Titelbild: Oliver Dietze

An der Saar-Uni helfen Forschungsmentoren wie der Messtechniker Andreas Schütze (l.) bei Fragen zu Forschungsanträgen weiter.

Drittmittel

Viel Rückenwind für Forscher mit großen Plänen

Forschungsgelder zu beantragen ist eine Wissenschaft für sich. Es geht um viel, die Konkurrenz um die Geldtöpfe ist groß, der Wettbewerb zunehmend hart. Hier ins Schwarze zu treffen, kann Neulinge wie Profis ins Schwitzen bringen. Wertvolle Schützenhilfe leisten an der Saar-Uni die Servicestelle „Strategisches Forschungsmanagement“ und ehrenamtliche Forschungsmentoren.
Von Claudia Ehrlich • 16.12.2016

Sind alle Formalia beachtet? Die Idee zündend dargestellt? Nichts übersehen bei Zeitplan und Kalkulation? Alles sichtbar gemacht, worauf gerade dieser Fördergeber bei diesem Förderprogramm Wert legt? Ein Forschungsantrag kann selbst dem Erfahrensten aller Wissenschaftler schlaflose Nächte bereiten. Schließlich hängt viel von einem positiven Ergebnis ab. Und einen solchen Antrag stellt er oder sie ja auch nicht alle Tage. Jeder der möglichen Geldgeber hat seine eigenen Besonderheiten und Anforderungen, die zu kennen entscheidend ist. Selbst routinierte Antragsteller stehen da mitunter vor neuen Fragen. An der Saar-Uni muss aber nicht jeder für sich das Rad neu erfinden. Forscherinnen und Forscher können hier auf bestehende Expertise zurückgreifen: Das „Strategische Forschungsmanagement“ leistet umfassende Hilfestellung.

Portrait Krenberger: Ehrlich

Wir begleiten alle Drittmittelprojekte von der ersten Idee über den Antrag bis zum Abschluss.

Dr. Verena Krenberger

„Wir beraten alle Forscherinnen und Forscher zu allen Fördergebern – ob EU, Deutsche Forschungsgemeinschaft, Bundesforschungs- oder Bundeswirtschaftsministerium, Deutscher Akademischer Austauschdienst, Volkswagenstiftung, US-Grants, Preise oder sonstige. Wir kennen die Formalien jedes einzelnen Förderers“, bringt es Verena Krenberger auf den Punkt. Ihre Servicestelle für Wissenschaftler mit Projektplänen ist dem Forschungs-Vizepräsidenten der Saar-Uni unterstellt. Hier arbeitet ein Team aus Forschungsmanagern, Drittmittel-Sachbearbeitern und Juristen daran, Wissenschaftler bei ihren Forschungsanträgen zu unterstützen. „Wir bieten ein Paket aus Förderberatung, Rechtsberatung und Mittelbewirtschaftung an und begleiten alle Drittmittelprojekte von der ersten Idee über den Antrag bis zum Abschluss. Damit können wir die Wissenschaftler entlasten und zugleich die Erfolgsaussichten der Drittmittelanträge steigern“, sagt sie.

Angesichts klammer Landeskassen wächst die Bedeutung dieser Fördergelder, die der Uni zusätzlich zum regulären Hochschulhaushalt zukommen. Drittmittel sind Zeugnis exzellenter Forschung. Und die mittelgroße Saar-Uni zählt bundesweit zu den forschungsstarken Hochschulen. „Im nationalen wie im internationalen Wettbewerb um Gelder können sich die Forscherinnen und Forscher behaupten. 80 Millionen Euro Drittmittel, mehr als doppelt so viel wie vor zehn Jahren, haben sie allein im Jahr 2015 eingeworben – Fördergeld, das über Steuern und Konsum der angestellten Wissenschaftler mindestens ebenso dem Saarland zukommt“, erklärt der Vizepräsident für Forschung und Technologietransfer Thorsten Herfet. Das meiste Geld fließt in Stellen für Doktoranden- und Nachwuchswissenschaftler – eine Investition in kluge Köpfe: Allein im Jahr 2015 wurden so weit über 1000 junge Ideengeber finanziert, die das Land dringend braucht.

