Thorsten Mohr

Laura Andre hat als Mathematikerin einen abwechslungsreichen Job gefunden.

Mathematik

Der ungewisse Pfad der Erleuchtung lohnt sich

Laura Andre studierte bis 2017 Mathematik, allerdings nicht auf Lehramt. Was sie denn mit ihrem Masterabschluss anfangen wolle, wurde sie im Studium oft gefragt. So genau wusste sie das auch nicht. Aber sich auf das Abenteuer mit ungewissem Ausgang einzulassen, hat sie keineswegs bereut: Heute hat sie eine abwechslungsreiche Stelle und ist froh über die Flexibilität, die ihr Studium jenseits des Lehramts mit sich bringt. Der Weg bis zum Abschluss war allerdings kein Zuckerschlecken. Aber er hat sich gelohnt, findet Laura Andre.
Von Thorsten Mohr • 25.04.2018

„Anfangs konnte ich die Frage, was ich damit anfangen wolle, auch nicht beantworten“, erinnert sich Laura Andre an den Beginn ihres Mathematik-Studiums. Als die heute 26-Jährige 2011 mit dem Bachelor-Studium begonnen hatte, war ausschließlich das Interesse an der Mathematik ihr Antrieb und nicht ein bestimmter Beruf. Daher hat sie sich ganz bewusst gegen ein Lehramts-Studium entschieden, an dessen Anfang ihr weiterer Weg am Ende bereits ziemlich sicher feststünde.  Zu Beginn ihres Studiums hörte sie sich der Neugier halber auch um, wofür denn Mathematiker später gebraucht werden. Das Fazit aus den damaligen Gesprächen: „Man kann vieles machen. Aber was genau, konnte einem auch keiner genau sagen.“

Spätestens mit ihrem Studienabschluss im Sommer 2017, nach dem Master in Angewandter Mathematik, weiß die Saarländerin, wofür sie all die Mühen auf sich geladen hat. Seitdem arbeitet sie bei KIANA Systems in Saarbrücken, einer Tochterfirma von KPMG und Ausgründung des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz. Dort nimmt sie als „Data Scientist“ große Datenmengen der Kunden unter die Lupe, und versucht zum Beispiel, Anomalien und Muster in den Daten zu erkennen. Intelligente Algorithmen, die die Daten analysieren,  ermöglichen zum Beispiel die Vorhersage von Maschinenausfällen in der Produktion oder die Identifizierung von Betrugsfällen im Zahlungsverkehr.

 

Im Mathematik-Studium lernt man – neben der eigentlichen Mathematik natürlich – vor allem, Probleme zu analysieren und nach Lösungswegen zu suchen.

Laura Andre

 

Dafür braucht Laura Andre vor allem analytisches Gespür, das sie im Studium vertiefen konnte. „Im Mathematik-Studium lernt man – neben der eigentlichen Mathematik natürlich – vor allem, Probleme zu analysieren und nach Lösungswegen zu suchen“, erklärt die junge Frau. Diese Fähigkeit kann sie auf ihrer jetzigen Stelle besonders gut gebrauchen. Denn ihr Job ist eben genau das: für die unterschiedlichsten Kunden mit ihren unterschiedlichsten Problemen Lösungen zu finden.

Der Weg dahin war allerdings alles andere als ein Selbstläufer. „Das Mathestudium war nicht immer einfach, vor allem am Anfang nicht“, blickt Laura Andre zurück. Denn die Studieninhalte haben mit der Schul-Mathematik nur wenig zu tun, und selbst erstklassige Mathematik-Abiturienten wie Laura Andre gelangen an der Uni schnell an ihre Grenzen. „Einmal dachte ich wirklich: ‚Ob ich das noch weitermachen soll?‘“ Das war aber zu einem sehr frühen Zeitpunkt des Studiums, und sie hat die Zähne zusammengebissen und sich durchgekämpft. „Wenn man aber die ersten Semester gepackt hat, ist es gut. Dann ist man freier in der Wahl der Vorlesungen und kann eher das machen, was einen wirklich interessiert“, erklärt die 26-Jährige.

Dabei grübelte sie über so manches Problem der Angewandten Mathematik, in der es zum Beispiel um mathematische Methoden für bildgebende Verfahren in der Medizintechnik geht, tagelang, ohne zu einer Lösung zu kommen. Um dann, ähnlich wie Archimedes in der Badewanne, ihren „Heureka“-Moment zu haben, in dem die Lösung so klar und deutlich vor einem liegt, als sei sie das Selbstverständlichste auf der Welt.

Auch die Frage nach dem späteren Beruf, über die viele Leute lange grübeln, hat sich in einer Art „Heureka-Moment“ bei Laura Andre quasi von selbst erledigt. „Ein Studienfreund hat mir von KIANA Systems erzählt. Ich habe mich beworben, und es hat auf Anhieb gepasst“, erzählt sie. Mit ihrer Stelle und ihrem Umfeld ist sie sehr zufrieden, so dass sie sich vorstellen kann, diesen Job noch lange zu machen.

Lediglich einen Wunsch hätte sie für Studium und Beruf. „Wir waren nur zwei Frauen in unserem Uni-Jahrgang, und auch in der Firma sind eine Kollegin und ich die einzigen Frauen.“ Sie hofft, dass sich in Zukunft vor allem mehr Mädchen und Frauen den Sprung ins Ungewisse zutrauen

Hintergrund:

Eine Übersicht über die Bachelor-Studiengänge der Mathematik gibt es auf dieser Webseite: https://www.uni-saarland.de/campus/studium/vor/studienangebot/grundstaen....

Die Masterstudiengänge aus dem Bereich Mathematik und Informatik werden auf dieser Webseite eingehend erläutert: https://www.uni-saarland.de/master/studienangebot/mathinf.html.

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