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Wissenschaftspolitik

Karin Jacobs ist Vizepräsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Karin Jacobs, Professorin für Experimentalphysik der Universität des Saarlandes ist neue Vizepräsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Die Mitgliederversammlung der DFG wählte Jacobs für vier Jahre in das Präsidium der größten Forschungsfördereinrichtung in Deutschland. Die Physikerin will sich dafür einsetzen, dass die Forschungsförderung fair und effizient gestaltet wird und der wissenschaftliche Nachwuchs bestmögliche Unterstützung erfährt.
Von Friederike Meyer zu Tittingdorf • 09.07.2021

Physik-Professorin Karin Jacobs forscht und lehrt seit 2003 im Saarland. Nach ihrem Studium an der Universität Konstanz und der Promotion, die sie zwischen der Bodenseeuniversität und dem Weizmann-Institut in Israel anfertigte, zog es sie zunächst nach Berlin. Dort forschte sie am Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung, anschließend als wissenschaftliche Assistentin in Ulm. Von dort wechselte sie zunächst für zwei Jahre in die chemische Industrie und wurde Projektleiterin in der Zentralen Forschung des Bayer-Konzerns in Leverkusen auf dem Spezialgebiet der Polymere. „Das war eine sehr interessante Zeit in einer tollen Gruppe. Dort habe ich die Vor- und Nachteile industrieller Forschung einzuschätzen gelernt“, sagt Karin Jacobs über diese Industrieerfahrung, die sie auch an den wissenschaftlichen Nachwuchs weitergibt.

Dazu hat sie unter anderem Gelegenheit in ihrer Funktion als Leiterin des Doktorandenkollegs im Sonderforschungsbereich 1027, der zum Ziel hat, biologische Systeme mit physikalischen Methoden zu modellieren. Das Großprojekt wurde erst vor kurzem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft für weitere vier Jahre mit 13 Millionen Euro zur Förderung empfohlen wurde. Zudem erforscht sie innerhalb des Sonderforschungsbereichs in zwei Teilprojekten, wie beispielsweise Speichelproteine auf Zähnen die Adhäsion von Mundbakterien verändern oder auf welche Weise pathogene Bakterien wie Staphylococcus aureus auf Kathetern haften und wie dies verhindert werden kann, damit keine Entzündungen entstehen. Zwei Rufe an andere Universitäten lehnte die Physik-Professorin ab. „Es forscht sich gut im Saarland“, betont Karin Jacobs.

Ich möchte dazu beitragen, dass die Bewältigung der Klimakrise auf allen Ebenen mitgedacht wird.

Physik-Professorin Karin Jacobs

Ihre Forschungsprojekte werden zumeist in interdisziplinären Teams bearbeitet, die aus der Physik, der Mikrobiologie, der Zahnmedizin, der Pharmazie sowie den Ingenieurwissenschaften kommen. „Die Kommunikation zwischen den Teammitgliedern mit unterschiedlichem wissenschaftlichem Hintergrund ist herausfordernd und gleichzeitig für alle bereichernd. Für den Nachwuchs ist das eine sehr gute Vorbereitung auf den Beruf, denn in der Industrie sind interdisziplinäre Teams Standard. Ich sollte verstehen, was mein Gegenüber nicht versteht“, meint die Physikerin. Mit Stolz blickt Karin Jacobs auf ihre Absolventinnen und Absolventen, von denen derzeit acht selbst schon eine Professur innehaben und einige weitere kurz davorstehen. Auch gesellschaftliche Themen liegen der Professorin am Herzen: „Ich möchte dazu beitragen, dass die Bewältigung der Klimakrise auf allen Ebenen mitgedacht wird.“ Mit Kolleginnen und Kollegen gründete Jacobs den saarländischen Zweig der „Scientists4Future“. Sie sieht in der Klimakrise die größte Herausforderung der kommenden Jahrzehnte.

Seit fast sechs Jahren ist die Experimentalphysikerin Mitglied im Wissenschaftsrat der Bundesrepublik Deutschland, berät Bundes- und Landesregierungen in Wissenschaftsfragen und leitet dort den Evaluationsausschuss, der unter anderem für die Neuaufnahme von Leibniz-Instituten zuständig ist. „Eigentlich hatte ich mich schon auf das Ende der Amtszeit gefreut, um mich mit ein paar neuen Projekten zu befassen, die ich seit einiger Zeit mit mir herumtrage, aber es kam anders“, sagt Jacobs.  Aufgrund ihrer Erfahrung als Koordinatorin eines deutschlandweiten Schwerpunktes zur Mikrofluidik, als Mitglied des DFG-Senatsausschusses für Sonderforschungsbereiche, als DFG-Fachkollegiatin sowie als Mitglied der Expertenkommission zur Exzellenzstrategie wollte man sie für das DFG-Präsidium gewinnen. „Ich musste schon etwas überredet werden“, gibt Jacobs zu, „aber man arbeitet in solchen Ämtern immer mit sehr interessanten Leuten zusammen und man merkt, dass man für die Wissenschaftslandschaft in Deutschland etwas bewirken kann.“ Dabei sind Karin Jacobs vor allem diese Themen wichtig: Wie kann man Forschungsförderung fair, effizient und erfolgversprechend gestalten? Wie kann man den wissenschaftlichen Nachwuchs am besten fördern?

Mit solchen und ähnlichen Fragen wird sich das Präsidium der Deutschen Forschungsgemeinschaft unter der Leitung ihrer Präsidentin Katja Becker in den kommenden Jahren intensiv auseinandersetzen. Die DFG ist die zentrale Selbstverwaltungsorganisation der Wissenschaft in Deutschland und fördert Forschungsvorhaben an Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen. Sie erhält ihre finanziellen Mittel zum größten Teil von Bund und Ländern und verteilt pro Jahr 3,3 Milliarden Euro in wettbewerblichen Verfahren.

Weitere Informationen: Pressemitteilung der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft ist die Selbstverwaltungsorganisation der Wissenschaft in Deutschland. Sie dient der Wissenschaft in allen ihren Zweigen. Ihre Mitglieder sind forschungsintensive Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, wissenschaftliche Verbände sowie die Akademien der Wissenschaften. Die DFG erhält ihre finanziellen Mittel zum größten Teil von Bund und Ländern, die in allen Bewilligungsgremien vertreten sind. Dabei stellen Stimmverhältnisse und Verfahrensregeln wissenschaftsgeleitete Entscheidungen sicher. Die Kernaufgabe der DFG besteht in der wettbewerblichen Auswahl der besten Forschungsvorhaben von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an Hochschulen und Forschungsinstituten und in deren Finanzierung. Info: www.dfg.de

 

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