„Viele Nachwuchsforscherinnen und -forscher wenden sich an uns. Aber auch etablierte und erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stehen bei manchem Antrag vor kniffligen Problemen“, erklärt Verena Krenberger. Auch Katharina Peetz hat sich für ihren Antrag an die Forschungsmanager gewandt. Die promovierte Theologin forscht derzeit vor Ort in Afrika an ihrem Projekt "Gelebte Theologie im Friedens- und Versöhnungsprozess Ruandas". „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man einen Forschungsantrag nie ganz alleine schreiben kann. Daher war es für mich wichtig, neben der fachlichen Beratung durch meine Chefin Professor Lucia Scherzberg und ihren Mann, Privatdozent August Leugers-Scherzberg, auch eine strategische Beratung in Anspruch nehmen zu können. Frau Krenberger hat viel Erfahrung auf dem Gebiet von Drittmittelanträgen. Sie hat sich die Zeit genommen, meinen Antrag durchzulesen und mir im persönlichen Gespräch konstruktives Feedback zu geben sowie meine offenen Fragen zu beantworten“, schreibt sie in einer E-Mail aus Ruanda. Die Beratung habe ihr sehr weitergeholfen. „Ich hatte dadurch ein realistisches Feedback zu Stärken und Schwächen meines Antrags. Frau Krenberger hat mich etwa auch ermutigt, mehr Wochenstunden für studentische Hilfskräfte zu beantragen als die von mir ursprünglich veranschlagten, und diese Stunden habe ich dann auch bekommen. Das ist für das Projekt toll, da ich so einen Studenten und eine Studentin einstellen konnte, die ein ganz unterschiedliches Profil haben, und mich jetzt bei Transkription und Kodierung von Interviews unterstützen.“

Portrait Finkbeiner: dasbilderwerk

Für Antragsteller ist es immer empfehlenswert, Feedback von Kollegen aus dem engeren Fachgebiet einzuholen. Manchmal kann aber auch jemand weiterhelfen, der thematisch zwar weiter weg ist, dafür aber die objektive strukturelle Sicht einbringt.

Prof. Dr. Bernd Finkbeiner

Wer forschen will, muss eben strategisch denken und nicht zuletzt auch viele Punkte beachten, bei denen es nicht ausschließlich ums Fachliche geht. Schließlich gilt es, die Gutachter in vollem Umfang zu überzeugen. Dies brachte die Forschungsmanager der Saar-Uni auf eine Idee, das Beratungsangebot zu erweitern: „Es ist hilfreich, aus verschiedenen Perspektiven auf die Anträge zu schauen. Antragserfahrene Forscher oder solche, die bereits als Gutachter, Experten oder Berater für Fördergeber tätig waren, können wertvolle Tipps geben. Daher haben wir als Ergänzung zu unserem Beratungsangebot vor sechs Monaten ein Forschungsmentoren-Programm ins Leben gerufen“, sagt Verena Krenberger.

