeder festen Einstellung gibt es aber in jedem Fall noch mal ein Bewerbungsgespräch.

Lohnt sich dieses aufwändige Bewerbungsverfahren?

Ich denke, ja, auf jeden Fall. Nach Abschluss des Concours ist man EU-Beamter auf Lebenszeit mit einem sicheren und guten Gehalt. Außerdem gibt es umfangreiche Sozialleistungen und die Europäische Union bietet jede Menge Fortbildungsmöglichkeiten, beispielsweise bezahlte Sprachkurse. Ein besonderes Plus ist auch die berufliche Mobilität: Man kann sich ständig weiterentwickeln, sich neu erfinden, Dinge ausprobieren. Viele der EU-Beamten wechseln ihren Job etwa alle fünf Jahre und arbeiten dann in neuen Positionen.

Gibt es Wege, sich auf das Bewerbungsverfahren vorzubereiten?

Erst mal sollte man sich auf der Webseite des European Personnel Selection Office, kurz EPSO, informieren. Dort gibt es zum Beispiel Probetests für den Test am Computer. Es schadet auch nicht, sich regelmäßig über Entwicklungen in EU-Angelegenheiten auf dem Laufenden zu halten. Für Leute, die es bis zum Assessment Center schaffen, bietet das Auswärtige Amt Probe-Seminare. Und dann gibt es natürlich uns Botschafter, die man fragen kann.

Gibt es noch andere Einstiegsmöglichkeiten bei der Europäischen Union?

Die Europäische Union bietet auch befristete Zeitverträge für bestimmte Stellen an, oftmals Expertenstellen wie zum Beispiel Sicherheitsspezialisten oder Übersetzer. Eine spannende Einstiegsmöglichkeit sind auch die Traineeships: Fast alle europäischen Institutionen bieten regelmäßig bezahlte, mehrmonatige Praktika an, bei denen man direkt an Projekten mitarbeiten kann und Einblicke in die Arbeitsweisen von Generaldirektionen oder Agenturen erhält. Die Kommission bietet beispielsweise zwei Mal pro Jahr das "Blue Book Traineeship" an, bei dem man fünf Monate lang in einer Generaldirektion der Kommission mitwirkt.

Wie erreicht man Dich als Karrierebotschafterin auf dem Uni-Campus?

Am besten per E-Mail an eucareerssaarland@gmail.com. Man kann mich gerne für Vorträge buchen, mir wegen der Sprechstunden schreiben oder auch, wenn man sonst Fragen zur EU-Karriere hat. Auf meiner EU-Karriere-Facebookseite informiere ich regelmäßig über Job-Angebote: www.facebook.com/eucareerssaarland.

Das Europäische Parlament
Europäisches Parlament

Absolventen der Saar-Uni können sich über Karrierewege in der EU informieren und landen vielleicht einmal hier im Parlamentsgebäude in Brüssel.

Quellenverzeichnis
  • Bilder
    Thorsten Mohr Europäisches Parlament
Kontakt

Jana-Katharina Burnikel

EU Careers Student Ambassadress

E-Mail: eucareers.saarlanduniversity@gmail.com

Facebook: www.facebook.com/eucareerssaarland

Die EU-Karrierebotschafter in Deutschland:

www.netzwerk-ebd.de/aktivitaeten/eu-karriere/eu-careers-ambassadors-2/

Thorsten Mohr

Der „Concours“ kommt erst Mal recht komplex und einschüchternd daher.

Jana Burnikel, EU-Karrierebotschafterin
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