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Thomas Martin präsentiert die lykische Chimäre, ein Fabelwesen aus Löwe, Schlange und Ziegenbock und Teil der Patara-Ausstellung

Kulturwissenschaften

Der Ausstellungsmacher

Das Kuratieren einer Ausstellung ist die Königsdisziplin im Museum, sagt Thomas Martin. Der Archäologe und Kunsthistoriker arbeitet als freiberuflicher Museumskurator im Museum für Vor- und Frühgeschichte am Saarbrücker Schlossplatz. Zu seinen wissenschaftlichen Stationen gehört auch die Saar-Uni: Hier hat er Historisch orientierte Kulturwissenschaften studiert. Derzeit ist Martins sechste Ausstellung zu sehen: „Patara – Lykiens Tor zur römischen Welt“.
Von Gerhild Sieber • 14.06.2018

„Archäologe und Kunsthistoriker zu sein, ist von den Inhalten her ein wunderbarer Job, aber auch ein hartes Brot“, sagt Thomas Martin. Seit 2014 hat der Saarländer sechs Ausstellungen am Museum für Vor- und Frühgeschichte kuratiert – zunächst drei Jahre lang als Volontär und seit November vergangenen Jahres als freiberuflicher Kurator. Zudem arbeitet der 35-Jährige an seiner Promotion, die „in der Museumsarbeit einfach dazugehört.“

Ursprünglich zog es den Saarländer ins Hotel- und Tourismusmanagement, und er begann, an der Saar-Uni Betriebswirtschaftslehre zu studieren. Doch die vielen Zahlen waren doch nicht so ganz seine Sache. „Ich habe mich dann aus Interesse in Vorlesungen der Altphilologen und Archäologen gesetzt und im Laufe der Zeit immer mehr Veranstaltungen besucht, vor allem in Alter Geschichte und Klassischer Archäologie“, erzählt er. Schließlich wechselte er in den Studiengang Historisch orientierte Kulturwissenschaften (HoK), mit Betriebswirtschaftslehre als Ergänzungsfach. „Davon profitiere ich heute immer noch, denn als Museumskurator muss man kompetent und mit soliden Kalkulationen von einem Ausstellungskonzept überzeugen können.“
 
Im Studiengang HoK wählen die Studenten vier Fächer. Bei Thomas Martin waren das Kunstgeschichte als Hauptfach, daneben Alte Geschichte, Frühneuzeitliche Geschichte und Klassische Archäologie. „Dieses Studium vermittelt ein breites Wissensspektrum, doch ich wusste bald, dass ich Museumskurator werden wollte“, berichtet er. Deshalb habe er sich auf die Fächer Kunstgeschichte und Klassische Archäologie konzentriert. Um noch tiefer in die Archäologie einzusteigen, pendelte der Student zweimal pro Woche zu ergänzenden Lehrveranstaltungen an die Universität Heidelberg.  

Für seine Diplomarbeit untersuchte er die von 1878 bis 1881 in Athen erbaute Stadtvilla von Heinrich Schliemann, der – obwohl er Autodidakt war – einer der Pioniere der modernen Archäologie werden sollte und als Entdecker des antiken Troja gilt. Thomas Martins aufwändige Arbeit erwies sich als so interessant, dass er im Januar 2017, beim Neujahrsempfang der Staatlichen Museen zu Berlin, sogar den Festvortrag zu Schliemanns Geburtstag auf der Berliner Museumsinsel halten durfte.

Es reicht nicht, einfach nur Credit Points zu sammeln. Vor allem braucht man genügend Praxiserfahrung.

Thomas Martin

Bereits während seines Studiums arbeitete der angehende Archäologe und Kunsthistoriker als studentischer Mitarbeiter im Museum für Vor- und Frühgeschichte – was ihm die Türen für seine weitere Laufbahn öffnete. „Seit 2009 habe ich dort Führungen durch die Sammlungen angeboten, um möglichst früh in die Museumspraxis einzusteigen.“ Für Studenten sei es wichtig, ein Berufsziel zu haben. „Es reicht nicht, einfach nur Credit Points zu sammeln. Vor allem braucht man genügend Praxiserfahrung, und dafür muss man selber aktiv werden“, rät er.

Seine Promotion will Thomas Martin Ende des Jahres abschließen. Hierfür ist er an der Humboldt-Uni in Berlin eingeschrieben – „meine dritte wissenschaftliche Station“, erklärt er. „In meinem Fach gehört es dazu, mehrere Unis besucht zu haben.“ Auch wenn er hofft, seine gegenwärtige Freiberuflichkeit irgendwann gegen einen festen Job tauschen zu können, sei sie doch „eine gute Möglichkeit, um weiter Erfahrung und Reputation zu sammeln.“

„Das Kuratieren einer Ausstellung ist die Königsdisziplin im Museum – eine tolle und abwechslungsreiche Arbeit“, erzählt Thomas Martin und strahlt. Was genau macht man da? „Sobald das Thema feststeht, erstelle ich als Projektleiter in Abstimmung mit der Direktion ein wissenschaftliches Konzept und stecke den Kostenrahmen ab. Dann suche ich im eigenen Depot nach Ausstellungsstücken und recherchiere Leihgaben. Anschließend fährt man zu anderen Museen hin und muss die Leihgeber davon überzeugen, dass sie einem ihre Schätze anvertrauen.“ 2016 war es Martin sogar gelungen, die Marmorbüste des berühmten „Zeus von Otricoli“ aus den Vatikanischen Museen nach Saarbrücken zu holen. „Als Kurator koordiniere ich außerdem den Aufbau der Ausstellung, dabei stimme mich mit den Fachabteilungen im Museum ab, beispielsweise den Museumspädagogen“, berichtet Martin. Darüber hinaus hat er bisher drei Ausstellungs-Begleitbücher veröffentlicht – über den Antikensammler Eugen von Boch, das Reisen zu antiken Stätten im 18. Jahrhundert und die Ausstellung „Altes und neues Glas“.

Im März dieses Jahres wurde im Museum für Vor- und Frühgeschichte seine jüngste Ausstellung „Patara – Lykiens Tor zur römischen Welt“ eröffnet. „Patara war eine historische Orakelstätte und bedeutende Hafenstadt in Lykien, einer Landschaft im südlichen Kleinasien“, erklärt Thomas Martin. Als antikes Drehkreuz der Schifffahrt im östlichen Mittelmeer wurde sie schließlich Zentrum einer römischen Provinz. „Die Ausstellung präsentiert ganz unterschiedliche Facetten der städtischen Erfolgsgeschichte“, sagt er und zeigt auf die große bronzene Chimäre – ein Fabelwesen aus Löwe, Schlange und Ziegenbock. „Nach einem lykischen Mythos verwüstete die Bestie die Landschaft und terrorisierte die Menschen, bis der Held Bellerophon sie erlegte“, erzählt der Kurator beim Gang durch seine Ausstellung. Zwei Stockwerke höher, in seinem Büro, liegen bereits die Unterlagen für sein nächstes Projekt: eine Jubiläumsausstellung zum 300. Geburtstag von Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken. Die Eröffnung ist am 26. Oktober 2018. 

Die Ausstellung „Patara – Lykiens Tor zur römischen Welt“

Die Ausstellung ist noch bis zum 23. September 2018 im Museum für Vor- und Frühgeschichte (am Schlossplatz Saarbrücken) zu sehen. Infos unter: www.kulturbesitz.de

 

Quellennachweis
  • Bilder
    Sieber

    Sieber

    A. Müller