Aktuell teilen acht Forschungsmentoren und eine Forschungsmentorin, allesamt hochangesehene Wissenschaftler mit langjähriger Erfahrung, ihr Wissen. „Sie stehen ehrenamtlich als Ansprechpartner bereit. Alle, die wir bislang gefragt haben, ob sie als Mentoren zur Verfügung stehen, haben ohne Vorbehalte sofort ja gesagt“, berichtet Krenberger. Bernd Finkbeiner, Informatik-Professor der Saar-Uni und Vertrauensdozent der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ist einer von ihnen: Er berät bei allen Arten von DFG-Projekten in Technik und Ingenieurwissenschaften. „Durch meine Doppelrolle als Forschungsmentor und DFG-Vertrauensdozent bekomme ich auch Anfragen aus anderen Bereichen unserer Universität, vor allem von Wissenschaftlern, die ihren ersten Antrag stellen. Da geht es etwa um Fragen zur Größenordnung des Antrags, oder darum, wie man die Inhalte für das Gutachtergremium verständlich darstellt“, erläutert er. „Für Antragsteller ist es immer empfehlenswert, Feedback von Kollegen aus dem engeren Fachgebiet einzuholen. Manchmal kann aber auch jemand weiterhelfen, der thematisch zwar weiter weg ist, dafür aber die objektive strukturelle Sicht einbringt.“ Natürlich, Forschungsmentor zu sein, kostet Zeit. „Aber diese Zeit ist sehr gut investiert. Exzellente Forschung ist für unsere Universität existenziell wichtig. Und es ist für die Arbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausschlaggebend, dass sie die nötigen Mittel für ihre Forschung haben. Das bringt uns alle vorwärts“, betont Bernd Finkbeiner.

„Im Idealfall wenden sich Forscherinnen und Forscher mit Antragsplänen frühzeitig an unsere Servicestelle Strategisches Forschungsmanagement. Wir können bereits viele Punkte vorbereitend klären und viele offene Fragen beantworten. Bei komplexeren strategischen Fragen, bei denen etwa der Blick auf den Antrag durch die Gutachterbrille sinnvoll ist, stellen wir den Kontakt zu einem der Forschungsmentoren her“, rät Verena Krenberger. Alles in allem also viel Rückenwind für neue Forschungsprojekte. Forscher mit großen Plänen, die diesen Rückenwind für sich zu nutzen wissen, haben gute Chancen mit ihrem Antrag voll ins Schwarze zu treffen… Und sie werden Fragen wie „Sind alle Formalia beachtet? Die Idee zündend dargestellt? Nichts übersehen …“ beruhigt mit „Ja“ beantworten können.

 

Die aktuellen Forschungsmentoren

Wie Bernd Finkbeiner engagieren sich auch die Literaturwissenschaftlerin Christiane Solte-Gresser und der Molekularbiologe Richard Zimmermann als Forschungsmentoren für das DFG-Förderprogramm. Der Sprachtechnologe Dietrich Klakow ist Ansprechpartner für das achte EU-Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020. Der Mathematiker Roland Speicher berät bei Fragen rund um European Research Council (ERC) Grants. Der Epigenetiker Jörn Walter ist Forschungsmentor für das Bundesforschungsministerium, der Messtechniker Andreas Schütze für das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) und Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF), der Forschungs-Vizepräsident und Informatiker Thorsten Herfet ist Mentor für wirtschaftlich geförderte Projekte und bei Fragen zu internationalen Austausch-Projekten und deutsch-französischen Vorhaben hilft der Physiker Christian Wagner weiter.

Strategisches Forschungsmanagement
Foto: Ehrlich

Dr. Verena Krenberger, Nina Lind und Denise Kunkel (v.l) aus dem Team des „Strategischen Forschungsmanagements“ stehen an der Saar-Uni bei allen Fragen rund um Forschungsanträge mit Rat und Tat zur Seite. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Antragsplänen können sich schon in der Frühphase ihres Vorhabens an die Servicestelle wenden: Forschungsmanager, Drittmittel-Sachbearbeiter und Juristen bieten hier ein Paket aus Förderberatung, Rechtsberatung und Mittelbewirtschaftung an und begleiten Drittmittelprojekte von der Idee bis zum Abschluss. Und bei strategischen Fragen helfen an der Saar-Uni auch erfahrene Forschungsmentoren und -mentorinnen weiter.

Kontakt und weitere Info: http://www.uni-saarland.de/forschung/sfm

Forscherinnen und Forscher der Saar-Uni haben 2015

80 Millionen Euro

Drittmittel eingeworben

Mit dem Geld werden unter anderem 1.048 Doktoranden und Nachwuchswissenschaftler sowie 172 weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finanziert.

Quellennachweis
  • Bilder
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    Portrait Finkbeiner: dasbilderwerk