Oliver Dietze

DFB-Mannschaftsarzt und Sportmediziner Tim Meyer untersucht das Herz eines Sportlers.

Sportmedizin

Risiko plötzlicher Herztod: Auch Freizeitsportler sind gefährdet

Wenn ein Fußballer mitten im Spiel einen plötzlichen Herztod erleidet, ist die Betroffenheit in den Medien riesig. Statistisch gesehen kommt dies aber selten vor. Dennoch sollten auch Freizeitsportler ihre Sporttauglichkeit überprüfen lassen.
Von Friederike Meyer zu Tittingdorf • 28.06.2018

„In Deutschland sterben jährlich über 100.000 Menschen an einem plötzlichen Herztod, es trifft lediglich einige Hundert beim Sport, junge Menschen sind davon zum Glück selten betroffen. Das Risiko steigt jedoch etwa ab dem 35. Lebensjahr“, erläutert Tim Meyer, der das Institut für Sport- und Präventivmedizin der Saar-Uni leitet und als Mannschaftsarzt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft betreut. Das Risiko für einen plötzlichen Herztod ist zwischen den Geschlechtern ungleich verteilt, rund 90 Prozent aller Betroffenen sind Männer. Am häufigsten trifft es die 40- bis 50-Jährigen. Denn in dieser Altersklasse wird eine Herzkranzgefäßverkalkung zunehmend wahrscheinlicher, zugleich sind viele Männer noch sportlich aktiv und nehmen auch an Wettkämpfen teil. „Vor allem Freizeitsportler mit schlechtem Trainingszustand sind stärker gefährdet. Sie sollten ihren Einstieg in den Sport daher langsam angehen und sich zuvor sportmedizinisch untersuchen und beraten lassen“, sagt Meyer.

Die Ursachen für den plötzlichen Herztod, der während oder kurz nach einer sportlichen Aktivität eintritt, sind insbesondere bei den jüngeren Sportlern vielfältig. „Es gibt familiär gehäuft vorkommende Herzmuskelerkrankungen, bei denen die Muskulatur der linken Herzkammer asymmetrisch verdickt ist. Wird dies rechtzeitig erkannt, muss man den Betroffenen von Leistungssport abraten“, betont Tim Meyer. Seltener sind angeborene Fehlverläufe der Herzkranzarterien. Diese Fehlbildungen können heute meist operiert werden, so dass zumindest oft Freizeitsport wieder möglich ist. Allerdings bedarf es meist kinderkardiologischer Spezialuntersuchungen, um die Diagnose zu stellen.

Bei älteren Menschen ist meist eine Erkrankung der Herzkranzgefäße, oft bedingt durch Ablagerungen in den Gefäßwänden, die Ursache für einen Herzinfarkt bei sportlichen Aktivitäten.

Tim Meyer

„Was aber auch jeden Freizeitsportler ohne erbliche Vorbelastung treffen kann, ist eine entzündliche Erkrankung des Herzmuskels, die Myokarditis, die in Deutschland meistens durch Viren, manchmal auch durch Bakterien verursacht wird“, erklärt der Saarbrücker Sportmediziner. Sie begleite gelegentlich eine allgemeine Infektion und trete dann oft zeitlich verzögert zur infektiösen Erkrankung auf. „Menschen mit einer nachgewiesenen Myokarditis sollten nach heutigem Kenntnisstand für drei bis sechs Monate auf Leistungssport verzichten. Auch im Freizeitsport sollten sie auf übermäßige Belastungen verzichten“, empfiehlt Meyer. Bei älteren Menschen sei meist eine Erkrankung der Herzkranzgefäße, oft bedingt durch Ablagerungen in den Gefäßwänden, die Ursache für einen Herzinfarkt bei sportlichen Aktivitäten.

Das Team von Professor Team Meyer erforscht schon seit einigen Jahren die Häufigkeit und Auslöser für den plötzlichen Herztod bei Sportlern. Vor sechs Jahren haben die Wissenschaftler dafür ein bundesweites Register eingerichtet, in dem solche Todesfälle erfasst und genau analysiert werden. Seit vier Jahren betreibt Professor Meyer zudem mit dem FIFA Medical Assessment & Research Centre ein weltweites Register zu plötzlichen Todesfällen bei Fußballern.

Auch in anderen Studien beschäftigt sich Tim Meyer mit Gesundheitsrisiken rund um den Fußball. "Auch wenn die Zahl akademisch ausgebildeter Personen im Umfeld des modernen Profifußballs eindeutig zugenommen hat, heißt dies aber nicht automatisch, dass wissenschaftliche Erkenntnisse in angemessener Weise berücksichtigt werden. Zu viele kommerzielle und individuelle Interessen, aber auch unterschiedliche Traditionen und Realitäten des Fußballbetriebs verhindern oft, dass Studienergebnisse unmittelbar umgesetzt werden", bedauert der Sportmediziner.

 

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